Wallfahrt

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Steinbach ist eine der bekanntesten Wallfahrtskirchen im schwäbisch-bayrischen Raum. Das Gotteshaus in Maria Steinbach, im Illerwinkel südwestlich von Memmingen, das bis zur Säkularisation 1803 zum benachbarten Prämonstratenser-Kloster Rot an der Rot gehörte, verschiedentlich ein Kleinod des Rokoko, eine Perle des Oberschwäbischen Barock genannt, wurde 1754 erbaut und am 4.3.1755 von Weihbischof Franz Carl Johann Fugger aus Konstanz feierlich eingeweiht.

Die Wallfahrt entwickelte sich - neben Altötting, Ettal, Maria Einsiedeln und der Wieskirche - zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte im deutschsprachigen Süden.

Gnadenbild

Zur Geschichte:

Bereits 890 soll Steinbach - den Namen "Maria Steinbach" erhielt der Ort erst 1954 - ein Kirchlein besessen haben. 1181 gelangte es durch Tausch zur Herrschaft des Prämonstratenserstifts Rot an der Rot und blieb bis zur Säkularisation 1803 in dessen Besitz. 1510 wurde hier das kleine vorhandene Kirchlein vergrößert und später, um die Massen der Wallfahrer zu fassen, zwischen 1746 und 1753 durch einen Neubau ersetzt. Interessant dabei ist, dass die neue Kirche um die alte gebaut und diese anschließend abgebrochen wurde. Patrone waren der Hl. Ulrich (er soll auf dem Weg nach Augsburg hier vorbei gekommen sein und am heutigen Ulrichsbrunnen seine Ochsen getränkt haben) und die Hl. Verena (Patronin v. Rot a.d. Rot).

Die bis 1723 bescheidene Roter Landkirche gewann rasch an Bedeutung, als Abt Hermann Vogler von Nicolaus Terzaga, dem Bischof von Samaria einen Kreuzpartikel bekam und ihn den Steinbachern übereignete. Die Urkunde von der Echtheit ist vorhanden. Die feierliche Einsetzung des Kreuzpartikels in der Pfarrkirche zum heiligen Ulrich nahm Abt Hermann selber vor. Der 3. Mai 1723 am Fest Kreuzauffindung bedeutete für die ganze Landschaft ein seltenes Ereignis, zu dem Tausende aus der nahen und weiteren Umgebung strömten. Das gereichte nicht bloß zum Troste der Steinbacher, sondern der ganzen Nachbarschaft, wie es in der Ortschronik heißt. Bei der  Aussetzung dieser kostbaren Reliquie beim Kreuzamt jeden Freitag, wie dies heute noch geschieht, begann der Zustrom der Gläubigen aus der näheren Umgebung.

Als am 2. Juni 1730 erstmals die sogenannte Augenwende beim Marienbild beobachtet wurde, von Gebetserhörungen und Krankenheilungen die Rede war und vom unerklärlichen nächtlichen Erleuchtetsein der Kirche gesprochen wurde, nahm die Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes stark zu: Zu Fuß oder mit dem Pferd kamen die Pilger – in Gruppen oder einzeln – sogar bis von Innsbruck, Würzburg, Wien, Graubünden, Vorarlberg, der Innerschweiz und vom Schwarzwald. Trotz Kritik der umliegenden Geistlichkeit blühte die Marien-Wallfahrt auf. Gerade die Kritik war es, die eine Klärung herbeiführte und eine bischöfliche Untersuchungskommission einleitete, die die Vorgänge vor Ort auf ihre Echtheit prüfte: Bekannte Maler und Bildhauer suchten nach Manipulationen an der Muttergottesstatue und 202 Personen wurden zu den Geschehnissen verhört, weitere 61 Zeugen vereidigt.

