Pfarrkirche St. Georg, Offingen (Donau)

Auszüge aus dem Kirchenführer "St. Georg Offingen"

Herausgeber:

Kath. Pfarramt St. Georg, 89362 Offingen, Tel. 08224/1809

Verantwortlich:

Johannes Straub, Pfarrer (* 6. 9. 1928, † 24. 4. 2005)

Text:

Andreas Thoma (* 27. 11. 1910, † 3. 11. 1979)

Herstellung:

1. Auflage 1996

 

 

Kirche Aussenansicht

 

Hochaltar

 

Blick von der Empore
Hoch- und Seitenaltäre in St. Georg Offingen

 

 

Geschichte
Von der Mitte des 7. Jahrhunderts an konnten die das Land beherrschenden Franken die in Schwaben ansässigen Alemannen nach und nach für den christlichen Glauben gewinnen. Hand in Hand damit ging das Bemühen der Kirche, der einheimischen Bevölkerung auch die geistige Kultur zu vrmitteln.

Über die Seelsorge in unserer Gegend wissen wir bis ins 11. Jahrhundert nichts. Wenn behauptet wird, daß der Name Offingen auf einen Otto zurückgehe, so muß dazu gesagt werden, daß es dafür keine Belege gibt.

Die geschichtliche Forschung vermag Zeit und Umstände der Pfarreigründung in Offingen nicht genau festzustellen. Als erste Pfarrer von Offingen wird im Archiv von Schloß Harthausen im Jahr 1429 ein Johannes der Belch genannt. Die Forschung geht heute davon aus, daß die meisten Georgspatrozinien im Zusammenhang mit den um 1096 einsetzenden Kreuzzügen und dem damit verbundenen Erstarken des Rittertums gesehen werden müssen. Daher gilt St. Georg als der für das Rittertum typische Patron (geistige Schirmherr) der Kirche. Als Nothelfer zählt er zu den 14 Heiligen, von denen man in besonderen Nöten Hilfe erwartet.

Der Überlieferung zufolge erlitt der aus Kappadozien stammende Heilige um das Jahr 303 unter der grausamen Christenverfolgung des Kaisers Diokletian (284 - 305) als römischer Offizier für seine Glaubenstreue den Märtyrertod durch das Schwert. Zu Lydda in Palästina, wo man seine Grabstätte annahm, wurde er hoch verehrt. Ihm zu Ehren wurde im 4. Jahrhundert zu Joppe, dem heutigen Jaffa, eine Kirche errichtet. Im hohen Mittelalter ist St. Georg aus dem Brauchtum des Volkes nicht wegzudenken. Früher wurde sein Patroziniumstag als St. Jörgenstag bezeichnet.

 Was nun das sogenannte Patronatsrecht für eine Pfarrei betrifft, so verstand man darunter ursprünglich die Pflicht des Patronatsherrn, die Rechte der Patronatskirche und ihr Vermögen zu verteidigen. Dafür wurde ihm das Recht eingeräumt, dem Bischof einen geeigneten Geistlichen als Pfarrer vorzuschlagen. Dieses Recht nannte man auch Kirchensatz, ein Begriff, der von "einsetzen" abgeleitet ist. Für seine Pflichten bezog der Patronatsherr eine gewisse Entschädigung. Daher war der Kirchensatz für die Inhaber ein begehrtes Recht.

Der Ministeriale der Kirche von Augsburg (Dienstmann mit besonderen Rechten) namens Konradin Schöberlin überließ durch die Hand seines Vogtes seine Güter in Offingen mit allem Zubehör den Brüdern der heiligen Apostel Petrus und Johannes zu Ursberg. Bei dieser Beurkundung war ein Hermann von Offingen anwesend. Am 6. Juli 1209 nahm Papst Innozenz III (1198 - 1216) das Prämonstratenserstift Ursberg mit zahlreichen Besitzungen unter seinen Schutz.

 

Offingen unter dem Hause Habsburg
Das Haus Habsburg wurde bald nach 1301 Landesherr der Markgrafschaft Burgau und dehnte seine Herrschaft auch über Offingen aus. Im Pfandschafts- und teilweise auch im Lehensbesitz von Offingen und der Burg Landstrost erscheinen nun die Herren von Westernach, ein ritterliches, im Ulmer Raum begütertes Geschlecht.

Der Kirchensatz zu Offingen und der Wydenhoff mit all seinem Zubehör wurden 1359 von Herzog Rudolf von Österreich (1339 - 1365) dem Dominikanerinnenkloster Maria Medingen übergeben. Der Wydenhoff - auch Wittum genannt - war der Bauernhof, der dem jeweiligen Ortspfarrer für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung stand. Im selben Jahr verzichteten Ritter Ulrich von Schellenberg und sein Sohn Märk, Kirchherr zu Offingen, auf den Kirchensatz daselbst zugunsten des Klosters Medingen. Bis zur Reformation blieb der Offinger Kirchensatz rechtlich im Besitz der Dominikanerinnen.

