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Marienkapelle

Die sich an der Nordseite öffnende Marienkapelle, ein lichter Zentralbau von dem Ansbacher und Eichstätter Hofbaumeister Gabriel de Gabrieli (1671 - 1747) aus Graubünden, der auch für die Augsburger Fürstbischöfe tätig geworden ist, wurde am 30. Juni 1722 geweiht. Anlaß war ein wundertätiges Muttergottesbild im Kreuzgang, für das Oberhofmarschall Graf von Pollheim zum Andenken an seine verstorbene Frau einen Altar stiftete. Am 25. Februar 1944 zerstörten Brandbomben das Kuppeldach und beschädigten Stuck und Fresken des Augsburger Akademiedirektors Johann Georg Bergmüller (1688 - 1762) schwer; 1988 wurde die Wiederherstellung und Rekonstruktion der Fresken durch die Werkstätten Erwin Wiegerling, Benediktbeuren, abgeschlossen.

Die Marienkapelle von Gabriel de Gabrieli
Die Marienkapelle von Gabriel de Gabrieli

Bilder aus dem Marienleben in Verbindung mit Jahreszeiten- und Tierkreissymbolik - betonen die großen Marienfeste des Kirchenjahres: 25. März, Verkündigung - 2. Juli, Heimsuchung - 8. September, Geburt - 8. Dezember, Immaculata - ergänzt durch die Himmelfahrt am 15. August. Auch der zeitliche Tageskreislauf, die Vierzahl der Elemente verbinden sich mit den Mariensymbolen zu theologischen Inhalten. Auf dem Altar mit reichem figürlichen Schmuck einschließlich Stifterwappen (Pollheim und Gymnich) erscheint die Hl. Sippe, bezogen auf das Gnadenbild: Joseph mit dem blühenden Stab und Joachim mit zwei Opfertauben, Zacharias und König David; außen Elisabeth und Anna - alle von Ehrgott Bernhard Bendel (1668 - 1736). Die Sandstein-Marienfigur gehörte ursprünglich zum Enzberg-Epitaph im Domkreuzgang und war nach der Übertragung in die Kapelle zeitweise kostbar bekleidet und mit Rosenkränzen und Juwelen geschmückt.

Den Madonnenfiguren in der Kreuzgangkapelle der Stiftskirche Ellwangen und in der Vorhalle der Klosterkirche Fürstenfeld verwandt, wird sie um 1340 datiert. Gegenüber: Schutzengelgemälde, bezeichnet 1714 eines der frühesten Augsburger Leinwandbilder Johann Georg Bergmüllers aus der ehemaligen Karmelitenkirche. Die drei Erzengel, Gabriel, Raphael, Michael begleiten den Menschen bei der Geburt, während des Lebens und beim Tod.

 

Text von Msgr. Werner Schnell aus „Der Dom zu Augsburg“,
 Kunstverlag Peda Passau, Sankt Ulrich Verlag Augsburg; 1997.
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