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Familienwallfahrt

Rom bei 30 Grad: Petersdom und Stadtzentrum

Wer Rom besucht, der muss mit einigen typischen Merkmalen rechnen: Hitze, Massentourismus, fliegende Händler und flexible Spontanität. All das macht sich natürlich auch am ersten richtigen Romtag bei der Familienwallfahrt bemerkbar. Und doch kommt natürlich kein Katholik in der Ewigen Stadt an einem Besuch der sowohl religiösen als auch touristischen Highlights vorbei. An wohl keinem anderen Ort der Welt finden sich so viele Kunstwerke von Weltrang. Das bringt nicht nur Kinderaugen zum Staunen.

Maskottchen "Lupinella" begleitete die Gruppen aus dem Bistum durch Rom. (Fotos: Leander Stork / pba)

Die Augsburger Gruppen sind kaum zu übersehen, als sie mit römischer Verspätung kurz nach Neun auf der Via della Conciliazione eintreffen: bunte Fähnchen, Pilgerschals, Sonnenhüte und wuselige Kinder prägen plötzlich das Bild, vertraute schwäbische Formulierungen erklingen. Der Petersplatz ist zu diesem Zeitpunkt schon gut besucht. Als nach einiger Zeit auch die zugehörigen Stadtführer gefunden und die Kleingruppen aufgeteilt sind, heißt es erst einmal anstehen. Ohne Sicherheitskontrolle kommt keiner in die 1626 fertiggestellte Papstbasilika. Den Führern ist es aber wichtig zu betonen, dass Kaiser Konstantin an dieser Stelle bereits um das Jahr 324 herum eine imposante Kirche errichten ließ. Zu diesem Zeitpunkt war die kultische Verehrung des Apostelfürsten Petrus aber bereits im vollen Gange.

Am Grab des heiligen Petrus

Im Inneren angekommen betreten vor allem die Kinder mit großen Augen einen der größten Kirchenbauten weltweit. Von hinten murmelt es: „Wow, man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll.“ Und tatsächlich birgt der Petersdom im Inneren eine wahnsinnige Fülle an Kunstschätzen, so etwa die aus einem Marmorblock gehauene Pieta von Michelangelo, die bronzene Petrusstatue aus dem Mittelalter oder den berühmten Baldachin über dem Papstaltar von Bernini. Und auch, wenn die Gruppen sich im Gedränge immer wieder fast aus den Augen verlieren, gelingt es den Führern doch, eine Menge an interessanten Fakten zu erzählen. Und dann gelingt es auch noch, kurz das Verhältnis der Römer zu ihrem neuen Papst anzusprechen. Etwas herumlavierend gibt eine Führerin zu, dass Papst Leo XIV. ein wenig Zeit gebraucht habe, sich in das Amt einzufinden. Erst so langsam bekomme er ein Profil und ließe sich einschätzen. Sowohl die verbalen Schlagabtausche mit der amerikanischen Regierung als auch die Veröffentlichung seiner ersten Enzyklika zum Thema Künstliche Intelligenz seien sehr positiv aufgenommen worden. Aber: „Jede Zeit braucht ihren eigenen Papst mit seinen eigenen Schwerpunkten und Sichtweisen.“ Ein allgemeines Kopfnicken ist die Folge. Dann geht es mit der Führung noch eine Etage tiefer in die vatikanischen Grotten. Den Besuch des Grabes von Papst Benedikt XVI. möchte man sich nicht entgehen lassen. Aber auch hier kann wegen der Menschenmassen keine wirkliche Andacht aufkommen.

Prunkvoll thront der heilige Petrus in Gestalt einer Bronzefigur im vorderen Mittelschiff der Basilika.

Eine Tour durch das antike Marsfeld

Leerer wird es auch am Nachmittag in der Innenstadt nicht. Erneut geht es mit einer kundigen Führerin durch enge Gassen und zahlreichen Menschenansammlungen. Die Route führt dieses Mal von der Engelsburg zunächst zur Piazza Navona, die noch heute an der Form ihre ursprüngliche Nutzung als Stadion erkennen lässt. Die Kinder dürfen am imposanten Vierströmebrunnen von Bernini die zugehörigen Kontinente anhand der dargestellten Tiere erraten. Um das Krokodil als solches zu erkennen, bedarf es aber schon einer Menge an Fantasie. Weiter geht’s zum Pantheon. Hier erzählt die Führerin von dem nachgespielten Pfingstereignis mit den herunterregnenden Rosenblättern und gerät regelrecht ins Schwärmen. Doch dann ist es auch schon Zeit für einen Zwischenstopp in der Jesuitenkirche Sant'Ignazio. Mit fetziger Gitarrenmusik versucht Kristina Roth, Leiterin der Stabsstelle Schulische Inklusion, die müden Wallfahrer aufzumuntern. Pfarrer Gabriel Bucher, der unter anderem als Hochschulpfarrer in Augsburg wirkt, erzählt ausgehend von den berühmten Deckenfresken in der Kirche etwas über Perspektiven im Glauben. Zu fast liebevollen Szenen kommt es, als sich die Familien gegenseitig segnen dürfen. Hier und da zeichnen sich die Eltern und Kinder Kreuze auf die Stirn, legen sich die Hände auf oder umarmen sich.

Bei der kurzen Andacht waren die Familien eingeladen, sich gegenseitig zu segnen.

Der nächste Tag wirft seine Schatten voraus

Dann geht es auch schon wieder zurück in die Hitze. Nun folgen noch kurze Abstecher zum sehr gut besuchten Trevi-Brunnen, zur Mariensäule auf dem spanischen Platz und der zugehörigen spanischen Treppe. Müde, aber voller Eindrücke, sammeln sich die einzelnen Teilgruppen zum Abschluss auf der Piazza del Popolo. Als die Gruppenleitung dann die Abfahrtszeit für den Folgetag bekannt gibt, stöhnen einige Kinder auf: 6.30 Uhr Abfahrt in Richtung Vatikan. Spätestens um 10 Uhr müssen alle auf dem Petersplatz sein – das nächste Highlight steht an.

Blick von der Engelsburg auf den Petersdom.
Die Wallfahrergruppen tragen klangvolle Namen, wie "Eis", "Spaghetti" oder "Sanduhr".
Einst römischer Tempel, heute katholische Kirche: das Pantheon mit seiner beeindruckenden Kuppel.