ERKLÄRUNG ZUR EUROPAWAHL:

Für eine Fortführung des europäischen Friedensprojekts

30.03.2019 17:14

 

In der heutigen Situation ... möge man in Europa nicht das Bewusstsein für die Güter verlieren – als erstes von allen der Friede –, die vom Weg der Freundschaft und Annäherung der Völker in der Nachkriegszeit ausgegangen sind.“(Papst Franziskus)
 

Ende Mai sind rund 400 Millionen EU-Bürger aufgerufen, sich an der Wahl zum 9. Europäischen Parlament zu beteiligen. Die Europawahl steht diesmal im Fokus der öffentlichen Diskussion und wird als Richtungsentscheidung wahrgenommen.  

Der Diözesanrat ruft die Christen und alle Wahlberechtigten im Bistumsgebiet auf, sich ihrer Verantwortung für das europäische Gemeinwohl zu stellen und durch ihre Wahlbeteiligung für die Weiterentwicklung unseres einzigartigen Friedens-, Freiheits- und Wohlstandsprojekts Sorge zu tragen.

  • Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges waren es vielfach gläubige Christen, die durch ihr Bemühen um Verständigung und Aussöhnung die Grundlagen jener Europäischen Union schufen, deren Errungenschaften heute einerseits vielen selbstverständlich erscheinen, die aber andererseits seit einigen Jahren durch einen erstarkten Nationalismus in Frage gestellt werden.
  • Beginnend mit institutionalisierter Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet und der europäischen Sicherheitspolitik, später ergänzt durch starke Strukturen politischer Integration, wurde uns Europäern eine über siebzigjährige Friedensperiode ermöglicht.
  • Der Zusammenhalt zwischen den Nationen der EU und gegenseitiges Verständnis füreinander müssen nicht nur im Großen erhalten, sondern auch in der konkreten politischen Auseinandersetzung immer wieder neu errungen werden. Dazu ist es erforderlich, dass sich politisch Verantwortliche stets um Miteinander und Sensibilität für geschichtliche Prägungen und Erfahrungen anderer Völker und Kulturen sowie darauf beruhende Mentalitäten und Interessenlagen bemühen.
  • Die europäische Friedensidee begründet nicht nur die bleibende Aufgabe, sich für innereuropäische Verständigung einzusetzen, sondern setzt auch Maßstäbe für alle außen- und sicherheitspolitischen Bemühungen der EU, etwa im Umgang mit internationalen Krisen oder im Bereich der Rüstungskontrolle. Die Europäische Union muss sich konsequent am Völkerrecht orientieren und an friedlichen Konfliktlösungen beteiligen.
  • Der Wert des Zusammenhalts in der EU steht und fällt mit Erhalt und Erneuerung einer Reihe von unverzichtbaren Elementen eines europäischen Gemeinwohls, die der Diözesanrat ins Gedächtnis rufen möchte: 
    - Die Achtung der unantastbaren Würde jedes Menschen und des darin begründeten uneingeschränkten 
      Lebensrechts von der Zeugung bis zum natürlichen Tod 
    - der Schutz von Ehe, Familie und Elternrecht
    - der Respekt vor allen in der EU-Grundrechtecharta definierten Freiheitsrechten 
    - die Wertschätzung der Solidarität und Berücksichtigung der Subsidiarität auf lokaler, regionaler, nationaler und 
      EU-Ebene 
    - Respekt und Toleranz zwischen Personen unterschiedlicher kultureller Hintergründe 
    - eine uneingeschränkte Absage an nationalistische Tendenzen 
    - die Beachtung der untrennbaren Verbindung von marktwirtschaftlicher Ordnung und sozialem Ausgleich sowie
    - das Streben nach ökologischer Nachhaltigkeit als politische Querschnittsaufgabe.

verabschiedet von der Vollversammlung
des Diözesanrats am 30. März 2019