Die Orgel der kath. Stadtpfarrkirche St. Ulrich und Afra

Link-Orgel der kath. Stadtpfarrkirche
St. Ulrich und Afra, erbaut 1998

Disposition der Link-Orgel:

I. Manual - Hauptwerk C - a"'

II. Manual - Schwellwerk C - a"'

1. Bourdon 16' *

12. Bourdon 8' *

2. Principal 8'

13. Salicional 8'

3. Rohrflöt 8'

14. Vox Coelestis 8'

4. Gamba 8'

15. Praestant 4'

5. Octav 4'

16. Flûte octaviante 4'

6. Flöt 4' *

17. Nazard 2 2/3'

7. Quint 2 2/3'

18. Doublette 2'

8. Superoctav 2'

19. Tierce 1 3/5'

9. Mixtur IV 1 1/3'

20. Larigot 1 1/3'

10. Cornet V 8'

21. Hautbois 8'

11. Trompette 8'

- Tremulant

Pedal C - f'

22. Subbass 16'

23. Octavbass 8'

24. Cello 8'

25. Flûte 4'

26. Bombarde 16'

27. Trompette 8'

Koppeln: II/I - I/P - II/P

Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur
Gehäuse in Eiche massiv

* hier kamen einige Holzpfeifen aus der alten Orgel nach sorgfältiger Überarbeitung zur Verwendung

Die neue Orgel – Orgelbaumeister Christoph Naacke zu seinem Werk

Die neue Orgel in der Katholischen Stadtpfarrkirche St. Ulrich und Afra in Feuchtwangen ersetzt das seit kurz nach dem Bau der Kirche im Jahr 1960 hier als Provisorium gedachte Werk. Auch hier zeigt sich wie­derum, dass sich nichts so lange hält wie provisorisch gedachte Maßnahmen.

Schon anlässlich erster Kontakte mit Herrn Stadtpfarrer Atzkern und Herrn Orgelsachverständigen und Dekanatskirchenmusiker Routschka wurde deutlich, dass die Orgel die große Seitenwand gestalten und nach Möglichkeit die unschöne Wendeltreppe zum Dachboden verdecken soll.

Bereits unser erster Entwurf konnte die Zustimmung aller Beteiligten erhalten, ein Modell, das während der Bauzeit in der Kirche ausgestellt war, verdeutlichte die Idee.

Das gestalterische Konzept geht von zwei klassisch proportionierten symmetrischen Gehäuseteilen aus, die sich in der Tiefe gestaffelt zum Teil durchdringen. Da die großen Ecktürme zu 270° mit Pfeifen besetzt sind, wirkt der Orgelprospekt von jedem Punkt des Kirchenraumes etwas anders, was hier durch die fehlende achsiale Ausrichtung der Kirche von Bedeutung ist.

Auch für die technische Anlage der Orgel ist diese Prospektgestaltung bestens geeignet. Die beiden Manualwerke (Hauptwerk — Schwellwerk) sind hintereinander auf gleicher Höhe angeordnet, was der Stimmhaltung sehr zugute kommt, das Pedalwerk steht ebenfalls auf gleicher Höhe — im linken Teilgehäuse. Von der im rechten Teilgehäuse eingebauten Spielnische in klassischer Manier lassen sich hier sogenannte „hängende Trakturen" realisieren, die den kürzesten Weg von den Tasten zu den Ventilen in den Windladen wählen und daher durch Leichtgängigkeit und Sensibilität bestechen.

Diese grundsätzlichen Gedanken zum Konzept des Instrumentes bestanden bei uns von Anfang an und wurden in Gesprächen mit Herrn Orgelsachverständigen Routschka verfeinert, auch die Disposition erfuhr noch einige Detailänderungen.

Nach der Auftragserteilung im Frühling 1996 begleitete Herr Routschka Planung, Bau, Aufstellung und Intonation des neuen Werkes mit Interesse und wertvoller Hilfestellung, so dass wir heute mit Stolz und Freude auf das neue Werk blicken können.

Von außen zeigt sich die Orgel als massives Eichenholzgehäuse mit einigen schönen, glänzenden sichtbaren Zinnpfeifen, jedoch besteht das ganze Instrument aus mehreren von außen unsichtbaren und wenigen sichtbaren Elementen.