In der Folge erwarb Konrad von Westernach (1346 - 1404) im Jahre 1375 den größten Teil des Dorfes Offingen und ferner den von Österreich lehnbaren Burgstall zu Landstrost als Pfand. Obgleich der Offinger Kirchensatz rechtlich zu Maria Medingen gehörte, beanspruchte ihn Konrad von Westernach und bereitete damit dem "Gottshaus vil Beschwerung". Dieses aber hat "allezeit widerfochten" und Schutz bei den Fürsten und anderen Herren gesucht, jedoch ohne Erfolg. Wohl um den widerrechtlichen Anspruch der Herren von Westernach auf den Offinger Kirchensatz aufzuheben, verleibte der Augsburger Bischof Kardinal Peter von Schaumberg (1424 - 1469) die Pfarrei Offingen am 27. Dezember 1432 dem Kloster Medingen ein. Damit konnte das Kloster fortan die Pfarrer vorschlagen und über die Einkünfte der Pfarrei verfügen.

Am 15. Juni 1380 einigt sich Konrad von Westernach mit Bischof Burkhard von Ellerbach (1373 - 1404) wegen der Pfandschaft Landstrost und Offingen. Dabei übernahm der Bischof die Bürgschaft für Albrecht den Weichsler und bezahlte deshalb 180 Gulden an Konrad von Westernach. Demnach waren die Westernach zunächst nur pfandschaftlich im Besitz der Güter in Offingen, später auch lehensweise.

Auf Konrad von Westernach folgten mehrere Generationen dieses Geschlechts, bis zu Beginn des Jahres 1518 Melchior vom Stain zu Reisensburg den Lehens- und Pfandschaftsbesitz Eustachs von Westernach (1507 - 1518) zu Landstrost und Offingen an sein Haus brachte. Am 29. August 1518 übertrug der Kaiser dem neuen Ortsherrn auch die von Westernach pfandschaftlich innegehabten Stücke als Lehen.

Im Jahre 1505 kam das Offinger Kirchenlehen an das Herzogtum Pfalz-Neuburg. Diese verschuldete Herrschaft wollte 1544 den Zehnten zu Offingen veräußern, was aber auf den erbitterten Widerstand des Klosters Medingen stieß. Gleichwohl kam dieser Verkauf zustande. Am 12. Dezember 1556 verkaufte nämlich David Baumgartner Zehnt, Pfarrlehen und Wittum zu Offingen um 6800 Gulden an Marquardt von Stain zu Landstrost. Von da an blieben Großzehnt und Patronatsrecht bis auf kurze Unterbrechungen im Besitz der jeweiligen Ortsherrschaft. Nach dem Pfarrvisitationsbericht von 1624 wurde das Patronatsrecht von den Ahnen derer von Stain erkauft.

Das Testament des Ortsherrn Diepold von Stain aus dem Jahre 1596 (österreichisches Staatsarchiv) bestimmte, welche Äcker nach dem Verzeichnis der Bestandsäcker von 1502 an den Offinger Pfarrer Hanns Durst (1590 - 1637) verliehen wurden und welche Abgaben an den heiligen Georg zu entrichten waren, also für den Unterhalt der Pfarrkirche  bestimmt waren.

Wegen großer Schulden veräußerte 1599 Diepold, Eitel Wolf und Eberhart von Stain ihre Lehensgüter zu Landstrost und Offingen an Arbogast von Schellenberg zu Hüfingen.

So sehr die durch Martin Luther ausgelöste kirchliche Umsturzbewegung in Teile der Diözese Augsburg eindrang, so konnte die neue Lehre wegen der gleichgerichteten Abwehrmaßnahmen der Augsburger Bischöfe und der habsburgischen Verwaltung des Hauses Habsburg in Offingen nicht Fuß fassen. Aus Gründen der Staatsräson und aus religiösen Gründen hielten die Habsburger am alten Glauben fest. So mußte im nahen Mindelaltheim 1545 das Augsburger Katharinenkloster als Ortsherr auf Einspruch des Landvogtes einen lutherischen Prediger entlassen.

