1. Anfänge der Katholischen Aktion

1.1 Anfänge in Italien

Die Katholische Aktion steht für die Bündelung der katholischen Kräfte, die sich im Kampf der Kirche um ihre Freiheit seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im politisch zerrissenen Italien entfaltet hatten.

Papst Pius XI. prägte in seiner ersten Enzyklika "Ubi arcano Dei" von 1922 für diese katholischen Strömungen den Begriff der "Azione Cattolica" und gilt deshalb als der Papst der Katholischen Aktion. Mit Berufung auf das gemeinsame Priestertum aller Getauften (vgl. 1 Petr 2,9) rief er alle Gläubigen zur Ausbreitung und Erneuerung des Reiches Christi auf. Dieses Apostolat definierte er als Anteilnahme der Laien am hierarchischen Apostolat. Im Hintergrund stand das bedrängende Problem der Kirchenfeindlichkeit des Liberalismus, der die Unabhängigkeit der Welt von kirchlicher Bevormundung betonte, und der Mangel an Priestern, der die Verkündigung des Evangeliums an vielen Orten erschwerte oder unmöglich machte. Aus diesen Gründen hielt der Papst es für geraten, dass "die katholische Laienwelt nicht müßig dasteht, sondern in enger Verbindung mit der kirchlichen Hierarchie und ihren Weisungen gewärtig an den heiligen Kämpfen sich beteiligt und mit voller Hingabe ihrer Person durch Gebet und freudig geleistete Tätigkeit mithilft, den Glauben wieder zur Blüte zu bringen und die christliche Sitte wieder zu erneuern".

1923 bestätigte Pius XI. die Statuten, die die Katholische Aktion in Italien völlig neu organisierten. Diese Statuten sahen als örtliche Organe Diözesan- und Pfarrausschüsse vor. Auf Landesebene war ein Zentralausschuss vorgesehen.

Als Bewegung katholischen Laienengagements verbreitete sich die Katholische Aktion auch im deutschsprachigen Raum, allerdings unter anderen Vorzeichen und in abgewandelter Form.

1.2 Rezeption in Deutschland

Die Rezeption der Katholischen Aktion in Deutschland begann 1928 mit dem Katholikentag in Magdeburg und der Bayerischen Bischofskonferenz in Freising. Die Fuldaer Bischofskonferenz entwarf 1929 "Richtlinien für die Arbeit der Katholischen Aktion". Diese blieben aber unverbindlich, da letztlich nicht geklärt wurde, ob man eine zentrale überdiözesane Organisation einrichten oder sich auf diözesane Umsetzungen beschränken sollte. Zwei Jahre später nahm die Bischofsversammlung genauere Festlegungen zur Beschaffenheit der Katholischen Aktion vor. Dabei einigte man sich auf Diözesanstellen, deren Vertreter zu gemeinsamen Beratungen zusammenkommen sollten. 1933 wurde die Geschäftsstelle der Katholischen Aktion Deutschlands in Düsseldorf gegründet. Generalsekretär Msgr. Böhler wurde mit der Geschäftsführung beauftragt.

Diskussionsbedarf blieb auf den Plenarkonferenzen der deutschen Bischöfe hinsichtlich der verschiedenen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, des Verhältnisses zwischen Hierarchie und Laienvertretung sowie hinsichtlich der Zuordnung der Verbände und Vereine zur Katholischen Aktion.

1935 erbat die Apostolische Nuntiatur von sämtlichen Diözesen einen Bericht über die Einrichtung der Katholischen Aktion in Deutschland. Dabei gab es laut Kardinal Michael Faulhaber in Bayern erhebliche Schwierigkeiten von Seiten der Staatsregierung. Nicht nur alle religiösen Veranstaltungen außerhalb der kirchlichen Räume waren verboten, auch die Gottesdienste wurden von organisierten Polizeitruppen gestört. Der Kampf gegen die Bekenntnisschulen war bereits in vollem Gang.

