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Familienwallfahrt

Augsburger zu Gast beim Papst und in Trastevere

Nirgendwo sonst auf der Welt wird der Begriff Weltkirche so greifbar, wie auf dem Petersplatz in Rom. Zur Generalaudienz am Mittwochvormittag sind natürlich nicht nur die Teilnehmer der Augsburger Familienwallfahrt gekommen. Abends hingegen, bei „Pizza and Talk mit Bischof Bertram“ sowie der Gebetsvigil in San Crisogono sind die Augsburger hingegen unter sich.

Jeden Mittwoch findet auf dem Petersplatz die Generalaudienz statt. (Fotos: Leander Stork / pba)

Schon drei Stunden vor Beginn der Generalaudienz baut sich eine schier endlose Schlange vor den Kolonaden des Petersplatzes auf. Während die Menschen langsam durch die Sicherheitskontrolle geschleust werden, hört man neben sich zig verschiedene Sprachen. Besonders fromme Mexikaner tragen sogar eine riesige Heiligenfigur in Richtung Vatikan. Aber auch die unterschiedlichsten Ordensgewänder sind zu sehen. Manche davon sind in Europa weitestgehend unbekannt.

Musikbeiträge aus aller Welt

Jede Nation bringt ihre eigene Sprache und Kultur mit auf den Platz. Das merkt man nicht zuletzt auch an den musikalischen Beiträgen. Während die Augsburger ihr extra einstudiertes Wallfahrtslied „Insieme a te“ erklingen lassen horchen einige verwundert auf. So viel Jugendlichkeit und Elan verbinden nicht alle mit den sonst eher steifen Deutschen. Wenig später sorgt dann eine Musikkapelle aus Mittelamerika für Stimmung. Der wilde Mix aus Songs wie „Freude schöner Götterfunken“ oder „Mamma mia“ lässt sogar die auf den Kolonaden versammelten Journalisten nicht kalt. Ein Stimmungswechsel tritt dann ein, als eine deutsche Musikkapelle Kirchenlieder anstimmt. „Von Guten Mächten wunderbar geborgen“ und „Großer Gott wir loben dich“ erklangen zu Zeiten von Papst Benedikt auf dem Platz wohl noch öfter.

Bischof Bertram konnte einige persönliche Worte an den Papst richten.

Papst Leo spricht über die Liturgie der Kirche

Dann endlich lassen einige rennende Sicherheitsmänner erahnen, dass der Papst naht. Auf seinem offenen Papamobil dreht er einige Runden durch die versammelte Menge, winkt begeistert den Massen zu und segnet Kinder. Gekonnt fängt er auch einige Geschenke auf, die neuerdings in Richtung des Papstes geworfen werden. In seiner darauf folgenden Katechese erinnert Papst Leo XIV. an das Zweite Vatikanische Konzil und die damit einhergehenden Veränderungen in der Liturgie. Er mahnt aber auch die Priester, die vorgegebenen Texte und Regulierungen einzuhalten. Zum Schluss richtet er, erneut mit Hilfe von Übersetzern, Grüße auf neun verschiedenen Sprachen an die Pilger. An die deutschsprachigen Personen gewandt sagt er: „Der Heilige Geist helfe uns, gläubig und andächtig an der heiligen Liturgie teilzunehmen, damit wir Christus immer mehr gleichgestaltet werden und durch ihn den einen und dreifaltigen Gott verherrlichen.“

Der Papst nutzt aber auch die Gelegenheit, um seine Sorge über die Intensivierung der Angriffe auf die Ukraine auszudrücken: "Der Krieg löst keine Probleme, sondern verschärft sie; er schafft keine Sicherheit, sondern vervielfacht Leid und Hass. Wo Raketen und Drohnen niedergehen, sterben auch die Hoffnungen; Wohnhäuser und Gebetsstätten werden zerstört, und unschuldige Leben werden zerschlagen."

Nach dem lateinisch gesungenen Vater unser und dem Apostolischen Segen werden die anwesenden Bischöfe zum Papst vorgelassen. Auch Bischof Bertram nutzt die Gelegenheit. In der Ferne hört man derweil die Augsburger Wallfahrer jubeln. Dann leert sich der Platz wieder rasant. Nach vielen Stunden an der prallen Sonne zieht es die meisten erst einmal in den Schatten oder zu den Trinkbrunnen.