Unter der Amtszeit des Pfarrers Hanns Durst schenkte die Familie Christoph von Schellenberg und dessen Gemahlin Dorothea von Riedheim der Gemeinde eine neue Kirche. Der Bau wurde 1615 begonnen, die neue Kirche am 27. Mai 1618 durch Bischof Heinrich von Knöringen (1598 - 1646),  dem großen Augsburger Bischof der Gegenreformation, eingeweiht. Die Stifter ließen auf einer Tafel ihr geschnitztes Wappen im Chorgewölbe anbringen. Das Doppelwappen mit zwei Querbalken derer von Schellenberg und einem Esel derer von Riedheim hat folgende Umschrift: "Gott dem Allmechtigen zu Lob und dem Hay. Ritter S. Georgen als patronen zu Ehren, Inen selbsten aber und den Irigen zu Ewiger gedechtnis. Hat der wol Edel und Gestreng Hannß Christoph von Schellenberg zu Hüfingen, Landstrost und Offingen (u.) fraw Dorothea, geborne von Riedheim, sein Ehegemahel, Dieses Gottshaus auff Ihre Kosten aufpauen lassen im 1615."

Es besteht berechtigter Grund zur Annahme, daß das Heiratsgut der Dorothea von Riedheim in Höhe von 6000 Gulden für den Bau der Kirche verwendet wurde. Die Frage, ob der Chor als Teil der alten Kirche stehenblieb, ist umstritten. Während der Bistumshistoriker Dr. Steichele der Ansicht zuneigt, dieser sei beim Neubau unverändert geblieben, vertritt der frühere Kreisheimatpfleger Paul Auer die Meinung, ein Sterngewölbe, wie es der Chor aufweist, sei auch nach 1615 noch denkbar.

Im 30jährigen Krieg hatte Offingen, insbesondere in den Jahren 1632 und 1637, schwer zu leiden. Pest, Hunger und Krieg rafften einen Großteil der Bevölkerung dahin. Wenngleich die einschlägige Literatur geschichtlich verbürgte Quellen über ein Frauenkloster in Offingen nicht vorzuweisen vermag, so lassen doch die lebendige Überlieferung sowie die noch vorhandenen Reste eines ehemals zweistöckigen Klostergebäudes - ehemals Leonhardstr. Nr. 3 - die Existenz eines solchen Konvents als möglich erscheinen

Das Pfarrarchiv von 1680 berichtet, daß "im lieben deutschen Vaterland" die Menschen in jener Kriegszeit aus Hunger und Not die Klöster gestürmt und die Gotteshäuser ausgeplündert hätten. Dabei wurden auch im Offinger Pfarrhaus alle schriftlichen Unterlagen vernichtet. Nach dem Pfarrvisitationsbericht von 1641 wohnten nur noch 22 Familien in Offingen. Der Prüfbericht schließt mit der Feststellung, daß eine große Verwirrung in dieser Pfarrei herrsche. Um so erstaunlicher ist es, daß Offingen bis auf eine Lücke von 1636 bis 1640 einen eigenen Seelsorger hatte. 1659 erwarb Hans Dietrich von Freyberg zu Eisenberg das Gut Landstrost mit Schloß und den Ort Offingen.

Nach dem furchtbaren Aderlaß des 30jährigen Kriegs waren Jahrzehnte nötig, um den Bevölkerungsverlust durch Zuwanderung aus den vom Krieg verschonten Gebieten wieder auszugleichen. Erst von 1680 an sind wieder Matrikelbücher vorhanden.

Am 28. Juni 1840 veräußerte Graf Karl Reuter von Weil den Großzehnt zu Offingen für 18 678 Gulden an die Zehnpflichtigen. Hiervon erhielt die Gemeinde einen Teilbetrag von 6000 Gulden, aus dessen Ertrag Pfarrkirche, Pfarrhof und Mesner-Schulhaus zu unterhalten waren.

Nach längeren Verhandlungen wurde am 25. September 1857 zwischen den Beteiligten folgendes vereinbart: Die Kirchenstiftung Offingen übernimmt die Baupflicht an Kirche, Pfarrhof und Mesner-Schulhaus. Zum Ausgleich dafür erhält die Kirchenstiftung 6000 Gulden einschließlich der bis dahin aufgelaufenen Zinsen. Falls diese zur Bestreitung der Lasten nicht ausreichen sollten, tritt die Gemeinde für den jeweiligen Fehlbetrag ein.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwies sich die Pfarrkirche wegen der durch die Industrialisierung bedingten Zunahme der Bevölkerung als zu klein. Um Mittel für die Erweiterung der Kirche zu gewinnen, wurde vor dem Ersten Weltkrieg ein Kirchenbaufond errichtet, der jedoch durch die Kriegsfolgen entwertet wurde. Den längst fälligen Erweiterungsbau des Gotteshauses konnte erst Pfarrer Joseph Bühler (1919 - 1934) im Jahre 1932 in wirtschaftlich schwerer Zeit unter großen Opfern verwirklichen. Durch den mit doppelter Empore ausgestatteten Anbau wurde das Kirchenschiff um 10m nach Westen verlängert und im Neubauteil um 5m verbreitert.