1.3 Einführung in der Diözese Augsburg vor 1939

In den Beschlüssen der Diözesansynode von 1929 heißt es unter "IV. Seelsorge": "Der Schwerpunkt der katholischen Laienhilfe liegt in den Gemeinden. Darum ist es vor allem notwendig, Pfarrausschüsse zu gründen, wobei allen katholischen Organisationen die Beteiligung offen stehen soll".

Bischof Joseph Kumpfmüller

Der Fastenhirtenbrief des Augsburger Bischofs Joseph Kumpfmüller (1930-1949) von 1933 hatte die Katholische Aktion zum Thema. Zunächst ging er darauf ein, was die Katholische Aktion sei und wie sie ausgeübt werden könne. Katholische Aktion sei nichts anderes als katholisches Handeln, tatkräftiges Eintreten für die katholische Religion durch Gebet und Beispiel in allen Kreisen. Die Laienapostel seien gesandt "in die Fabriken und Arbeitsräume, in die Büros und Schulen, in die Gelehrtenstuben und Künstlerzirkel, hinaus auf die Felder, Wiesen und Bauplätze: Dort sollen sie das Licht der Wahrheit leuchten lassen und in so manchen, denen es erloschen ist, wieder zu entzünden suchen".

Im engeren Sinn befasste sich die Katholische Aktion in Augsburg mit der Befähigung zu diesem Zeugnis durch gezielte Schulungen. Davon handelte insbesondere der Fastenhirtenbrief des Bischofs von 1934. Die Katholische Aktion organisierte sich in Aktionsausschüssen innerhalb der Pfarreien, die sich bei Bedarf zu einer "Spitzenvertretung" zusammenschließen konnten, um in wichtigen Fragen ein einheitliches Vorgehen zu ermöglichen.

1935 gab Bischof Kumpfmüller einen ersten Bericht über Aktivitäten der Katholischen Aktion in der Diözese Augsburg. Ein Schwerpunkt lag auf der Bewusstseinsbildung der Gläubigen hinsichtlich Wesen und Aufgaben der Katholischen Aktion. Hinzu kamen sogenannte Apostolatsexerzitien zur geistlichen Formung. Der Bericht spiegelt die Schwierigkeiten, denen die katholische Kirche von Seiten der Staatsregierung damals bereits ausgesetzt war wie Überwachung der Gläubigen oder Ausübung von Druck.

Im August 1935 wandte sich Diözesanverbandspräses Georg Wagner (Pfarrer von Westheim) mit einem Brief an das Bischöfliche Ordinariat, in dem er Vorschläge zur Strukturierung der Katholischen Aktion im Bistum Augsburg, insbesondere zur Einrichtung von Pfarrausschüssen, unterbreitete: "Es wären sofort, besonders in den Pfarreien der Städte, der Märkte und größerer Gemeinden, besonders dort, wo der Bestand unserer Vereine gefährdet ist, Pfarrausschüsse zu bilden. [...] In Augsburg soll ferner ein Ausschuss für die ganze Stadt, in den Landdekanaten je ein Ausschuss in jedem Dekanat errichtet werden. [...] An dem Sitze des Bischöflichen Ordinariats befindet sich der Diözesanvorstand".

Angesichts der Bedrohung der katholischen Jugendorganisationen und Standesvereine durch die Nationalsozialistische Partei schien dem Verbandspräses "eine Organisation der Gläubigen auf dem Boden der durch das Konkordat geschützten Katholischen Aktion" das vordringlichste Gebot der Stunde zu sein. Als Vorlage diente ihm ein Rundschreiben der Diözese Berlin vom März 1935 zum "Organisatorischen Aufbau der Katholischen Aktion".

Im Bericht von 1936 über die Aktivitäten der Katholischen Aktion, den der Diözesanreferent für die Katholische Aktion, Domkapitular J. E. Strobl, verfasst hatte, werden ein Bistumstag für Seelsorger sowie Schulungsaktivitäten für Laienhelfer erwähnt. Die Erstellung eines "Aufbauplans der Katholischen Aktion für das Bistum Augsburg" konnte aus Krankheitsgründen des Bischofs zum damaligen Zeitpunkt nicht erfolgen.