Nachdem der Pilgerstrom ab 1733, als die Marien-Wallfahrt offiziell anerkannt worden ist,  enorm zunahm, war die vorhandene spätgotische, 1510 gebaute Kirche bald zu klein. Der Wallfahrtspfarrer und spätere Roter Abt Benedikt Stadelhofer betrieb den Bau eines größeren Gotteshauses, für das er sich als Architekt verantwortlich zeichnete.
Die Vorbereitungen zur Grundsteinlegung begannen mit der Verlegung des seitherigen, um die alte Kirche angelegten Friedhofs. Am 3. Juli 1746 holte sich dazu Abt Ignatius die Genehmigung vom Fürststift Kempten ein, das als Territorialherr für den Platz des neuen Gottesackers zuständig war. Er begann den Neubau auf ungewöhnliche Art: Die neue und größere Wallfahrtskirche wurde um die bisherige, zu klein gewordene Kirche, herumgebaut. Das "Soli deo gloria 1753" am südlichen Eingang kennzeichnet die Fertigstellung des Bauwerks mit einfachster Ausstattung. Danach wurde die alte Kirche abgetragen.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche ist - wie für barocke Räume allgemein üblich - so konzipiert, dass von jedem Platz aus das Gesamte überschaubar bleibt. Einheitsraum, Konstruktion, Bewegung, Lichtdramatik, Synthese der Künste, illusionistische Malerei; sie lassen sich als Merkmale barocker Kirchenbaukunst auch an diesem späten Beispiel noch aufzeigen. Beachtlich ist die Lichtführung im Raum. Während der Vorchor im Dunkeln liegt, hebt sich das Langhaus durch seine Helligkeit ab. Der Hochaltarraum ist, je nach Tageszeit lichtdurchflutet und setzt ständig andere Einzelteile und Figuren in Szene. Der Raum ist in einheitlicher Ausstattung ohnegleichen.
Maria Steinbach liegt in einem Gebiet, in dem zwei Architekturtypen aufeinander treffen. Es verschmelzen der Vorarlberger Bautypus, hier besonders die Wandpfeileranlage und der Emporenbau, mit dem zweigeschossigen Altartypus Bayrisch-Schwabens. Das Gotteshaus wird in einer Zeit errichtet, in der vergleichbare Kirchen längst gebaut und einige weitere gerade begonnen wurden.
In den Jahren 1746 bis 1753 baute das Prämonstratenserstift Rot an der Rot die heute bestehende Kirche, deren Ausstattung 1766 fertig gestellt wurde. Zwar begann man mit den Arbeiten schon 1746, doch erst am 23. April 1749 konnte mit den Fundamentgrabungen begonnen werden.
Als sich die Bauabsichten konkretisierten, sandte Abt Ignatius seinen bisherigen Cellerar P. Benedikt Stadelhofer, den späteren Abt, im Jahr 1744 als Wallfahrtspräfekt nach Maria Steinbach und beließ ihn dort bis zum Jahr 1758. Acht Jahre, mit einer nur kurzen Unterbrechung, war auch P. Mauritius Moritz, der Nachfolgeabt von P. Benedikt Stadelhofer, während der Bauzeit in Maria Steinbach als Pfarrseelsorger tätig.
Die Frage nach dem Baumeister ist nicht eindeutig geklärt. Der in Feldkirch 1694 geborene Prämonstratenser P. Benedikt Stadelhofer (gest. 1760), der spätere Abt von Rot, wird immer wieder als Architekt und Planentwerfer genannt. 1742 wurde angeblich der erste Plan zum Neubau vorgelegt. Der Maurermeister Anton Lacher war wahrscheinlich derjenige, der die Pläne ausführte. Abt Mauritius unterschreibt zu Beginn seiner Regierungszeit die Totenrotula (Klosterarchiv Ottobeuren). "P. Stadelhofer hat die herrlichen, der Mutter Gottes geweihten Gebäude in Maria Steinbach zur Bewunderung aller Pilger von Grund auf aufgebaut" (aedibus a fundamentis excitatis).
An der Innenausstattung mit ihren aufwändigen Stuckaturen wurde bis 1768 gearbeitet. Die Fresken stammen vom Kemptener Hofmaler Franz Georg Hermann, als Stuckatoren standen die Wessobrunner Johann Georg Übelher und Franz Xaver Schmuzer im Brot, Josef Gabler aus Ochsenhausen baute die Orgel. Von dieser berühmten Gabler-Orgel gibt es mittlerweile auch eine Single-CD. Diese ist zum Jubiläum "250 Jahre Jubiläum Kircheneinweihung" im Jahre 2005 erschienen.

Das 1952 von der Firma Perner, Passau, gegossene Wallfahrtsgeläute gehört nach fachmännischem Urteil zu den schönsten Geläuten des Allgäus.

 

Schon aus weiter Ferne ist der charakteristische, 57 m hohe Kuppelturm der Wallfahrtskirche sichtbar, die sich stolz auf einer steil abfallenden Hügelnase erhebt. Dem Beschauer fällt die ausgebauchte und schwungvolle Westfassade auf, die sich zweimal wuchtig in muscheliger Form über dem gewaltigen Hauptportal herauswölbt und die gängigen Fachbegriffe der Architekturlehre ins Stocken geraten lässt. Diese einmalig kühn gebogene Fassade weist keine andere deutsche Rokokokirche auf. Über ihr steigt dann der massige Turm nach Art eines Dachreiters in die Höhe; architektonisch ist dieser Anblick kaum mehr zu übertreffen. Der Turm war ursprünglich ein Stockwerk höher und endete in einer schlanken, schön geformten Spitze. Durch einen Blitzschlag im Jahre 1764 bald nach der Erbauung, brannte dieser Teil aus und auf den verkürzten Turm wurde dann die Kuppel aufgesetzt, die eigentlich dem ganzen Baustil nicht entspricht.
Der sehr gefällige Bau besitzt eine gut gegliederte Außenansicht. Querschiffähnliche Ausbauten bringen Leben in die Längsfassaden, das Mansardendach ist über den Vorbauten durch Giebelaufsätze gegliedert. Die Fenster in ihrer doppelreihigen Anordnung ergänzen mit ihrer ansprechenden, lebhaften Formgebung, die an Glocken erinnern darf, das gefällige Gesamtbild.
Die Wallfahrtskirche ist - als kunsthistorisches Juwel, mit ihren „irdischen“ Schätzen und dem Museum - ein beliebtes Ausflugsziel, besitzt aber auch heute noch ein reiches liturgisches Leben.

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Nach wie vor pilgern die Menschen zur Muttergottes nach Maria Steinbach. Auch die Fußwallfahrten erfreuen sich großer Beliebtheit und haben in den letzten Jahren wieder zugenommen.

Die regelmäßigen Fußwallfahrtsgruppen aus allen Richtungen:

 

Wallfahrtskirche im Abendrot