Bei einer Untersuchung des Dachstuhls im Jahre 1957 ergab sich, daß die stark beschädigten Balkenköpfe nicht mehr tragfähig waren. Im Rahmen einer Gesamtsanierung der Kirche in den Jahren 1957 - 1958 ließ Pfarrer Otto Portenlänger den Dachstuhl und die Kirchendecke voll erneuern. Hierbei wurden die in Weiß und zartem Grau gehaltenen Flächen der Decke mit Gipsprofilen unterteilt, an der Empore wurden die früher wagrechten Unterzüge durch geschwungene Bögen ersetzt. Bis zum Abbruch wies die Decke zwei Gemälde auf. Das eine Bild zeigte die Anbetung der Heiligen Drei Könige, das andere stellte die heilgie Cäcilie dar, die Patronin der Kirchenmusik. Als Ersatz wurden o.a. Stuckarbeiten angebracht.

Wegen undichter Stellen am Dach und wegen anderer Mängel ließ Pfarrer Johannes Straub 1986 das Äußere der Kirche und des Turmes gründlich instandsetzen. Die starke Verrußung des Kirchenraumes machte es schließlich 1988 erforderlich, das Kircheninnere vollständig zu überholen. Dabei wurden auch alle Bilder und Figuren durch den Kirchenmaler Heinrich Waibel gereinigt und neu gefaßt.

Die seit den 70-er Jahren durchgeführten Bau- und Sanierungsmaßnahmen der Pfarrei konzipierte und leitete in vorbildlicher Weise der Offinger Architekt Josef Komprecht.

 

Kriegsende 1945
Als sich im Frühjahr 1945 das baldige Ende des Krieges abzuzeichnen begann, wurde Offingen am 25. und 26. April zum Schauplatz blutiger Kämpfe. Als Zeichen der kampflosen Übergabe des Ortes an den Gegner wehte am 24. April schon die weiße Fahne auf dem Kirchturm. Auf Befehl des örtlichen Kommandanten der SS-Kampftruppe mußte jene unverzüglich eingeholt werden. Die Schuld, diese Fahne gehißt oder ihr Hissen veranlaßt zu haben, wurde ohne Beweiserhebung dem damaligen Pfarrer Otto Portenlänger angelastet. Letzterer hatte jedoch mit dieser Aktion nichts zu tun. Gleichwohl verurteilte ihn am 25. April der Ortskommandant zum Tode durch Erschießen, wobei er sich auf einen entsprechenden Befehl des SS-Reichsführers Himmler berief. Durch eine wunderbare Fügung und seine Geistesgegenwart konnte der Ortsseelsorger der Urteilsvollstreckung entgehen.

Als die Waffen schwiegen, lagen 78 meist blutjunge deutsche Soldaten tot auf der Offinger Walstatt. Die Gefallenen wurden nicht, wie es SS-Major Karl Albrecht in seinem Buch  "Der verratene Sozialismus" behauptete und Franz Schönhuber in seinem Buch "Ich war dabei" ungeprüft übernahm, in einer Sandgrube verscharrt, sondern am 26. April 1945 gesammelt, von Pfarrer Otto Portenlänger ausgesegnet und durch Totengräber Bruno Fischer in einem Sammelgrab im gemeindlichen Friedhof der geweihten Erde übergeben. Dies ist durch Zeugen eindeutig nachgewiesen. SS-Major Karl Albrecht war weder Beteiligter noch Augenzeuge dieser Ereignisse in Offingen, weil frühestens im Spätsommer 1945 ein Sonderlager für SS-Kriegsgefangene in Schnuttenbach eingerichtet wurde, in dem er als deutscher Lagerkommandant wirkte. Demnach erhielt er seine Informationen über das Kriegsgeschehen in Offingen nur aus dritter Hand in offensichtlich entstellter Form.

Durch die Sprengung der Donaubrücke am 24. April 1945 und den darauf folgenden Schußwechsel war die Pfarrkirche schwer beschädigt worden. Alle Fenster waren geborsten. Wegen Baustoffmangel konnten die Schäden nach der Waffenruhe nur notdürftig ausgebessert werden. So mußte das Weihnachtsfest 1945  mit nur behelfsmäßig abgedeckten Fenstern gefeiert werden. Erst im folgenden Jahr war es möglich, die größten Schäden zu beseitigen.

