Religiöses Buch des Monats Mai 2020

23.04.2020 10:03

Gott macht unruhig / Philipp Meyer: Die Dynamik meines Glaubens

Mitarbeit: Woelki, Rainer Maria   HERDER, FREIBURG, 2020

 

Ruhe und Unruhe im Glauben

„Gott macht unruhig“ – mit dem Titel seines Buches bezieht sich der junge Benediktinerpater Philipp Meyer aus Maria Laach natürlich auf das berühmte Zitat des heiligen Augustinus, nach dem unser Herz unruhig ist, bis es Ruhe findet in Gott. Aber müsste dann ein Mönch und Priester nicht vielmehr Ruhe in Gott gefunden haben? Doch ganz so leicht ist es eben mit dem Glauben auch nicht immer, und deshalb spricht der Autor im Untertitel auch ganz ehrlich von der „Dynamik“ seines Glaubens. Er gibt offen zu, dass es ihn immer wieder einmal auch von Gott wegzieht, dass es Augenblicke gibt, in denen ihm Gottes Licht zu stark ist, und dass er manchmal auch Angst hat, zu kurz zu kommen. Gleichzeitig hat er aber die Erfahrung gemacht, dass selbst in den Momenten, in denen er sich innerlich ganz weit von Gott entfernt empfindet, Gott ihm immer wieder unerwartet nahegekommen ist. Das gibt ihm wiederum die Sicherheit, dass es im Glauben nicht zuerst um Dogmen geht, sondern um die Begegnung mit einer Person, Jesus Christus.

 

Jesus begegnen – im Gebet und in der Bibel

Wie kann man aber dieser Person begegnen, die doch vor 2000 Jahren gelebt hat? In den Texten der Heiligen Schrift – und im Gebet. Deshalb wählt Philipp Meyer für sein Buch den Weg, anhand eines Gebetes von Papst Benedikt XVI. ausgewählte Texte der Bibel zu betrachten, um so Jesus besser kennenzulernen. Die Betrachtungen der Schriftstellen folgen auf diesem Weg also nicht einem systematischen Aufbau, haben aber durch das zugrundeliegende Gebet durchaus einen inneren Zusammenhang, sie bringen verschiedene Aspekte einer persönlichen Gottesbeziehung zum Ausdruck.

  

Biblische Sprache verständlich entschlüsselt

Ausgangspunkt sind beispielsweise Überlegungen zur traditionellen Gebetsanrede „Herr“, mit der sich heute viele Menschen etwas schwertun. Wer die biblischen Texte dazu betrachtet, wird aber entdecken, dass mit dieser Anrede gerade nicht ein Machtverhältnis ausgedrückt werden soll, vielmehr das Bewusstsein, dass wir von Gott bedingungslos angenommen sind. Die Betrachtungen des Benediktinerpaters zum Begriff „Herz“, der so oft und in so vielen Kontexten in der Bibel vorkommt, zeigen, dass es im Glauben um das Innerste des Menschen, um das Wesentliche geht, und dass unser Herz ebenso aus Liebe brennen muss und offen sein sollte, wie das Herz Gottes vor Liebe brennt und stets für uns offensteht.

   

Öffnung des Glaubens für Andere

Wer Jesus als Quelle seines Lebens gefunden hat, kann dann auch für andere zu einer Quelle werden, andere Menschen zu Jesus führen. Beispiele sind für den Autor etwa die Sterndeuter, die aus Bethlehem wieder in ihr Land zurückkehren, aber „auf einem anderen Weg“, sie werden nach der Begegnung mit dem Gotteskind zu Zeugen der Herrlichkeit Gottes; oder der gierige Zöllner Zachäus, der in der Begegnung mit Jesus eine Art vorweggenommenes reinigendes „Fegefeuer“ erlebt und von diesem Moment an sein Leben ändern möchte, vom Nehmenden zum Geber wird. Schließlich gibt es mit der Kirche eine Gemeinschaft all derer, die Jesus begegnet sind und sich von ihm haben berufen lassen, am Reich Gottes in dieser Welt mitzuarbeiten. Wesensmerkmal dieser Kirche sind aber nicht Strukturen und Hierarchien, sondern die Feier der Sakramente, durch die Gottes Gegenwart und Barmherzigkeit sichtbar und erfahrbar werden.

   

Ein glaubwürdiges Zeugnis der Nachfolge

Überall erkennt Philipp Meyer diese Dynamik des Glaubens, die zwar unruhig macht, aber letztlich nicht beunruhigen muss, die zwar immer wieder auf die Suche gehen muss, aber auch immer wieder zurückfindet zu der Quelle des Lebens, die Jesus Christus ist. So wird sein Buch ein persönliches Glaubenszeugnis, das nicht zuletzt deshalb auch glaub-würdig ist, weil man sich auch selbst immer wieder in den beschriebenen Dynamiken wiederfinden kann. Und weil es dazu ermutigt, sich immer wieder neu auf den Weg der Nachfolge Jesu zu begeben.
(Sankt Michaelsbund)

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