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Der Euro und der Papst

Ein Streiflicht zum 10. Geburtstag der europäischen Einheitswährung

23.12.2008 11:25

Zehn Jahre haben wir nun den EURO in der Tasche. Wir haben uns an das „neue“ Geld gewöhnt, auch wenn mancher im Hinterkopf immer noch Preise in D-Mark umrechnet.

Ein Blick auf die europäische Einheitswährung zeigt bekanntlich zwei Facetten: den Teil und das Ganze. Die Vorderseite der Münzen und Scheine ist europaweit einheitlich gestaltet, die Rückseite trägt Symbole jedes einzelnen Nationalstaates.
Hier entzündete sich vor zehn Jahren ein interessanter, beinahe schon vergessener Akt europäischer Geistes-Disharmonie. Es war der monatelange Streit, der im Hintergrund der Einführung des EURO zwischen dem Heiligen Stuhl und der EU tobte, und der nach Angaben der italienischen Münzprägeanstalt „Zecca dello Stato“ die rechtzeitige Herstellung von 670 000 Vatikan-EURO Münzen blockierte. Stein des Anstoßes war die Frage, ob eine EURO Münze mit dem Bild des Papstes auf der Rückseite in einem Europa mit pluralem, weltanschaulich-neutralen Anspruch vermittelbar sei. Selbst Wim Duisenberg, damals Chef der Europäischen Zentralbank, hatte sich dafür stark gemacht, Münzen mit dem Bild von Papst Johannes Paul II. zu verhindern. Seine Begründung: Auf einer europäischen Währung könne „kein Platz für einen religiösen Führer“ sein. Erst die Argumentation des Vatikan, dass der Papst nicht als Oberhaupt der Katholischen Kirche, sondern in seiner Eigenschaft als Staatsoberhaupt des souveränen Vatikanstaates zu sehen sei ermöglichte den Durchbruch für den Papst-EURO, der sich in Sammlerkreisen wegen der extrem begrenzten Auflage inzwischen längst zum absoluten Hit entwickelte.