 

Pfarrer von Offingen 

Johannes der Belch

1429

Ulrich Leberwurst

1504 - 1513

Christoph Mayr

1551

Johann Mayer

1583

Johann Rüdens

1587 - 1590

Johann Durst

1590 - 1627

Bau der Pfarrkirche

1615 - 1618

Christoph Markt

1627 - 1630

Seb. Hänichlein

1631 - 1636

Joh. Christ. Kraus

1640

Martin Eschenlohr

1644 - 1645

(von 1639 - 1657 Pfarrer
in Gundremmingen) als Aushilfe

Leonhard Däubler

1645 - 1646

Joh. Wolfg. Trinkle

1646 - 1647

Johann Christop Kraus

1647

Leonhard Däubler

1649

Johann Georg Faber

1654

Leonhard Däubler

1655

Martin Schertlin

1656

Melchior Bissinger

1665

Paulus Bissinger

1666

Nikolaus Reiter

1674

Joh. Georg Frey

1679

Michael Wolfegg

1681 - 1684

Johann Gerstmayer

1685 - 1693

Ant. Matth. Bayr

1693 - 1694

Gg. Ernst Großsenz

1694 - 1695

Joh. Mich. Hofmann

1695 - 1696

Barthol. Harz

1696 - 1750

Bruno Wittner

1750 - 1772

Anton Oertle

1752 - 1806

Joseph Kuon

1806 - 1821

Joseph Jäger

1821 - 1823

Ulrich Gay

1823 - 1843

Georg Wittmann

1843 - 1848

Leopold Zanker

1848 - 1861

Joseph Baum

1861 - 1871

Xav. Wengenmayr

1871 - 1877

Georg Rabini

1877 - 1883

Anton Dirheimer

1883 - 1892

Anton Mittrücker (Vikar)

1892 - 1895

Anton Bayrer

1895 - 1898

Joseph Ströbele (Vikar)

1898 - 1899

Joseph Jäckle (Vikar)

1899 - 1900

Joseph Ermler

1900 - 1910

Joh. Bapt. Müller

1910 - 1919

(später P. Frowin / St. Ottilien)

Joseph Bühler

1919 - 1934

Matthias Miller

1934 - 1941

Kirchenerweiterung 1932

Otto Portenlänger

1942 - 1980

Johannes Straub

1980 - 2002

Max Ziegler

2002 - 2009

Bernd Reithemann

seit 2009

 

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Baubeschreibung
Chor und Langhaus sind so angelegt. dass sie eine geschlossene Raumwirkung erzeugen. Neben der Weite des Innenraumes wirkt auf den Besucher der Offinger Kirche die Fülle des Lichtes, das durch die hohen Bogenfenster im Chor und im Langhaus hereinströmt. Der nach Osten ausgerichtete Zentralbau ist innen 34,50 m lang. Die Breite des Langhauses beträgt 10,25 m, die des Chores 6,10 m. Deren Längenmaße sind 26,40 m und 8,10 m. In 10,45 m Höhe sehen wir die von weißen Stuckbändern geometrisch gegliederte Flachdecke des Zentralraumes. Knappe Hohlkehlen leiten in die Seitenwände über.
Ein abgesenkter Jochbogen, der auf einem kapitellähnlichen Gesimse der seitlichen Abschlusswände des Langhauses sitzt, bildet den Übergang zum eingezogenen Chorraum. Durch diese etwas vorspringenden Mauern und das zwischen ihnen verlaufende moderne schmiedeeiserne Kommuniongitter sowie eine Stufe im Solnhofer Pflaster wird dieser Teil des Gotteshauses als Sitz des Allerhöchsten von dem der Gläubigen getrennt bzw. herausgehoben.
Vier hohe Rundbogenfenster tauchen den Raum in ein helles Lieht. Seine Decke hatte Meister Xaver Schweigart aus Burgau im Jahre 1855 mit einem Sternenhimmel geziert. Im Zuge der Kirchenerweiterung wurde 1922 diese Malerei übertüncht. Pfarrer Matthias Miller (1934 - 1941) ließ im Chorraum zwei Glasfenster einbauen, auf denen die Diözesanpatrone St. Ulrich und Afra dargestellt waren. Durch die Kriegswirren wurden sie völlig zerstört.
Seit 1958 liest man in zwei Medaillons oben in der Mitte des Sterngewölbes:
„Deo et Sancto Georgio dedicata ecclesia renovata“. In deutscher Übersetzung heißt dies:
„Die Gott und dem heiligen Georg geweihte Kirche wurde renoviert.“ Die Jahreszahl der Renovierung ist in ihnen wie folgt dargestellt:

