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Die Bischofskirche: Marienkathedrale zu Augsburg

Seit 1200 Jahren ist der Augsburger Mariendom eine Stätte des Glaubens und der Frömmigkeit. Wo Generationen um Generationen gebetet, das Wort Gottes gehört und das eucharistische Opfer gefeiert haben, umklammern Altar und Kathedra die Jahrhunderte im Dienst für Gott und an den Menschen. Als Mutterkirche des ganzen Bistums ist die Kathedrale sichtbarer Ausdruck der lebendigen Kirche von Augsburg.

 

Das Mittelschiff des Doms
Das Mittelschiff des Doms
Marienaltar in der Wolfgang-Kapelle
Marienaltar in der Wolfgang-Kapelle
Gotischer Ostchor des Doms
Gotischer Ostchor des Doms

 

Der Mariendom ist ein spannungsvolles und bewegtes Gefüge architektonischer Formen aus vielen Jahrhunderten. Ihre Unverwechselbarkeit gewinnt die Augsburger Bischofskirche, deren erste Ursprünge auf die Zeit Bischof Simperts (778-807) zurückgehen, aus ihrer Baugeschichte, in der die großen Epochen der abendländischen Kunstgeschichte nicht Neues schufen, indem sie Altes opferten, sondern Bestehendes weitgehend bewahrten und ergänzten. Ein langgestreckter romanischer Baukörper von archaischer Kraft verbindet sich deshalb heute für den Betrachter mit dem majestätisch hochaufragenden Ostchor in seinen filigranen gotischen Ausformungen.
Über die Frühzeit des Domes gibt es nur wenige historische Belege, denn im 5. Jahrhundert n. Chr. war an der Stelle des Domes noch römische Wohnbebauung vorhanden. Ein erster Großbau, der zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert entstand und als Kirchenbau interpretiert werden kann, fand sich bei Ausgrabungen in der Krypta und im Mittelschiff.

Am 3. Mai 1987 feierte Papst Johannes Paul II. die Messe im Augsburger Dom.
Am 3. Mai 1987 feierte Papst Johannes Paul II. die Messe im Augsburger Dom.

Eine späte Überlieferung, der zufolge Bischof Simpert (778-807) einen karolingischen Neubau errichten ließ, der am 28. September 807 geweiht wurde, kann seit 1998 bestätigt werden: Bei den Ausgrabungen in der Ulrichskapelle wurde das Querhaus des karolingischen Domes entdeckt und ist heute im Diözesanmuseum an der Nordseite des Doms der Öffentlichkeit zugänglich.
Dem Besucher des Augsburger Doms erschließen sich neben einem von der Spiritualität der Romanik und der Gotik durchzogenen geistlichen Raum eine Fülle wertvoller Zeugnisse religiöser Kunst ganz unterschiedlicher Epochen. Da finden sich im oberen südlichen Teil des Mittelschiffes die berühmten fünf Glasfenster mit Darstellungen der Propheten Jona, Daniel, Hosea, David und Moses, die zu den glanzvollsten Leistungen der deutschen Hochromanik zählen und zeitlich überwiegend der Domweihe des Jahres 1065 zugeordnet werden. Lediglich das Moses-Fenster ist eine Neuschöpfung aus der Zeit um 1550. Zu den romanischen Kunstwerken von Weltrang gehört auch das Bronzeportal aus dem 11. Jahrhundert, das sich heute im benachbarten Diözesanmuseum nördlich des Doms befindet.
Die aufstrebenden gotischen Bögen mit den reich verzierten Schlusssteinen, die heute den Blick des Betrachters im Inneren des Doms unwillkürlich nach oben ziehen, sind das Ergebnis der Einwölbung des alten Hauptchores (Westchor) unter dem Domkustos Konrad von Randegg ab 1331, der auch den Neubau der Seitenschiff-Hallen veranlasste.

Die alte Domkirche aus der ottonischen Zeit, die nach dem Einsturz des Domes um das Jahr 994 neu errichtet und 1065 geweiht wurde, war mit einer Felderdecke flach gedeckt. Die Wände des Mittelschiffs stammen noch aus dieser Zeit. Die Türme wurden zwischen 1070 und 1075 an die Seitenschiffe angebaut. Die mittelalterliche Vorstellung der Kathedrale als Abbild des himmlischen Jerusalems wird vollendet im Ostchor des Doms, der 1431 durch Kardinal Petrus von Schaumburg nach über 100 jähriger langer und komplizierter Bauzeit geweiht wurde, und heute besonders von außen der Augsburger Kathedrale ihre unverwechselbare Gestalt gibt.
Einen markanten Kontrast zur romanischen und gotischen Seele des Doms bildet die sich an der Nordseite öffnende Marienkapelle, die als lichter Zentralbau von dem Eichstätter Hofbaumeister Gabriel de Gabrieli (1671-1747) im Stil des Barock gestaltet wurde. Von der barocken Ausgestaltung des Doms nach dem Trienter Konzil hat sich ansonsten kaum etwas erhalten, denn in den Jahren 1852-1863 wurde der Dom im neugotischen Stil umgestaltet. Bischof Pankratius von Dinkel ließ nicht nur neue Kunstwerke anschaffen sondern erwarb mehrere spätgotische Altäre, darunter den berühmten, 1493 entstandenen, Weingartner-Altar von der Hand Hans Holbeins des Ältern.
Die Moderne hat mit den Glasgemälden von Josef Oberberger (1953/65), der monumentalen Gruppe des Gekreuzigten mit den Aposteln von Josef Henselmann im Altarraum (1962/85), dem neuen Bronzeportal von Max Faller (2001) und dem 2016 neugestalteten Sakramentsaltar von Wilhelm Huber im südlichen Seitenschiff den Dom mitgeprägt.

Unter dem Westchor lohnt die den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweihte Westkrypta einen Besuch, die zu den ältesten Teilen des Doms aus ottonischer Zeit gehört.
Die Augsburger Kathedrale ist als Haus Gottes auch eine Huldigung an die Gottesmutter Maria (Patrozinium: Mariä Heimsuchung), wie sie im Gewölbescheitel des Hochchores mit dem segnenden Christuskind in einer Wolkengloriole mit goldenen Sternen, in der östlichen Apsis in Gestalt einer romanischen Madonna mit Kind als „Thron der Weisheit“ oder in den großartigen Glasfenstern in der Südwand dargestellt wird.