Religiöses Buch des Monats August 2020

28.07.2020 10:21

Heike Helmchen-Menke: Ins Leben begleiten. Religionssensibel durch den Familienalltag  

PATMOS VERLAG, 2020

Familie als Ort der religiösen Erfahrung
 
Die Familie ist der Ort, an dem Kinder ihre ersten religiösen Erfahrungen machen. Ein Tischgebet, ein Segen zum Einschlafen, ein Kreuz an der Wand, vielleicht auch durch den mehr oder weniger regelmäßigen Gottesdienstbesuch. Die Freiburger Theologin Heike Helmchen-Menke beschreibt in diesem Buch, wie Familien die religiöse Seite des Alltags gestalten können. Dazu brauche es vor allem Zeit und ein offenes Ohr bei den Eltern – wie überhaupt in der Erziehung, die in erster Linie Beziehungsarbeit ist. Zeit zu haben und nicht nur nach Takt und Plan zu leben, sei für Kinder (und für Eltern gleichermaßen!) wichtig. Zeit zu haben bedeutet, die Möglichkeit zu haben, über Träume, Wünsche, Ängste zu sprechen. Viele solcher Gespräche ergeben sich nebenbei, indem Eltern von sich erzählen. Daraus ergeben sich ganz von alleine Anknüpfungspunkte, die auch die religiöse Dimension des Lebens sichtbar werden lassen. 
  

Tipps zum gemeinsamen Glauben
 
Darüber hinaus gehören zur religiösen Imprägnierung des Familienlebens das gemeinsame Gebet und der Segen, der allen Familienmitgliedern immer wieder zugesprochen wird. Dazu gibt Helmchen-Menke hilfreiche Tipps und verweist auf das Gotteslob, das einige kinder- und familientaugliche Gebete enthält.Weitere Kapitel beschäftigen sich mit den Lebensfesten Geburtstag, Taufe, Erstkommunion und mit den Fragen nach Gott, Leid und Tod, die Eltern manchmal ganz schön ins Schwitzen bringen können. Hier bietet Helmchen-Menke Perspektiven aus der gegenwärtigen Theologie an, die Eltern helfen, die Fragen der Kinder (die ja oft genug auch die eigenen Fragen sind) zu beantworten oder zumindest eine Perspektive für eine Antwort zu vermitteln. Die Botschaft dieses Kapitels ist: Eltern müssen nicht auf alle Fragen eine Antwort haben, sollten das aber auch ehrlich eingestehen und unangenehme Fragen nicht einfach wegwischen. Die Autorin bleibt zudem nicht beim Christentum stehen, sondern ermuntert auch zur Auseinandersetzung mit anderen Religionen, die den Kindern in ihrem Alltag immer wieder begegnen.
 
Christliche Feste für heute ausgelegt
 
In einem zweiten Teil „Durch das Jahr“ buchstabiert sie die christlichen Feste und geprägten Zeiten von Neujahr bis Weihnachten und erschließt ihren Sinn für heute. Da kommen dann schon mal Hildegard von Bingen zusammen mit Fridays for Future vor und eine kindgerechte Fassung der Barbara-Legende (ohne ihr die Dramatik zu nehmen, dass ein Vater seine Tochter dem Henker ausliefert), die sie zudem als Anfrage an die Eltern liest: „Wie weit dürfen die Pläne, die wir für unsere Kinder ... haben, ihre Entwicklung bestimmen?“Ein sehr alltagsnahes, ansprechend-fröhlich gestaltetes Buch, das für viele Familien eine Bereicherung sein dürfte.
(Borromäusverein)