Durch das nationalsozialistische Regime wurde das Leben der Kirchen und jegliche systematische Laienarbeit schwer unterdrückt und gezwungenermaßen auf den kirchlichen Binnenraum beschränkt. Deshalb konnte sich die Katholische Aktion erst so richtig nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entfalten.

1.4 Bedeutung der Jugendarbeit

Die Jugendarbeit bildet eine der Wurzeln der Arbeit der Katholischen Aktion. Nach dem Verbot der kirchlichen Jugendverbände im Dritten Reich richtete 1936 der Augsburger Bischof Kumpfmüller als erster in Deutschland ein Bischöfliches Jugendseelsorgeamt als Mittelpunkt aller kirchlichen Jugendarbeit ein. Die Leitung übernahm Alphons Satzger (1899-1978), den der Bischof 1935 zum Diözesanjugendseelsorger bestimmte.

Satzger behielt engen Kontakt zu "seiner" Jugend, auch nachdem er 1939 ein unbefristetes Aufenthaltsverbot für den süddeutschen Raum erhalten hatte. In diesem Zusammenhang erinnerte sich Hubert Müllegger, einer der Protagonisten der Katholischen Aktion nach dem Krieg, aus seiner Jugendzeit an einen Zwischenfall in den ersten Kriegsmonaten. Bei der Jugend in den Pfarreien kursierte einmal die Nachricht, Satzger käme in der Nacht nach Augsburg. Im Beethovenviertel wollte er sich mit Jugendlichen treffen. Müllegger war damals mit einigen anderen Jugendlichen etwas früher am vereinbarten Treffpunkt, um nach einer Möglichkeit zu schauen, wo man unterkommen konnte. Da sahen sie zu einer ganz ungewöhnlichen Zeit überall Straßenkehrer. Bruno Harder, Jugendseelsorger und späterer Stadtpfarrer von St. Ulrich und Afra, hatte den Verdacht, dass das Treffen verraten worden war. Satzger wurde also gewarnt und das Treffen kam nicht zustande.

Vor dem Bischöflichen Jugendseelsorgeamt Augsburg, Stettenstraße, von links

In den politischen Wirren und der nationalsozialistischen Herrschaft war es für die Jugend nicht leicht zu unterscheiden, wohin sie sich orientieren sollten. Viele traten zur Hitlerjugend über. Müllegger nannte es ein Glück, dass sie als Schüler am Gymnasium St. Stephan Patres hatten, die sich ihrer annahmen und sie im Raum der kirchlichen Jugendarbeit weiterführten. Die Gruppen der Marianischen Kongregation, zu der auch Müllegger gehörte, war stärker mit den Jesuiten in München verbunden, während die anderen Jugendgruppen von Düsseldorf aus, dem zentralen Sitz des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) mit seinem Gründer und Generalpräses, Ludwig Wolker (1871-1955), ihre Weisungen bekamen.

Ludwig Wolker
Bruno Harder (um 1943)

Nach dem Krieg bemühte sich insbesondere Harder als Jugendseelsorger, die Jugend wieder zu sammeln. 1947 wurde die Instruktion für die Jugendseelsorge in der Diözese von Bischof Kumpfmüller als verbindlich erklärt.

Joseph Hörmann, Regens in Dillingen und später Domkapitular in Augsburg, hat die Laienarbeit nach dem Krieg sehr stark gefördert. Als Hörmann 1951 tödlich verunglückte, übernahm Martin Lohr, damals Pfarrer in Kempten, seine Aufgabe. Er wurde nach Augsburg als Domkapitular berufen und organisierte die Seelsorgsaufgaben zusammen mit der Katholischen Aktion.

Durch die frühere Jugendarbeit fand die Katholische Aktion nach dem Krieg in der ganzen Diözese Anknüpfungspunkte für Kontakte. Es waren teilweise die einstigen Jugendgruppenleiter, auf die die Katholische Aktion zurückgreifen konnte.