Jugendliche stellen Fragen an ihren Bischof

Im kühlen Kellergewölbe stellte sich Bischof Bertram den Fragen der Jugendlichen.

Am Abend geht es dann für die Jugendlichen der Gruppe in den römischen Stadtteil Trastevere zu „Pizza and talk“ mit Bischof Bertram. In geselliger Runde mit fast 80 Teilnehmern können Fragen an ihn gestellt werden. Die meistgestellte bezieht sich dann auch gleich auf die Audienz am Morgen: „Was haben Sie mit dem Papst geredet?“ Bischof Bertram erzählt daraufhin, dass er sich dem Papst vorstellen wollte, doch dieser habe direkt abgewunken. Er habe den Augsburger Hirten noch von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe in Erinnerung. Daraufhin habe der Bischof scherzend angemerkt, dass er ihn hoffentlich in guter Erinnerung habe. Das erklärt dann auch, warum beide auf den Fotos lachend zu sehen sind. Inhaltlich sei es allerdings nicht möglich, in so kurzen Momenten etwas zu besprechen. Allerdings habe er am Morgen auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und den Leiter des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen Kurt Kardinal Koch zu einem längeren Gespräch getroffen.

Spannend wird es, als die Frage aufkommt, ob sich der Bischof vorstellen könnte, selbst Papst zu werden. Papst zu sein, sei wenig verlockend, so die Antwort. Er habe während seiner Zeit in Rom erlebt, wie einsam Päpste auch sein könnten. Schon als Bischof sei es schwer genug, Freundschaften zu pflegen und zwischen echten und falschen Freunden zu unterscheiden.

Zwischen Fußball, Berufung und Operation

Dann wird er gefragt, was er eigentlich in seiner Freizeit so mache. Unumwunden gibt der Bischof zu, dass er sehr wenig davon habe. Er genieße aber gerne ein gutes Abendessen mit Freunden, entspanne auf dem Sofa oder gehe im Urlaub in Südtirol sehr gerne wandern. Lachend sagt er, dass er eigentlich auch mehr Sport machen müsse. Als er sich dann als Fan des FC Bayern München outet, ist der Saal geteilter Meinung und lebhafte Diskussionen beginnen.

Persönlicher wird es, als die Jugendlichen wissen wollen, ob er es manchmal bereue, zölibatär zu leben. Die einfache Antwort: „Ich bin glücklich, so wie ich lebe.“ Aber vor allem seine Mutter sei vor der Priesterweihe deswegen besorgt gewesen. Mit der Zeit merke man dann auch den Unterschied, wenn Klassenkameraden heiraten und Kinder bekommen würden. Aber er wisse auch, dass das Vater-Sein sehr anstrengend sein könne.

Weiter geht es um seinen schönsten Moment im Berufungsleben (als er bei seiner Priesterweihe seinem evangelischen Vater mit Erlaubnis seines Weihespenders die Kommunion reichen durfte) und um ein Erlebnis, wo er Gottes Nähe besonders gespürt habe (der Bischof erinnert an seine Operation im letzten Jahr). Dann aber richtet er eine Frage an die Jugendlichen: „Was würdet ihr an der Kirche ändern, wenn ihr es könntet?“ Neben den erwartbaren Antworten sagt dann ein Jugendlicher: „Eindeutig die harten Kirchenbänke.“

Der Abend wurde mit einer Gebetsvigil in der Basilika San Crisogono abgeschlossen.

Die Freundschaft mit Jesus trägt

Im Anschluss geht es hinüber in die ehrwürdige Basilika San Crisogono zu einer Gebetsvigil. Kaplan Sebastian Fuchs und Pastoralreferentin Luisa Stelzle von der Mädchengemeinschaft „Der neue Weg“ leiten durch die Feier. An einzelnen Stationen in der Kirche können die Jugendlichen Weihrauch auflegen, Kerzen anzünden, sich segnen lassen oder mit einem Seelsorger sprechen. Bei alledem geht es um die Frage, was einen im Leben trägt. Die stimmungsvolle Feier wird musikalisch von Peter Frasch und Kristina Roth mit Lobpreisliedern begleitet.

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