Pfarrkirche St. Peter und Paul

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul bildet nicht, wie in den meisten Ortschaften den Ortskern und ist weithin sichtbar, sondern steht am südlichen Ortsrand in einem Tal der Gemeinde.
Dies begründet mit der Erstbesiedlung des Ortes im noch tiefer gelegenen Ortsteil Schrofen, am Fluss der Lautrach, aus der sich der Ortsname (Luteraha - lautere Ach herleitet). Ursprünglich erwähnt wurde der Ort 840 als einer der ältesten Rittersitze in Schwaben.

Die heutige Kirche weist mit romanischem Turmunterbau auf eine Entstehungszeit im 12./13. Jahrhundert hin. Aus dem 15. Jahrhundert ist ein Ziegel- und Tuffsteinaufbau zu erkennen.
Ein weiteres Zeit Zeugnis bildet der kelchförmige Taufstein in der Kirche mit Wappenschildern aus der Zeit - Mitte 16. Jh. Ebenso ein Rotmarmorephitat mit dem Relief des verstorbenen Wolf von Landau 1566, das sich an der Turmnische der nördlichen Außenfassade befindet.

Der Bau des Gotteshauses, wie es heute zu sehen ist, beruht auf der Tatsache, dass der Ort Lautrach 1642 vom Fürststift Kempten aufgekauft wurde. Es unterlag somit bis zur Säkularisation dem Bistum Konstanz. Außen am Turm befindet sich das Wappen des Fürstabtes Rupert von Bodman, mit den Zahlen seiner Regierungszeit, in denen wahrscheinlich der Neubau der Kirche eingeleitet wurde. Schriftlich erwähnt ist 1711 der achtseitige Aufbau des Turmes mit der Zwiebelhaube, durch Christian Anton Weber. Nach den wenigen schriftlichen Dokumenten wurde die Kirche mit Chor und Langhaus um 1735 erstellt. 1749 wurde das Gotteshaus erweitert und barockisiert. Bis zur Fertigstellung dauerte es noch etwa 10 Jahre.
Eine nochmalige spätere Erweiterung nach Westen, wurde um 1840 vorgenommen, mit dem Einbau einer Empore und einer neuen Orgel.

Betritt man das Gotteshaus, eröffnet sich für das Auge ein lichter, freundlicher Raum, mit dezenter Verzierung im Stile des Rokoko. Die Stuckarbeiten werden Franz Georg Üblher zugeschrieben.
An den freistehenden Säulen im Eingangsbereich findet man in weiß und gold gefasste Holzfiguren der beiden Kirchenpatrone: Die Apostel Petrus (mit Buch und Himmelsschlüssel) und Paulus (mit Buch und Schwert). Sie werden wie das Wandkreuz auf der linken Außenwand, der Hegenauer Werkstätte (um 1750/60) zugeschrieben.
Das Martyrium der beiden Kirchenpatrone ist im Hauptdeckengemälde dargestellt, signiert von Linus Seiff 1765.

Vor dem Chorraum sieht man eine Darstellung des Hl. Geistes. Das Deckenbild im Chorraum wiest auf die Verehrung der Hl. Eucharistie hin. Es nimmt mit dem Satanssturz durch den Erzengel Michael Bezug auf die geheime Offenbarung des Johannes.

Das westliche Deckengemälde zeigt die Verehrung Mariens durch den Karmeliterorden. Einer Legende nach erhält der Karmelitergeneral Simon Stock in einer Vision von Maria ein sogenanntes Skapulier als besonderes Zeichen des Schutzes überreicht. Im rechten Bildrand sieht man eine Darstellung der Vorgängerkirche. Signiert von Jakob Huwyler, der die Deckenbilder bei einer Renovierung 1905 überarbeitet hat. Neu gemalt von ihm, das Deckenfresko über der Orgel, mit der Hl. Cäcilia, Patronin der Kirchenmusiker.

Ein spätbarockes Ensemble bildet der Hochaltar mit den beiden seitlichen Altären aus marmoriertem Holz. Das Hochaltarblatt signiert von Franz Ludwig Hermann v. 1758, zeigt im Vordergrund den Kreuzweg Jesu in der Begegnung mit den weinenden Frauen. Jesus überreicht Veronika das Schweißtuch mit seinem Bildnis. Darüber im linken oberen Bildrand die Vertreibung aus dem Paradies, rechts die erhöhte Schlange der Israeliten bei der Wanderung durch die Wüste.

Am linken Seitenaltar befindet sich eine Herz Jesu Darstellung, von Hermann Lang 1886. Der rechte Seitenaltar zeigt den Hl. Johannes Nepomuk, Patron der Flößer und der Beichtenden. Vermutlich von Franz Georg Hermann um 1750. Daneben die stuckierte Kanzel mit Schalldeckel um 1758.

Die Verehrung Mariens und ihrer Mutter Anna, findet in den beiden Seitenkapellen besonderen Ausdruck. Nördlich ein hochbarocker Altar (vor 1700) mit einer neuzeitlichen Darstellung der Hl. Anna mit Maria (Haugg, Buxheim 1905) darüber der Hl. Sebastian. Im Auszug eine schwarze Wachshand, die der Verehrung der Hl. Anna zugeordnet wird. Seitliche Figuren von oben links Hl. Augustinus, rechts ein Bischof. Links darunter der Hl. Josef mit  Christuskind, rechts Antonius von Padua. Neben dem Altar in einer Wandnische befindet sich die Figur des Hl. Josef im Nazarenerstil um 1860.

In der südlichen Seitenkapelle ist der Marienaltar mit gedrehten Säulen (um 1700) mit bekleideter Statue der Muttergottes der "Sieben Schmerzen".

Eine Statue "Maria Königin" ist an der Wand vor dem linken Seitenaltar zu sehen (von Ivo Striegel um 1470).

In den Wandnischen seitlich des Hochaltares befinden sich links eine Pieta (um 1420) und rechts eine sogenannte "Anna Selbtritt" Figur (um 1720), die Hl. Anna mit Maria und Jesus.

Neuere Renovierungsmaßnahmen wurden 2005/06 an der Außenfassade vorgenommen. Der Innenraum wurde 2011/12 restauriert.

Falls Sie Interesse an einer Kirchenführung haben, wenden Sie sich bitte an das Pfarrbüro.