Kirche in Batzenhofen blickt auf über 1000-jährige Geschichte zurück - Artikel erschienen in der Katholischen SonntagsZeitung
Von Bischof Ulrich gestiftet
BATZENHOFEN – Nur 40 Zentimeter tief war das Fundament des Kirchturmes von St. Martin in Batzenhofen (Kreis Augsburg), stellte sich bei den Messungen heraus. Wäre das Kirchenschiff nicht gewesen, wäre der 35 Meter hohe Turm mit dem barocken Kupferzwiebeldach sicher irgendwann eingestürzt.
Doch das war nicht die einzige Überraschung, die Pater Siegfried Hutt und seine Gemeinde erwartete. Als das Fundament vertieft werden sollte und der Türstock des Kircheneingangs für die großen Maschinen entfernt werden musste, fielen faustgroße Kieselsteine herunter.
Wie sich herausstellte, hatte die Kirche Zwischenräume und die Kieselsteine dienten als „billiges Dämmmaterial“, erklärt Pater Siegfried. Die Kiesel verursachten das Knirschen im Turm während des Glockenläutens, das nicht nur den Pater beunruhigte. Es gab Anlass für die statischen Messungen, die das flache Fundament ans Tageslicht brachten.
Abhilfe war dringend notwendig. Das Fundament wurde auf vier Meter vertieft und der Zwischenraum Stück für Stück mit einem Kalk-Mörtel-Gemisch gefüllt, der Turm „gepresst“, so der Fachausdruck. Auch die Auflage des Turmhelms war von der Witterung angegriffen. Eine Regennase wurde angebracht.
Die Restaurierungsmaßnahmen am Turm, die inzwischen beinahe abgeschlossen sind, waren kostenintensiv. „Derzeit liegen wir bei 500 000 Euro“, sagt Pater Siegfried – eine zu große Summe für die kleine Gemeinde. Sehr dankbar sind die Batzenhofener daher der Diözese, die einen großen Teil des Betrags übernahm. Fünf Prozent versprachen außerdem die Stadt Gersthofen, je drei Prozent der Bezirk und der Landkreis. Rund 100 000 Euro bleiben, für die immer noch kräftig gesammelt wird.
Dafür muss die Kollekte für eine neue Orgel zurückstecken – obwohl die derzeitige „aus dem letzten Loch pfeift“, erklärt Pater Siegfried. Der Pallottiner ist seit November 2008 in seinem Amt, und das sehr gerne, wie er betont. Zuvor war er als Provinzökonom jahrelang unterwegs, schließlich aber des Reisens müde gewesen. Die Pfarrerstelle der bedeutenden Barockkirche St. Martin war die Alternative, die der jetzt 73-Jährige sich gewünscht hatte.
Die Kirche ist viel älter, als ihr Äußeres vermuten lässt. Erstmals wird sie in einer Urkunde vom 23. April 969 erwähnt. Bistumspatron Bischof Ulrich stiftete die damalige kleine Kapelle in Batzenhofen, die Martin von Tours geweiht war, nebst anderen Ländereien dem von ihm neu gegründeten Frauenkloster bei St. Stephan in Augsburg. Um 1500 stand hier noch eine mittelalterliche Kirche mit spätgotischem Satteldach. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Teile – der Chor und das untere Kirchengeschoss – des heutigen Kirchenbaues.
Im Stil des Barock
Ab 1718 wurde St. Martin aufwendig und prachtvoll barockisiert. Eine neue Glocke wurde der bereits 1683 gegossenen beigesellt. 1751 kam die dritte Glocke dazu. Bis zum Zweiten Weltkrieg läutete das Trio, danach wurde es eingeschmolzen und 1948 durch fünf neue Bronzeglocken ersetzt. Vielleicht haben auch die Glocken mit ihrem kraftvollem Geläut dazu beigetragen, den Restaurierungsbedarf aufzudecken.
Nach der Turmsanierung müssen nun morsche Dachbalken ersetzt und eine moderne, energiesparende Heizung installiert werden. Auch hat sich der Holzwurm in das Holz der von Meisterhand ausgeführten Altäre eingenistet. Die Kanzel zeigt ebenfalls Alterserscheinungen. „Mit einem Lottogewinn wäre eine Rundumsanierung sofort möglich“, sagt Pater Siegfried. In fünf Jahren wäre St. Martin dann für das nächste Jahrtausend wieder gerüstet.
Stephanie Knauer
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Katholischen SonntagsZeitung.
Ausgabe vom 6./7. Dezember 2014 Seiten 26/27
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