Predigt zur Weihe von Florian Wörner zum Weihbischof

28.07.2012 12:00

- es gilt das gesprochene Wort -

Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten – Spruch des Herrn

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Vor wem soll er sich denn nicht fürchten, der Prophet? Es bleibt zumindest in dem Abschnitt, den wir aus dem Buch Jeremia gehört haben, offen, ob vor Menschen oder vor den Aufgaben, die er übernehmen soll. Allem Anschein nach werden es aber doch wohl die Menschen sein aus seinem Volk, denen er alles andere als nach dem Munde reden müssen wird, der Prophet Jeremia. Er ist in der gesamten Hl. Schrift keineswegs der einzige, der alle möglichen Hindernisse, - seine Jugend, seine Unfähigkeit zu reden, ja sogar sein Unvermögen -, überhaupt als Prophet aufzutreten, geltend macht, um sich dem Anspruch der Berufung zu entziehen. Aber auch in der gern wiederholten Pressemeldung dieser Tage, dass unser Weihekandidat der jüngste (Weih-)Bischof von ganz Deutschland sein wird, scheint sich die eine oder andere leise Anfrage ähnlicher Art zu verbergen.

Nachdenkliche Menschen mögen sich dagegen eine ganz andere Frage stellen: Gibt es denn überhaupt einen unter uns, der nicht zu jung, zu unreif, zu unerfahren und zu wenig kompetent ist, um im Namen des Herrn der Heerscharen und als Apostel Jesu Christi aufzutreten? Das Wort zu verkünden, dafür einzutreten, ob man es hören will oder nicht, zurechtzuweisen, zu tadeln, zu ermahnen, in unermüdlicher, geduldiger Belehrung? (2 Tim 4,2) Betrachtet es denn heute nicht mancher sogar schon in der Kirche als Anmaßung, zumindest aber als ungeheuere Herausforderung: zu belehren, zu tadeln oder gar zurechtzuweisen? Wer von den Dienern der Kirche Gottes in der Welt mag es denn nicht sogar selber bisweilen als Last und Bürde empfinden, unablässig betend und opfernd einzutreten für die Gläubigen und ihnen aus dem Reichtum Christi Gnade in Fülle zu erbitten? Und niemals darin nachzulassen?

Was immer Menschen aller Zeiten vorbringen mögen, auf welche Weise sie sich dem göttlichen Anspruch auch zu entziehen versuchen, Gottes Ratschluss mit den Menschen ist reuelos: „Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen.“ Und nicht weniger seine Treue und seine Kraft: „Fürchte dich nicht vor ihnen!“ „Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund.“

Liebe Schwestern und Brüder,

was Gott, der Herr, in der Geschichte seines Volkes und mit der Erwählung der Propheten vorbereitet hat, in Jesus Christus hat er es vollendet. So wie der Vater unseren Herrn Jesus Christus gesandt hat, um die Menschen zu erlösen, hat Jesus Christus die Apostel ausgesandt. Er hat ihnen aufgetragen, in der Kraft des Hl. Geistes das Evangelium zu verkünden und alle Völker zu sammeln, sie zu heiligen und sie zu leiten. Damit aber diese Aufgabe bis zum Ende der Zeiten erfüllt werde, haben sich die Apostel Mitarbeiter erwählt. Ihnen haben sie durch Handauflegung die Gabe des Hl. Geistes verliehen, den sie selbst von Christus empfangen hatten. Durch diese Handauflegung wird das Weihesakrament in seiner ganzen Fülle übertragen. Die ununterbrochene Aufeinanderfolge der Bischöfe wird dadurch gewahrt; das Werk unseres Erlösers besteht bis in unsere Zeit weiter fort und wächst und wächst. Darum möchte ich euch, liebe Schwestern und Brüder herzlich bitten: Nehmt unseren Bruder frohen und dankbaren Herzens als unseren neuen Weihbischof an und nicht allein als euren Landsmann und Vertrauten! Achtet ihn als Diener Christi und Verwalter der Heilsgaben Gottes! Ihm wird das Zeugnis für das Evangelium der Wahrheit anvertraut, er wird mit dem Dienst in Geist und Gerechtigkeit zum ewigen Leben beauftragt. Denn im Bischof, der von den Presbytern umgeben ist, ist unser Herr Jesus Christus selbst in eurer Mitte gegenwärtig. Jesus Christus selbst verkündet durch den Dienst des Bischofs das Evangelium, er spendet denen, die glauben, die Sakramente. Er selbst fügt durch den Bischof und seine Mitarbeiter dem Leib seiner Kirche neue Glieder ein. Er selbst führt euch durch den Bischof in Weisheit auf dem Weg durch die Zeit zur ewigen Freude.

Die Weihbischöfe sind die Helfer der Bischöfe. Aber wie die Bischöfe, denen die Leitung der Diözese obliegt, repräsentieren sie Jesus Christus durch die Fülle des Weihesakramentes. Und wie der Diözesanbischof und ihre Mitbrüder im priesterlichen Dienst sollen sie Hirten sein nach Art des guten Hirten. An ihm, dem wahren Hirten, unserem Herrn Jesus Christus, müssen sich alle, die einmal zum Hirtendienst berufen worden sind, immer wieder orientieren und ausrichten.