3xD = 3 x 500 = 1500
 
4xC = 4 x 100 = 400
 
1xL = 1 x 50 = 50
 
1xV = 1 x 5 = 5
 
3xI = 3 x 1 = 3
 
ergibt die Jahreszahl  1958
 

 Der an den Chor im Osten angebaute Kirchturm ist 32.30 m hoch, gemessen von der Oberkante des trigonometrischen Punktes auf dem Schlosshof bis zur Mitte der Kugel auf der Turmspitze. Geschlossen erhebt sich der Viereckbau über den Giebel des Kirchendaches und mündet in einen steilen Spitzhelm aus.
Der im Ausschnitt aus der Landtafel der Markgrafschaft Burgau dargestellte Kirchturm ist in seiner äußeren Form bis auf eine ins Jahre 1909 durchgeführte Erhöhung um 4,80 m bis heute unverändert geblieben. Bei der Außensanierung im Jahre 1957 wurde er neu verputzt. Im Jahre 1985 wurde die alte Turmuhr gegen eine moderne elektrische ausgetauscht.
Nach dem Pfarrvisitationsbericht von 1641 veräußerte Ferdinand von Schellenberg sogar die Kirchenglocken, um mit dem Erlös einen Teil seiner Schulden begleichen zu können.
Die Chronik berichtet, dass nur ein kleines, kaum hörbares, „schebberets“, Glöcklein auf dem Turm zurückblieb. Erst 1680 konnten wieder drei neue Glocken auf dem Schlosshof gegossen werden. Am 31. August desselben Jahres wurden sie nach Wettenhausen gefahren, wo sie von Propst Dionysius von Rehlingen geweiht wurden.
Die große Georgsglocke mit einem Gewicht von sieben Zentnern trägt die Aufschrift: „Sancte Deus - sancte fortis - sancte immortalis - miserere nobis“ (Heiliger Gott, heiliger starker, heiliger unsterblicher, erbarme dich unser!). An der Seite ist der heilige Georg dargestellt, wie er auf einem Drachen steht, ein Symbol dafür, wie der Heilige über das Böse triumphiert.
Die Josefsglocke mit einem Gewicht von vier Zentnern zeigt an der Flanke eine Kreuzigungsgruppe, eine Muttergottes im Strahlenkranz sowie das Schweißtuch der Veronika.
Die Joachimsglocke mit einem Gewicht von zwei Zentnern weist an der Flanke ein Muttergottesbild auf
Alle drei tragen das Allianzwappen derer von Freyberg zu Eisenberg und derer von Riedheim.
In den beiden Weltkriegen wurden die Glocken beschlagnahmt. Glücklicherweise gelangten sie jeweils nur bis zur Sammelstelle. Von dort aus konnten sie wieder unversehrt nach Offingen zurückkehren. Im Jahre 1971 wurde der 353 Jahre alte Glockenstuhl durch einen neuen aus Stahlträgern ersetzt.

 

Ausstattung
Der Hochaltar
Der aus der Rokokozeit stammende Hochaltar bildet den geistigen Mittelpunkt im Chorraum. Vier Engel und zwei Putten schmücken seinen seitlichen Aufbau, eine Christusfigur mit Strahlenkranz krönt den Tabernakel. Das an der Ostwand des Chores angebrachte Altarbild, das um 1700 von einem unbekannten Meister geschaffen wurde, stellt den heiligen Georg als Ritter dar, wie er sich anschickt, einen Drachen, das Symbol des Bösen in der Welt und in der eigenen Brust, mit der Schärfe seines Schwertes zu töten. Dieses Altarbild wurde 1855 von Kunstmaler Weckerle aus Edelstetten restauriert und im Jahre 1988 von Kirchenmaler Heinrich Waibel gründlich überholt.

 

