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Ein skandalöser Maskenzug

24.02.2025 09:05

Am Aschermittwoch 1852 zog ein unangemeldeter Maskenzug durch den Ort Moorenweis. Die Geistlichkeit sprach von einem "Skandale". In den Akten des Bischöflichen Ordinariats (BO 477) im Archiv des Bistums Augsburg wurde die Episode festgehalten.

Moorenweis im Landkapitel Schwabhausen, nahe der Grenze zum Nachbarbistum München und Freising, auf der Bistumskarte von 1862.

Wie der zuständige Schwabhausener Dekan am 4. März nach Augsburg berichtete, hatten „gott- und schamlose“ Dienstknechte aus dem Pfarrdorf als Personifikation der Fastnacht eine Puppe aus Stroh gefertigt und bekleidet. Ein Feiertagsschüler zog im Dorf umher, um unter Trommelschlag die „Beerdigung der Fastnacht“ zu verkünden. Anschließend trugen mehrere Burschen in einem inszenierten Leichenzug die Figur auf zwei Stangen hinter einem fingiertem Vortragekreuz durch den Ort, angeführt von einem als Geistlicher verkleideten Knecht, der die Zuschauer mit vorgeblichem Weihwasser bespritzte. Schließlich wurde die Puppe auf einem Misthaufen verscharrt und darauf eine Leichenrede gehalten, bevor man Geld für einen gemeinsamen Umtrunk sammelte.

Besonders anstößig war aus Sicht des Ordinariats nicht der Termin an einem Abstinenztag, sondern dass bei der Veranstaltung „kirchliche Ceremonien nachgeäfft und verhöhnt wurden“. Dafür verantwortlich machte man die Abwesenheit des damaligen Ortspfarrers Joseph Leonhard Hochwimmer, der sich in einem Schreiben vom 19. März zu rechtfertigen suchte: Er habe sich zu Amtsgeschäften und anderen Besorgungen in München aufgehalten, sich jedoch durch den Pfarrer der Nachbargemeinde Türkenfeld vertreten lassen. Sein Bericht schließt mit dem Hinweis, er habe es im Nachhinein nicht versäumt, den „Vorfall öffentlich in der Kirche zur Warnung ernstlich zu rügen und es auch dem königlichen Landgerichte sogleich anzuzeigen.“      

"Beerdigung der Fastnacht" - Ausschnitt aus dem Dekanatsbericht vom 4. März 1852
So ähnlich dürfte die Szenerie ausgesehen haben - Faschingsbegraben in Kärnten (Holzstich von 1889)
Ausschnitt aus dem Dekanatsbericht vom 4. März 1852