Kirche und Pfarrgemeinde St. Ulrich und Afra, Feuchtwangen

Zur Geschichte

Die Pfarrei St. Ulrich und Afra in Feuchtwangen ist die am weitesten nördlich gelegene Pfarrgemeinde des Bistums Augsburg. Die Verbindungen zu Augsburg reichen über tausend Jahre zurück. Das ehemalige Kloster in Feuchtwangen gehörte vermutlich zu den Urpfarreien des von Bischof Ulrich (890-973) gegründeten Bistums Augsburg. Im Jahre 1547 hatte der letzte Katholik des alten Feuchtwangen, Christoph Goldochs, hochbetagt, das Stift verlassen und sich auf seinen Landsitz Weidelbach zurückgezogen. Damit war Feuchtwan­gen bis ins 19. Jahrhundert eine rein evangelische Stadt ge­worden.

Im Jahre 1848 zählte man neben 1800 evangelischen Stadtbewohnern wieder 70 Katholiken. Sie wurden der zwei Wegstunden entfernten Pfarrei Halsbach im Landkreis Dinkelsbühl zugeschlagen.

1862 gründete der Augsburger Bischof Pankratius von Dinkel für die ca. 100 Katholiken die Pfarrkuratie St. Ulrich und Afra in Feuchtwangen, die nach dem voll­endeten Bau einer kleinen neugotischen Kirche 1866 in eine Pfarrei umgewandelt wurde. Der spätere bischöfliche geistliche Rat und Dekan Joseph Herzlieb, Eh­renbürger der Stadt Feuchtwangen, war der erste Pfarrer der neuen Pfarrgemeinde.

Als nach dem 2. Weltkrieg die Heimatvertriebenen in großer Zahl auch nach Feuchtwangen kamen, vergrö­ßerte sich die Pfarrgemeinde auf mehr als 2000 See­len. Gehörten doch die Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland, aus Schlesien und Ungarn zumeist der katholischen Konfession an. Auch in den umgebenden Ortschaften wurde damals eine beträchtliche Zahl von ihnen ansässig. Für sie alle, die hier eine neue Heimat gefunden hatten, war das Ulrichskirchlein mit seinen 150 Sitzplätzen zu klein geworden, und der ursprüngliche Plan einer Renovierung musste dem einer Erweiterung weichen.

Nachdem im Januar 1957 Stadtpfarrer Walter Enzinger die Pfarrei übernommen hatte, sollten bald die Baugedanken einer Verwirklichung zugeführt werden. Nach manchen, nicht immer leichten Vorverhandlungen, die der Stadtpfarrer zu führen hatte, entschied sich der Hochwürdigste Herr Diözesanbischof Dr. Joseph Freundorfer anlässlich einer Audienz, die er den Kirchenverwaltern im März 1959 gewährte, zu einem völligen Neubau der katholischen Stadtpfarrkirche in Feuchtwangen und sagte die Hilfe der Diözese zu.

Im November 1960 erfolgte die Grundsteinlegung, und am 17. Dezember 1961 wurde die neue Stadtpfarrkirche St. Ulrich und Afra geweiht.

Das Bauwerk

Nach den Plänen des Augsburger Architekten Georg W. Barnert entstand ein in der Gesamtanlage schlich­ter Zentralbau mit einem nahezu quadratischen Grundriss. Der 34 m hohe Turm, der die fünf Kirchen­glocken trägt, gehört zu den herausragenden Wahrzeichen der Stadt. Die Eingangsseite der Kirche erhält ihre architektonische Ausprägung durch zehn hohe, schmale Glasbetonfenster, deren kreuz- und kreisför­mige Ornamentik die quadratische Grundstruktur des gesamten Baukörpers wiederholt. Das viergeteilte Eingangsportal ist kupferbeschlagen. Auf den Griffen der beiden Mitteltüren hat der Architekt im Flachrelief den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies dargestellt.

Der Innenraum

Der Weg ins Innere der Kirche führt den Besucher zuerst an die Weihwasserbeckensäule.

Auf einer etwa 2 m hohen Steinsäule hat der Augsburger Bildhauer Sepp Mastaller Begebenheiten aus dem Leben derbeiden Kirchenpatrone reliefartig gestaltet. Bischofstab, Bibel und Fisch sind Attribute für den heiligen Ulrich, der als Fürsprecher bei Wassergefahren und als Hirte der Gläubigen auf den Altar hinweist. Die heilige Afra ist dargestellt, wie sie als Märtyrin den Flammentod erleidet. Über beiden der Finger Gottes aus den Wolken.