Seitenaltäre
Die früheren Seitenaltäre sind 1851 von Schreinermeister Kaspar Kramser und Malermeister Jakob Auffinger - beide aus Burgau - hergestellt worden. Diese im Verhältnis zum Kirchenraum zu großen Altäre ließ Pfarrer Otto Portenlänger nach den Plänen von Baurat Eduard Haertinger 1958 völlig neu gestalten. Dabei wurden einzelne Figuren, die früher an verschiedenen Stellen die Kirche schmückten, an beiden Altären in je einem rechteckigen Gehäuse untergebracht, so dass sie jetzt den Eindruck eines einheitlichen Bildwerkes vermitteln.
Der linke Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht. Eine gotische Madonna mit dem Kinde - etwa um 1500 entstanden - bildet dessen Mittelpunkt. Am unteren Rand befinden sich in der Reihenfolge von links nach rechts die frühbarocken Figuren der abendländischen Kirchenväter: Augustinus. Ambrosius, Hieronymus und Papst Gregor der Große. Sie wurden um 1620 von Christoph Rodt aus Neuburg (Kammel) geschnitzt und gehörten zur Ausstattung der 1615-1618 neu gebauten Kirche, wo sie zunächst in den Nischen des Kanzelkorbes aufgestellt wurden. Auch der Altarschrein wurde 1958 neu gestaltet.
Die Mauernische links vor dem Altar birgt eine eindrucksvolle spätgotische Pieta, die wohl um das Jahr 1550 entstanden ist.
Der rechte Seitenaltar - Dreifaltigkeitsaltar genannt - stellt in beeindruckender Weise die Krönung Mariens dar. Demütig kniet die Muttergottes in der Mitte, zu ihrer Linken wendet sich ihr der auferstandene Christus mit dem Siegeskreuz liebevoll zu, während rechts Gott Vater thront. Über dem Bildwerk schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Auch diese drei frühbarocken Figuren stammen aus der Werk statt des Bildschnitzers Christoph Rodt um das Jahr 1620. Bis 1940 waren sie in der Dreifaltigkeitskapelle am Kapellenweg untergebracht. Um die wertvollen Figuren gegen mögliche Gefährdungen zu sichern, ließ sie Pfarrer Matthias Miller in die Pfarrkirche verbringen.

 

Kunstwerke im Langhaus
Die Südwand des Kirchenschiffes wird von der Kanzel beherrscht, die aus der Zeit um 1680 stammt. Diese birgt in ihren durch korinthische Säulchen voneinander getrennten Segmenten die in schöner Schnitzarbeit gefertigten vier Evangelisten Matthäus. Markus, Lukas und Johannes. Der jetzt an der Südwand zu findende Christus Pantokrator krönte früher den Schalldeckel der Kanzel.
Auf der gegenüberliegenden Seite tritt uns als Kontrapunkt ein großes Kruzifix aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. und die formschöne Barockfigur des heiligen Sebastian entgegen, die einem unbekannten Meister der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts zugeschrieben wird. Die Statue stellt drastisch die Martern des Heiligen dar, dessen Marterpfeile als die des Heiles gelten.
Ein Kreuzweg mit 14 Stationen aus barocker Zeit zieht sich an der Nord- und Süd wand entlang. Das große Kreuz an der Nordseite des Kirchenschiffes wird ebenfalls dem Barock zugeordnet. Die Kirchenbänke im vorderen Teil des Langhauses haben noch alle ihre Wangen aus der Barockzeit um 1680 behalten.
Die früher an den Seitenaltären und nunmehr auf der Empore angebrachten Bilder Maria Königin“ und „Heilige Familie schuf 1855 Kunstmaler Dollenhach aus Blaichen bei Krumhach.
Aus neuerer Zeit stammen die Figuren des heiligen Antonius am rechten und des heiligen Joseph am linken Beichtstuhl. Der südliche Eingangsvorraum birgt eine Ölberggruppe sowie die Statue des heiligen Bruder Konrad.
Ein trefflicher Meister seines Faches war der Offinger Kunstschreiner Hans Michl Baur. Für die Frauenkirche in Günzburg fertigte er 1740-1741 in den Formen des frühen Rokoko das Chorgestühl. die Portal- und Sakristeitüren, die durch ihre gediegene Schnitzarbeit überraschen. An der westlichen Portaltüre hat sich der Meister dort mit dem Monogramm ..HMBO“ = Hans Mich! Baur Offingen verewigt.
Die ornamental geschnitzte Innentür am Nordportal der Offinger Pfarrkirche trägt die Jahreszahl 1735. Mit großer Wahrscheinlichkeit stammt diese - ebenso wie die Eingangstür zur Leonhardskapelle - aus der Werkstatt dieses Meisters.
Die erste Kunde von einer Orgel dringt aus dem Jahre 1684 zu uns, als der Orgelbauer Johann Georg Molitor aus Burgau ein ..Werkle“ mit 5 Registern für 30 Gulden lieferte. In der späteren Folge wurde 1863 über eine Anleihe der Kirche und der Gemeinde eine neue Orgel beschafft, die im Jahre 1927 durch ein neues Werk der Firma Steinmayer aus Öttingen mit 13 Registern ersetzt wurde. Im Laufe der Jahre stellten sieh jedoch größere Mängel ein, die den Organisten Gregor Weishaupt im Jahre 1961 veranlassten, durch persönliche Hausbesuche Mittel für die Sanierung und Erweiterung der Orgel um 13 weitere Register zu sammeln. Dafür wurden 25.000 DM gespendet. Am 8. September 1963 konnte Pfarrer Otto Portenlänger dem neuen Werk den kirchlichen Segen erteilen.

