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Das Schöffauer Marienwunder

Schmuckstück der Innenausstattung der Schöffauer St. Anna-Kirche ist die Holzfigur der

Mutter Gottes aus dem 14. Jahrhundert. Sie befindet sich heute auf der Frauenseite, anstelle der alten Kanzel.

Auf diese Madonna gründet sich der Ruf der Kirche als seinerzeit weit bekannter Wallfahrtsort. Diese Marienwallfahrt begann im Mittelalter. Auf einem Wallfahrtsbrief aus dem Jahr 1517 ist ein Schöffauer Marienwunder beschrieben. Dieses Blatt befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München.

„An Christi-Himmelfahrt 1517 gingen die drei Aschauer (Grafenaschau) Brüder Hans, Michael und Georg Hohenleitner zum Viehhüten. Zwischendurch suchten sie im Wald Vogelnester. Für den Jüngsten - den gerade 4 Jahre alten Michael - bastelten sie ein Steckenpferd und schickten ihn vorzeitig nach Hause. Als die Brüder abends heimkamen, war der Junge noch nicht da. Ohne Erfolg suchten 70 Männer die Gegend ab. Der Bub blieb auch die nächsten Tage verschwunden. Bald kam das Gerücht auf, ein durchreisender Mann hätte das Kind verschleppt und verkauft. Der Vater versprach dem Retter seines Sohnes eine hohe Belohnung. Kurz darauf war der Fremde in Peiting aufgespürt. Er konnte aber glaubhaft versichern, den Buben nicht gesehen zu haben. Der Vater machte sich in seiner Not auf zur Schöffauer Madonna. Er gelobte eine Votivgabe. Schon kurz nach diesem Versprechen ging eine Wandlung in ihm vor. Seinem Nachbarn berichtete er, genau zu wissen, dass sein Sohn noch lebe und er sich keine Sorgen zu machen brauche. Drei Tage später setzte sich der Suchtrupp erneut in Bewegung. Diesmal kamen sie zu dem Bach Lindach, an dem ein großeer Wald inmitten eines unwegsamen Moorgebietes lag. Schließlich fanden sie das Kind genau in diesem Moor unter einem Baum sitzend. Als die Männer den Buben fragten, wer ihm denn zu Essen gab, sagte er: „Die Mutter und ein kleiner Bär.“ Seine leibliche Mutter aber lag seit Tagen im Kindbett. So wurde das Überleben von Michael der Holzstatue in der Schöffauer Kirche zugeschrieben.“

 

Bis 1672 waren die Wallfahrten auf dem Höhepunkt. An den Samstagen der Bittwochen kamen regelmäßig mehr als 20 Pilgergruppen aus allen Teilen des Landes. Der Volksmund erzählt, das Gnadenbild würde die Farbe eine Neubemalung nicht annehmen. Im ausgehenden 17. Jahrhundert nahm die Beliebtheit Schöffaus als Wallfahrtsort dann jedoch ab.