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Der hl. Magnus – neunjähriger Sonderweg um ein Patrozinium

06.09.2025 07:30

Am 6. September wird dem hl. Magnus gedacht. Vor allem im Allgäu, wo der Heilige wirkte, ist der Magnustag von Bedeutung. Der Legende nach soll er dort nicht nur den christlichen Glauben verbreitet, sondern auch manches Ungeheuer bekämpft haben. Traditionell fand in der Stadt Füssen bis ins späte 19. Jahrhundert an diesem Festtag auch ein Markt statt. An diesem stießen sich jedoch Teile des Bürgertums. Daher verlegte das Bistum aus Protest das Patrozinium für einige Jahre auf einen anderen Tag.

Magnus (im Allgäu auch Mang genannt) bedeutet „der Große“, ist aber eigentlich die latinisierte Form des germanischen Namen Maginold. Er wird auch „Apostel des Allgäus“ genannt und ist neben Gallus und Kolumban einer der drei großen Heiligen für die Region, in der er der Überlieferung nach – historisch allerdings umstritten – zwischen 746 und 772 gewirkt hat. Die Legende berichtet davon, dass er mit seinem Stab Bären und Schlangen vertrieben habe und sogar einen Drachen besiegte, der ihm den Weg versperrte – vor allem in Roßhaupten ist mit dem dortigen Drachenweg die Erinnerung daran bis heute lebendig. Die Füssener Klostergründung St. Mang, die 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde, stellt trotz des Namens aber wohl keine durch den Heiligen erfolgte Gründung dar, sondern entstand erst unter Karl dem Großen. Neben dem Allgäu ist Magnus auch in Tirol, der Schweiz sowie Teilen Oberschwabens und Altbayerns beliebt.

Traditionell wurde am Magnustag auch ein Krämermarkt abgehalten, Magnusmarkt genannt, der offenbar schon eine längere Tradition besaß. 1855 wurde jedoch von Seiten der Stadt Füssen beschlossen, diesen Markt auf den 12. September zu verlegen. Der Krämermarkt wurde so mit einem Viehmarkt verbunden. Man hegte die Hoffnung, dass sich dies auch positiv auf die Besucherzahlen des Krämermarktes auswirken würde.

Das Kalkül, auf diese Weise die örtliche Wirtschaft anzukurbeln, ging allerdings nicht auf. „Allein diese Voraussetzung hatte sich nicht bewährt, indem ohngeachtet der den Viehbesitzern eingeräumten Begünstigungen der Viehmarkt nie eine Bedeutung erlangte, der Krämermarkt aber ganz einzugehen schien“, lautet das Urteil in einem damaligen Schreiben des Stadtmagistrats an das Bischöfliche Ordinariat. Die ortansässigen Händler sahen sich deswegen dazu veranlasst, den Magistrat zu bitten, den Krämermarkt wieder auf sein ursprüngliches Datum zurückzuverlegen. Mit 12 gegen 4 Stimmen erfolgte 1867 schließlich die gewünschte Rückverlegung, der Magnusmarkt fand somit wieder am Magnustag statt.

Mit dieser Rückverlegung entwickelte sich jedoch in Teilen der Stadtbevölkerung Unmut. Sie fühlte sich durch den Marktbetrieb in ihrem religiösen Empfinden gestört. Das Bischöfliche Ordinariat beschloss daher noch im selben Jahr, dass das Patrozinium fortan immer am Sonntag vor diesem Tag stattfinden werde – dies sollte solange gelten wie der Krämermarkt weiterhin am 6. September abgehalten werde.

1875 schließlich entschied sich der Magistrat, den Krämermarkt „ganz aufzuheben und denselben fürderhin, also schon heuer, nicht mehr abzuhalten.“ Damit fand der Krämermarkt das letzte Mal am 6. September 1874 statt. Daraufhin gab das Bistum mittels eines Erlasses am 21. August bekannt, dass das Patrozinium fortan wieder am traditionellen 6. September feierlich begangen werden soll. Damit fand der neunjährige Sonderweg sein Ende.

Die oben gezeigte Darstellung des Heiligen, wie dieser einen Drachen bekämpft, stammt aus einer im Bistumsarchiv befindlichen Handschrift zum Leben des hl. Magnus von 1601.