Sie alle haben doch einmal versprochen, ihr Leben einzusetzen für die Menschen, die ihnen anvertraut worden sind.

Der gute Hirte hat diesen Einsatz mit der Hingabe seines Lebens am Kreuz besiegelt.

Sie alle wollen doch auf je verschiedene Art und Weise den Menschen nahe sein und Beistand leisten im priesterlichen Dienst.

Der gute Hirt aber kennt die, die zu ihm gehören, und ist ihnen nahe auf unüberbietbare göttliche Weise.

Das Mitsein mit den Seinen und sein Dasein für sie bis zum Äußersten prägen Bild und Dasein des guten Hirten.

Wenn aber schon den Propheten des Alten Bundes Furcht und Angst befällt ob der Aufgaben vor die er gestellt ist, um wie viel mehr müsste dann denen bange sein, denen durch Handauflegung übertragen worden ist, das Bild des guten Hirten, ja, seine Person zu repräsentieren und nach seiner Art zu handeln? Müsste uns nicht noch viel mehr bange sein, diesem Anspruch jemals auch nur annähernd zu genügen.

Die meisten von uns kennen ja das Wort des Hl. Augustinus, mit dem er sich in seinem eigenen Hirtenamt zu trösten sucht:

„Wo mich schreckt, was ich für euch bin, dort tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich nämlich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes ist der Name des empfangenen Amtes, dieses der Gnade, jenes der Gefahr, dieses des Heils.“

Ob ein Weihbischof, dem zunächst noch keine jurisdiktionelle Verantwortung für eine ganze Diözese übertragen ist, solchen Trostes weniger bedarf?

Lieber Mitbruder!

als unmittelbarer Vertreter des Bischofs sollst du für die Förderung der Neuevangelisierung in unserem Bistum besondere Verantwortung tragen. Auch dir ruft der Herr wie dem Propheten zu: Fürchte dich nicht!

Gottes Wort ist dir nicht nur in Mund und Herz gelegt, sondern du bist dem fleischgewordenen Wort in Taufe und Firmung ähnlich und in deiner Priesterweihe gleichgestaltet worden und sollst als Bischof in Persona Christi auftreten, reden und handeln.

Du bist aus den Menschen für die Menschen erwählt, nicht zu deiner persönlichen Ehre, nicht zu herrschen, sondern zu dienen. Ja, vielleicht um nicht einmal auf die Dauer Anklang und Erfolg zu haben, sondern eher zu verlieren.

Wie auch immer – dessen darfst du dir gewiss sein, du bist von Gott dazu erwählt, Menschen zur Erkenntnis Gottes zu verhelfen und gerettet zu werden durch die Torheit der Verkündigung, das Wort vom Kreuz.

Sollten wir denn unseren Dienst anders verstehen als der Apostel Paulus den seinen verstanden hat? Er kam nicht nach Korinth, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um das Zeugnis Gottes zu verkünden. Denn er hatte sich entschlossen, bei den Gläubigen von Korinth – so wörtlich – nichts zu wissen, außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Das Zeugnis des Völkerapostels enthebt uns von vornherein auch nur dem geringsten Verdacht, wir seien im Begriff, Glauben und Vernunft gegeneinander auszuspielen.

Es mögen heute andere sein, die Zeichen, Beweise fordern oder Weisheit suchen, denen die christliche Verkündigung als Provokation erscheint oder nur mehr ein müdes Lächeln abgewinnt. In einer Welt und Zeit, in der 80% der um ihres Glaubenswillen verfolgte Christen sind, verkünden wir, die Berufenen, durch Gottes Gnade nach wie vor Christus als den Gekreuzigten, glauben wir an Christus, Gottes Kraft und Weisheit, und folgen ihm nach.

Lieber Mitbruder!

Das Pontifikale für die Weihe neuer Bischöfe unterlässt es nicht, die Weihekandidaten an die väterliche und brüderliche Liebe zu den Mitbrüdern in geistlichen Dienst zu gemahnen, die Armen, Kranken und Geschlagenen aller Art nicht zu vergessen, die Gläubigen zu ermutigen und ihren Rat zu hören und sich auch jenen in Liebe zuzuwenden, die noch nicht zu der einen Kirche gehören. Als Weihbischof unserer Diözese bist du dir der Katholizität unserer Kirche bewusst, mit dem Bischofskollegium verbunden und herzlich um deine Mitsorge für das ganze Volk Gottes gebeten auch über die Grenzen der Diözese hinaus.

Im Namen des Vaters, den du in der Kirche darstellst,

im Namen Jesu Christi, seines Sohnes, dessen Amt als Lehrer, Priester und Hirte du ausüben wirst und im Namen des Hl. Geistes, welcher der Kirche Christi Leben verleiht und unsere Schwachheit durch seine Kraft stärkt und festigt. Amen

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