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110 Jahre weltkirchliche Arbeit

Jubiläumsfest in Ettringen: Kein Rechenbeispiel, sondern gelebte Caritas

07.10.2026 11:24

Auf 110 Jahre weltkirchliches Engagement im Bistum Augsburg haben an diesem Samstag die Abteilung Weltkirche, die Aktion Hoffnung und der Bischöfliche Hilfsfonds Eine Welt im Eine Welt Zentrum in Ettringen zurückgeblickt. Eine Zahl, die auf den ersten Blick überraschte, bei genauerem Hinsehen sich aber in Summe als die Arbeit vieler Multiplikatoren entpuppte. 

Interessante Einblicke gab ein Interview von Angelika Schneiderat mit Zeitzeugen aus verschiedenen Epochen der "3 Säulen": Andrea Decke (Bischöflicher Hilfsfonds), Anton Stegmair (Leiter Weltkirche) und Peter Förg (Gründungsgeschäftsführer der Aktion Hoffnung)

Domkapitular Walter Schmiedel bemerkte in seiner Predigt beim Festgottesdienst, dass er zunächst von der Jubiläumszahl überrascht war. 1916 erschien ihm als kein spezielles Weltkirchendatum. Wie er aber dann in der Einladung nachlesen konnte, war die Zahl eine Addition der drei „jubilierenden“ Säulen der weltkirchlichen Arbeit im Bistum Augsburg: 52 Jahre Abteilung Weltkirche, 40 Jahre Aktion Hoffnung und 18 Jahre Bischöflicher Hilfsfonds.

Nach seiner Ansicht müsse man diese Zahlen nicht addieren, sondern multiplizieren. Und zwar mit dem ehren- und hauptamtlichen Engagement, das in diesen Jahren Menschen im Bistum Augsburg geleistet haben. Multiplizieren mit den Projekten, die seit Beginn durch Kirchensteuermittel und Spenden unterstützt werden konnten und multiplizieren mit der Hartnäckigkeit, mit der die Aktiven das Engagement auch in schwieriger werdenden Zeiten aufrechterhalten konnten.

Mehr als 280 Ehrenamtliche, Mitarbeitende, Personen aus Politik und von Kommunen konnten Anton Stegmair, als Leiter der Abteilung Weltkirche und Johannes Müller, als Geschäftsführer der Aktion Hoffnung, zu dem etwas ungewöhnlichen Jubiläum begrüßen. Mit einem Mittagsimbiss startete das Programm, das in ein rund eindreiviertelstündiges, sehr kurzweiliges Festprogramm führte. Zu verdanken war dies zum einen der „Reiseleiterin“ durch die über 50-jährige Zeitgesichte, Angelika Schneiderat. Zum anderen den beiden Musikern Tom & Flo, die die Zuhörerinnen und Zuhörer mit ihren Stücken in das jeweilige Jahrzehnt versetzen konnten. Haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende der Aktion Hoffnung verdeutlichten mit einer Modenschau die vier vorgestellten Epochen von der Gründung bis zur Gegenwart auf der Bühne.

Wie in vier Moderationen mit den Verantwortlichen der „drei weltkirchlichen Säulen“ im Bistum Augsburg zu erfahren war, griff der Gründer, Erzbischof Dr. Josef Stimpfle, das Anliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils als das „Weltkirche-Konzil“ auf und errichtete eine Abteilung „Mission-Entwicklung-Frieden“. Wieder waren es die „Zeichen der Zeit“, die den rührigen Erzbischof dann 1986 zusammen mit dem damaligen Leiter der Abteilung, Domkapitular Heinz Eudenbach, zur Gründung der Aktion Hoffnung brachte. Schön war, dass Peter Förg, der erste Geschäftsführer der Aktion Hoffnung beim Fest dabei war. Sehr spannend war dann die letzte Runde, in der Angelika Schneiderat mit Thomas Ahlmann, dem Geschäftsführer vom Dachverband FairWertung e.V. in Essen, Johannes Müller und Anton Stegmair einen Blick in die Zukunft wagte. Man bräuchte wohl eine Glaskugel, wie Anton Stegmair in seinem Statement einführte, um die Zukunft in diesem Bereich sehen zu können. Zahlreiche, schwer kalkulierbare Umstände bis hinein in die Weltpolitik führten dazu, dass eine klare Planung fast unmöglich sei. Es gäbe aber Licht am Horizont, so stellte Ahlmann fest. Als Geschäftsführer von FairWertung sei er in die politischen Debatten zur Umsetzung eines Kreislaufgesetztes involviert, das für das Jahr 2028 die Umsetzung einer Europa-Richtline für den Sektor der gebrauchten Kleidung auch in Deutschland erzwinge. Bis dahin gelte es, so Müller, noch „durchzuhalten“, was er aber angesichts des außerordentlichen Engagements der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden in allen drei Bereichen in keinster Weise bezweifle. „An uns soll es nicht liegen!“, so Müller.

Nach einer Stärkung bei Kaffee und Kuchen bestand für die Besucherinnen und Besucher des Festes die Möglichkeit an Führungen durch das Eine Welt Zentrum mit seiner Kleidersortieranlage zu machen, in der sie viele Informationen aus erster Hand zum Thema Umgang mit gebrauchter Kleidung erhielten. Informieren konnten sich die Gäste auch bei den Projektpartnerinnen und -partnern die aus Albanien, Kenia, Rumänien und Uganda angereist waren, um die Verbundenheit untereinander auszudrücken. Weitere interessante Infos gab es an einem Stand des Freiwilligendienstes der Diözese für junge Menschen und der Bilderwand des Bischöflichen Hilfsfonds. Auch vertreten war eine Verkostung des diözesanen Partnerkaffees, den die KAB (Katholischen Arbeitnehmerbewegung) und die Aktion Hoffnung vor mehr als 20 Jahren begonnen haben. Dieser kommt von KAB-Gruppen direkt aus Tansania, und hilft dort soziale Projekte zu finanzieren.

„Das war heute ein lebendiges und sehr beeindruckendes Erlebnis von Weltkirche im Bistum Augsburg“, resümierten Anton Stegmair und Johannes Müller bei ihren Dankesworten am Ende des feierlichen Gottesdienstes, der den Abschluss des Jubiläumstages bildete.

Text: Anton Stegmair

Dem Festgottesdienst mit Gästen aus der Weltkirche stand Domkapitular Walter Schmiedel vor. Von links: Pfr. Victor Roger Ngou Fils, Krumbach, Msgr. Wolfgang Huber, Präsident missio München, Dekan P. Michael Sibu, Ettringen und Pfr. Anton Mahl, Kalacha, Kenia
Die Gäste konnten sich u.a. auch bei einer Führung durch die Sortieranlage über die Tätigkeiten der Aktion Hoffnung informieren.
Einen schönen Rahmen bildete der Saal des Eine-Welt-Zentrums der Aktion Hoffnung in Ettringen