anlässlich seiner Amtseinführung als Bischof von Augsburg

Predigt von Bischof Dr. Walter Mixa beim Pontifikalamt

01.10.2005 12:45

Liebe Mitbrüder im bischöflichen, im priesterlichen und im diakonalen Dienst, liebe Kinder und Jugendlichen, liebe Schwestern und Brüder hier im Dom und alle, die Sie über Radio und Fernsehen mit uns verbunden sind.

1) Der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. hat am 16. Juli den Nachfolger des bisherigen Bischofs Dr. Viktor Josef Dammertz für die Diözese des hl. Ulrich ernannt.

Die Wahl des Heiligen Vaters traf auf mich. Ich stelle dankbar fest, dass ich neuneinhalb Jahre sehr gern den bischöflichen Dienst in der Diözese Eichstätt wahrgenommen habe. Ebenso habe ich versucht, mit vielen Mirtarbeitern während der vergangenen fünf Jahre als Katholischer Militärbischof für die Soldaten der Bundeswehr zu sorgen. Diese Aufgabe werde ich auch weiterhin wahrnehmen.

Alle diese Dienste habe ich mit der Hilfe Gottes sehr gern getan. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mich dabei unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Zugleich sage ich Vergelt’s Gott für die bischöflichen Dienste über Jahrzehnte durch Erzbischof Dr. Josef Stimpfle, der in einer schwierigen Umbruchszeit während und nach dem Konzil die Diözese Augsburg mit viel Liebe leitete. Meinem Vorgänger Bischof Dr. Viktor Dammertz sage ich in gleicher Weise für alle seine umsichtigen bischöflichen Dienste ein ganz herzliches Vergelt’s Gott. Dieser Dank gilt auch Weihbischof Josef Grünwald und dessen Ständigen Vertreter Prälat Josef Heigl. Beide Mitbrüder und alle anderen Verantwortlichen im Ordinariat, aber auch in der Diözese haben mitgeholfen, die vergangenen dreizehn Monate der Sedisvakanz umsichtig und aus dem Glauben heraus zu gestalten und zu verantworten.

Jetzt bin ich Ihr neuer Diözesanbischof und habe an Sie die Bitte: nehmen Sie mich persönlich und meinen bischöflichen Dienst in der Nachfolge der Apostel wohlwollend an. Auf der Erde gibt es nichts Vollkommenes. Deshalb bitte ich Sie, mich mit meinem guten Willen, aber auch mit meinen Grenzen und Schwächen zu unterstützen. Bleiben Sie mit mir im Gespräch. Das Wort des Apostels Paulus an die Epheser hat gerade in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung: „Ihr seid jetzt also nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; Schlussstein ist Christus selbst.“ (Eph 2, 19f) Ich vertraue ganz auf die Kraft und die Liebe unseres Herrn und Gottes, auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria und unserer Bistumspatrone, besonders des hl. Ulrich.

2) Jesus Christus „Eckstein und Hirte“

Päpste kommen und gehen; Bischöfe kommen und gehen; Priester kommen und gehen! Wichtig aber ist, dass Jesus Christus bleibt!

Wir selbst erfahren in unserem täglichen Leben immer wieder Verunsicherungen durch geistige und körperliche Gebrechen. „Wer ist es, der uns Hilfe bringt?“ Nüchtern müssen wir bekennen: Wir Menschen können uns aus eigener Kraft auf die Dauer keine Sinnerfüllung für unser Leben und Sterben geben, also auch keinen Lebensmut! Der unsichtbare Schöpfergott schaut liebend und fürsorgend auf uns Menschen als seine Geschöpfe. Wir sind sein Ebenbild. Durch den Propheten Ezechiel sagt uns Gott: Ich kümmere mich um euch wie ein guter Hirte um seine Schafe, keiner ist mir gleichgültig. Gott selber wird die Verirrten und Verlaufenen zur Herde zurückbringen und sie auf eine gute Weide führen. Die prophetische Aussage des Ezechiel ist in dem menschgewordenen Gottessohn durch seine Hingabe im Leiden und Sterben am Kreuz und durch seine Auferstehung Wirklichkeit geworden.

Diese liebende Hirtensorge Gottes in Jesus Christus hat beim Weltjugendtag in Köln Hunderttausende von Jugendlichen zusammengeführt. Bei den Katechesen und den Gottesdiensten, beim Empfang des Bußsakramentes und in den stillen Stunden der Anbetung stand Jesus Christus immer im Mittelpunkt!

Dieses Glaubenszeugnis verpflichtet uns alle. Weltweit müssen wir die umfassende Missionsarbeit der Kirche durch unser Gebet und durch unser Helfen mittragen. Das entspricht dem Auftrag Jesu: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“ Dieser Auftrag gilt zuallererst in unserer eigenen Heimat die Missionsland geworden ist. Es gibt viele suchende und fragende Menschen aller Altersgruppen, auch unter den Soldaten denen ich daheim oder im Ausland begegne. Sie suchen nach der Wahrheit und nach einem „guten Hirten“.

3) Aufbruch in Verbindung mit den Worten Papst Johannes Paul II.: „Auf, lasst uns gehen!“

Für Christen ist es lebensnotwendig sich verstärkt für Ehe und Familie einzusetzen. Jedes Kind braucht die Liebe und die Zärtlichkeit einer Mutter; braucht die gütige und führende Hand eines Vaters. Die Erwachsenen haben eine große Verantwortung für heranwachsende Kinder und Jugendlichen. Die Familie ist die kleinste, aber wichtigste Lebenszelle für jede Staatsgemeinschaft und für die Gemeinschaft der Kirche. Während der vergangenen Jahrzehnte haben viele Kinder und Jugendliche zuhause keinen Hinweis mehr bekommen, wie groß und gütig unser Schöpfergott ist und dass Jesus Christus uns seine Freundschaft anbietet. Ich bitte ganz herzlich alle Eltern, aber auch die Großeltern und die Paten, die Kinder und Jugendlichen auf Jesus Christus hinzuweisen.

Darum beabsichtige ich, die Ehe- und Familienseelsorge durch eine neu zu schaffende Einrichtung zu fördern. Sie soll die Lebenszellen von Ehe und Familie in unserer Gesellschaft neu ans Licht bringen. Die Zusammenarbeit mit dem von mir gegründeten „Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft“ an der Katholischen Universität kann dabei von großem Nutzen sein.

In der Sorge um Ehe und Familie können evangelische und katholische Christen positiv auf die Gesellschaft einwirken. Genauso sind die Christen aufgefordert, ökumenisch für den Schutz des ungeborenen wie des alt- und pflegebedürftigen Menschen einzutreten.

Die Neubewertung des Ehesakramentes und die Wertschätzung der christlichen Familie sind Voraussetzung, dass geistliche Berufungen, besonders auch Priester- und Ordensberufe in unserer Diözese wachsen können. Für das Leben in unseren Pfarrgemeinden sind diese unverzichtbar! Alles lebt aus der Eucharistie, der hl. Messe. Der Sonntag ist für die Christen der Gemeinschaftstag mit Christus und untereinander. Auch heute gilt: Der Sonntag gehört Gott und er gehört uns! Daraus kommt die Kraft für einander einzutreten, das Böse durch das Gute zu besiegen.

Unser Bekenntnis zu Jesus Christus, ist damals wie heute Programm für die Gegenwart und für die Zukunft. Der Glaube an den guten Hirten ist die größte Hilfe für ein sinnerfülltes Leben! Zusammen mit Ihnen bekenne ich: „Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit – Amen!“ (vgl. Hebr 13,8)