Zu den sichtbaren gehört der Spieltisch, die Schaltzentrale der Orgel. Bei dieser Orgel handelt es sich um eine eingebaute Spielnische mit sog. hängender Traktur nach dem Vorbild der alten französischen Meister. Diese sehr kurze Mechanikverbindung ermöglicht leichtgängiges und sensibles Spiel. Die Manualklaviaturen sind in der Höhe gestaffelt, die untere gehört zum Haupt-, die obere zum Schwellwerk. Links und rechts der Manualklaviaturen ist die Registrieran­lage angebracht, mit der durch Ziehen und Abstoßen der einzelnen Registerzüge die verschiedenen Stimmen der einzelnen Werke zum Klingen oder Verstummen gebracht werden können.

Nicht sichtbar sind die Windladen, auf denen die Pfeifen stehen. In den Windladen werden die Befehle, die vom Spieltisch aus gegeben werden, umgesetzt und öffnen mit Hilfe von Registerschleifen oder den Tonventilen dem Wind (in der Orgelbausprache: Wort für komprimierte Luft) den Weg zu der Pfeife.

Ein weiteres, ebenfalls nicht sichtbares Element der Orgel ist die Spieltraktur (vom lat. trahere = ziehen), welche die Verbindung zwischen Spieltisch und Windladen herstellt. Die Bewegung der Taste wird über Leistchen, kleine Winkel und andere Filigrane bewegliche Teile bis zum Tonventil weitergegeben, welches so bei Tastendruck geöffnet wird und den Wind zur Pfeife strömen lässt. An der neuen Orgel ist diese Spieltraktur rein mechanisch und ganz aus Holz gefertigt. Die Registertraktur, mit welcher die Auswahl der einzelnen Klangfarben bestimmt wird, ist an dieser Orgel ebenfalls mechanisch und besteht aus einem stabilen Gestänge aus Holz.

Ebenfalls nicht sichtbar, aber doch unbedingt notwendig, ist die Gebläseanlage, die Lunge der Orgel. Sie besteht aus einem elektrischen Gebläse, Speicher- und Regulierbälgen und Windkanälen, in denen der Wind vom Gebläse zu den Bälgen und von dort zu den Windladen geführt wird.

Ein teilweise sichtbares Grundelement der Orgel sind die Pfeifen. Die sichtbaren Prospektpfeifen stellen nur einen kleinen Teil der Gesamtzahl der Pfeifen dar. Der viel größere Teil ist im Gehäuse verborgen.

Für die Pfeifen werden die verschiedensten Materialien verwendet. Hauptsächlich bestehen sie aus Zinn-Bleilegierung oder aus Holz. Bei den Metallpfeifen wird auch die Legierung variiert; Pfeifen mit hohem Zinnanteil (bis 75%) klingen strahlend und hell, Pfeifen mit hohem Bleianteil (bis zu 70%) klingen weich und rund. Holzpfeifen werden meist aus Fichten-, Kiefern- und Eichenholz hergestellt. Bei Zungenstimmen wie der Trompete kommt auch Messing zur Verwen­dung. Wichtig für eine gut klingende Orgel ist neben den richtigen Pfeifenmaterialien die Wahl der Bauformen der Pfeifen. Möglich sind zylindrische, konische oder gedeckte Pfeifen, ob sie eng oder weit sind, was einen hellen oder weichen Ton ergibt. Alle diese Faktoren müssen zusammenspielen, um einen schönen Gesamtklang der Orgel zu erreichen.

Das Orgelgehäuse dient sowohl dem Schutz des Werkes als auch einer guten Schallabstrahlung und wirkt als Resonanzkörper. Deswegen wurde auch hier nur bestes Eichenholz verwendet, das gute Resonanzeigenschaften hat und konstruktiv die Gewähr für eine dauerhafte Anlage bringt.

So sollen Orgelklang und Orgelform mit der Raumarchitektur eine Einheit bilden und miteinander verschmelzen.

Das neue Instrument wurde 1997/98 als opus 1056 der 1851 gegründeten Orgelbaufirma Link erbaut und am 26. April 1998 festlich eingeweiht.