Grabdenkmäler
Im rückwärtigen Bereich des Chores sind sechs Epitaphien und Grabsteine in die Wand eingelassen. Sie wurden dort hei der Innenrestaurierung 1958 zusammengefasst. Von links nach rechts: 1. Maria Elisabeth Motz, gebotene von Brandenburg. gest. 1681. Epitaph mit Allianzwappen. -2. Johann Georg Frey, Pfarrer, gest. 1680. Grabstein mit Kelch. - 3. Maria Mechtild Giel von Gielsberg. geborene von Freyberg. gest. 1712. Sechseckiges Epitaph mit Wappen Ereyherg. Wernau (1. Ehe) und Giel von Giclsherg (2. Ehe). - 4. M. Paul Bitinger. Pfarrer. gest. 1674. Grabstein mit Kelch und Totenkopf - 5. Johann Eberle. Ohervogt. gest. 1732. Epitaph mit Wappen. - 6. Wahrscheinlich der Familie vom Stain zuzuschreibender Grabstein. Stark abgetreten, mit Wappen und Kreuz.
Mindestens bis 1856 befand sich in der Pfarrkirche eine hölzerne Gedenktafel für den am 11. Juli 1564 verstorbenen Marquardt vom Stain zu Landstrost und dessen Gattin Margaretha.
Der im Chor aufgestellte Taufstein trägt die Jahreszahl 1614.
An der südlichen Außenmauer findet man an der Fassade vier Denkmäler: 1. Alois Dietrich, geboren 11. September 1776. gest. 12. Dezember 1805. -2. Gedenkstein für den 1886 gest. Lehrer Johann Michael Walter. - 3. Anton Matthäus Bayer, Pfarrer, gest. 1694. - 4. Grabplatte mit Kelch für einen Priester, stark verwittert.
An der Westseite befindet sich außen in Form eines Epitaphs das Denkmal für die im Weltkrieg 1914/18 gefallenen Offinger Bürger mit einem Relief des HI. Georg.

 

Religiöse Vereinigungen
Um die Volksfrömmigkeit zu fördern, wurde 1664 mit Hilfe der Ortsherrschaft eine St. Josefsbruderschaft gegründet und oberhirtlich genehmigt. Diese Gemeinschaft entfaltete ein reges religiöses Leben. Viele Gläubige aus dem Umkreis von Offingen schlossen sich der Bruderschaft an. Am Josefstag und alle Quatember feierte sie ein kirchliches Fest mit Sakramentsempfang der Mitglieder. Dabei wurde jeweils auch eine Prozession vor der Kirche abgehalten. Im Jahre 1681 erhielt Johann Dietrich Freiherr von Freyberg vom Diözesanbischof die Erlaubnis, am Bruderschaftsfest des heiligen Josef und an den vier Quatemberumgängen das Venerabile Sacramentum (das anbetungswürdige Sakrament) zu tragen.
Auf der Versammlung vom 11. Februar 1890 wurde folgendes beschlossen:
- Am Vorabend des Festes des heiligen Josef ist eine feierliche St. Josefs-Andacht vor ausgesetztem Allerheiligsten abzuhalten.
- Nach dem Hauptfest werden für die verstorbenen Mitglieder der Bruderschaft ein Amt und zwei heilige Messen jeweils mit Libera gefeiert.
- Im Monat März ist täglich nach der heiligen Messe ein Vaterunser und Ave Maria mit dem Zusatz: „Bitte für uns, o heiliger Josef, auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi!“ zu verrichten. Im Anschluss daran ist das Josefsgebet:
„Zu Dir, o heiliger Josef“ zu beten.
- Ferner muss das Josefsgebet dem Oktober-Rosenkranz beigefügt werden, Derzeit bestehen folgende Vereinigungen: Eine Rosenkranzbruderschaft, der 3. Orden des heiligen Franziskus, die Aktion Pater Leppich, eine Pfadfindergruppe. die dem Dillinger Pfadfinderstamm „Albertus Magnus“ angeschlossen ist, eine Mädchengruppe sowie ein Kleiderhilfe-Missionskreis für Frauen.
Einem dringenden Bedürfnis entsprechend gründete 1932 Pfarrer Josef Bühler den Verein für Ambulante Krankenpflege, dessen Führung er den Dillinger Franziskanerinnen anvertraute. Im Jahre 1979 wurde unter Pfarrer Otto Portenlänger der Wirkungsbereich unter der Bezeichnung „Ambulanter Kranken- und Altenpflegeverein e. V., Sitz Offingen“ auf folgende Umlandgemeinden ausgeweitet: Rettenbach, Gundremmingen, Dürrlauingen und Winterbach mit den jeweils zugehörigen Ortsteilen.