Beim Weitergehen öffnet sich dem Betrachter der ganze Kirchenraum.
Der quadratische Baukörper verliert seine Strenge durch die harmonisch geschwungene Orgelempore und den zurückgesetzten, lichtdurchfluteten Altarraum. Die diagonal angeordneten Bankreihen lenken ebenso wie die zwölf Apostelkreuze an den beiden Seitenwänden den Blick hin zum Altarbezirk.
Die Außenmauern des gesamten Kir­chenraumes, die nach oben hin mit einer kräftigen quadratischen Kassettendecke abschließen, sind in einem schlichten grauweißen Farbton gehalten. Der Altarraum bildet auf diese Weise den baulichen und liturgischen Mittelpunkt des Gotteshauses.

Der Altarraum

Eine Kommunionbank grenzt den Altarbezirk vom Kirchenschiff ab.

Der seitliche Ambo, ebenfalls ein Werk des Bildhauers Sepp Mastaller, hat die Form eines geöffneten Buches, das von einem Engel mit Flügeln getragen wird.

Drei Stufen führen hinauf zum Altar mit seinem Sockel aus rötlichem Lavagestein und der wuchtigen Mensa. Das kleine Kreuz auf dem Altartisch stammt aus der Hand der Münchener Bildhauerin P. Albert. Um die Gestalt des Gekreuzigten rundet sich der Erdkreis: Alles ist durch die Allmacht Gottes entstanden.

Blickfang des ganzen Altarraumes ist das große Bronzekreuz, das über dem Altar hängt. Das 3,50 Meter hohe, 2,58 Meter breite und 250 Kilogramm schwere Kreuz wurde 1984 von Klaus Backmund, einem Künstler aus München, geschaffen. Der lebensgroße, 1,70 Meter hohe Corpus lehnt sich in der künstlerischen Aussage an die mittelalterliche Form der Ro­manik an und fügt sich harmonisch in den modernen Kirc

henbau ein. Der Gekreuzigte trägt als König, der den Tod besiegt hat, keine Dornenkrone, er hat keine offene Seitenwunde. Das nach oben gerichtete Gesicht verleiht Zuversicht und Hoffnung. Mit den weit ausgebreiteten Armen will Christus in seiner Erlöserliebe alle Menschen umfassen.

In einer engen Beziehung zum großen Bronzekreuz steht das Bild in der leicht zurückgesetzten Nische in der Wand hinter dem Altar. Das Mosaik wurde von Prof. Knappe aus München mit Natursteinen ausgelegt. Die Absicht des Künstlers war, den Eingang ei­nes Grabes anzudeuten. Die goldfunkelnden Mosaiksteine in der Mitte zeigen das offene Grab des Ostermorgens. Kreuzestod und Auferstehung weisen hin auf die Gnade und den Segen, die den Christen durch die Erlösung geschenkt sind:

„Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit." (Gebet nach der Wandlung)

Der goldgefasste Tabernakel mit den beiden Griffen aus Bergkristall stammt vom Architekten des Gotteshauses.

Die Marienkapelle

Ein besonderes Schmuckstück der Kirche stellt die Marienkapelle dar, die durch die abgrenzenden Säulen den Eindruck eines kleinen Seitenschiffes erweckt. Den einfachen Altar aus grauem Stein schmückt eine spätgotische Pieta.
Diese wertvolle Plastik, das Werk eines unbekannten fränkischen Meisters, wurde aus der früheren Pfarrkirche übernommen. Sehr eindrucksvoll ist die durchlaufende, nur von Betonpfei­lern unterbrochene Fensterwand der Seitenkapelle. Der Augsburger Kunstmaler Severin Walter hat in den Glasfenstern symbolhaft die Kreuzwegstationen dargestellt. Die Farben der einzelnen Bilder werden in ihrer Leuchtkraft je nach Tageszeit und Lichteinfall in ihrer Intensität gesteigert.

Das erste Fenster ist der Erinnerung an die Kriegsgefallenen gewidmet und vertieft damit das Anliegen der Gedenktafel auf der linken Seite. Jedes der weiteren sieben Fenster zeigt zwei Kreuzwegstationen. Die Gestaltung des letzten Bildes lässt bereits die Auferstehung erahnen.

In diesem rückwärtigen Teil der Marienkapelle befindet sich auch die Taufkapelle. Der graue Taufstein ist überwölbt von einer Kuppel, durch die Tageslicht einfällt.

Die Stadtpfarrkiche St. Ulrich und Afra ist in ihrer Gesamtkonzeption ein beachtenswerter Kirchenbau, der den Besucher — den betenden wie den betrachtenden —zum Verweilen einlädt.

1998 erfolgte der Einbau einer neuen Orgel. Ihre Weihe erfolgte am 26.April in einem Festgottesdienst durch H.H. Weihbischof Josef Grünwald.

Im Jahre 2011 konnte die Pfarrgemeinde von St.Ulrich und Afra ihr 50-jähriges Kirchenjubiläum festlich begehen.