Behindertenseelsorge

Diözesanbereich Nord 
Diakon Thomas Schmidt, Diözesanbeauftragter 
Kappelberg 1
86150 Augsburg
E-Mail Sekretariat: 
Renate Meierhofer
Telefon: 0821 / 3166-2351, Telefax: 0821 / 3166-2359 Manuela Rothsching
Telefon: 0821 / 3166-2012 Gertrud Mertes
Telefon: 0821 / 3166-2351    Diözesanbereich Süd
Thomas Göppel, Pastoralreferent
Spitaltor 4
87600 Kaufbeuren
Telefon: 08341 / 9382-27
Telefax: 08341 / 9382-20
E-Mail   Neues Programm: Wir und ich und Du_Ausgabe_2_2020 (481,4 kB) Unsere Veranstaltungen besonders für blinde und sehbehinderte Menschen hier als word-Version: Wir und ich und Du_Ausgabe 2_2020Word (159,2 kB) Auf Wunsch können wir Ihnen das Programm auch in Großschrift oder als Hörversion zusenden.     Auf diesen Seiten finden Sie Informationen und Angebote der
Hauptabteilung II - Hörgeschädigtenseelsorge
Hauptabteilung II - Blindenseelsorge
Unsere aktuellen Angebote finden Sie unter: www.wirundichunddu.de
Unsere Angebote für Interessierte: Aufbau und Begleitung von Kontaktgruppen in den Pfarreien. Gestaltung von Begegnungstagen und -wochenenden und religiösen Freizeiten mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien. Beratung und Begleitung von Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen in persönlichen und religiösen Anliegen. Gesprächsrunden mit Pfarreigruppen, Pfarrgemeinderäten, in der Firmvorbereitung. Erwachsenenbildung (KAB, Kolping, Frauenbund etc.) Beratung und religiöse Begleitung bei besonderen Anlässen (Taufe, Erstkommunion, Firmung, Trauung, Begräbnisfeier, und in Krisensituationen) Kontaktgruppenangebote: Wir kommen zu Besinnungstagen, -nachmittagen, -abenden, zu einem Thema Ihrer Wahl Möglich: Kirchenjahr (Advent, Weihnachten, Fastenzeit, Ostern ...) biblische Impulse (behinderte Menschen in der Bibel) Jesus und Menschen mit Behinderung Behinderung und Leid Impulse aus dem Glauben... selbstgewähltes Thema Vortragsthemen Die Geschichte des Propheten Jona -
weshalb wir vor unseren Lebensaufgaben nicht davonlaufen brauchen Wer kenn ihn nicht, dn liebenswert-bockigen Propheten Jona, der vor dem Auftrag Gottes davonläuft? Doch der liebende Gott lässt nicht locker, bis Jona seine "Hausaufgabe" gemacht hat. Diese Geschichte ist an und für uns geschrieben. Auch an uns stellt Gott große und kleine (Haus-)Aufgaben, vor denen wir manchmal erschrecken und davonlaufen möchten. Dass solche Aufgaben zu unserer Reifung nötig sind und wir deshalb mutig an sie herangegen können, wird anhand der einzelnen Wegstationen des Jona gezeigt. Mit Hindernissen leben -
wozu Leid-Erfahrungen sinnvoll sein können Die Fragen nach der Herkunft und dem Sinn von Leid ist so alt wie die Menschheit. Sie ist nach wie vor schmerzlich und eine Herausforderung für den, den es betrifft. Der Vortrag erläutert, was die bibel und die Logotherapie zum Thema "Leid" zu sagen haben. Der Vortrag wird mit einer Dia-Meditation abgeschlossen. diese Dia-Meditation veranschaulicht, wenn Leid und Verzweiflung unser Leben bedrängen, das Leben aber letztlich stärker ist. Mit Bildern von einem Holunderstrauch, der trotz ungänstigen Voraussetzungen wächst und Früchte trägt, soll dies verdeutlicht werden. Wege aus der Wüste -
mit dem Propheten Elia Krisen durchleben Krisen sind Teil unseres Lebens. Jeden können sie treffen. Die Geschichte vom Propheten Elia ist Urbild einer Lebenskrise. Elia ist deshalb mehr als eine bestimmte Person der Geschichte. Er ist eine Symbolfigur, in dem sich auch der moderne Mensch mit seinen heutigen Krisenerfahrungen entdecken kann. Die Erzählung von dem Propheten Elia bringt Helfendes und Heilendes zum Vorschein. Sie hat selber heilende Kräfte, denn sie kann uns helfen, dem in Lebenskrisen verborgenen Gott (oder Sinn-Anruf) neu zu begegnen.
Wahrnehmung: Wo wohnen Menschen mit Behinderung in meiner Pfarrei?
Was wünschen sie? Basis: Beseitigung architektonischer Barrieren im gesamten kirchlichen Bereich: Zugänge, Induktionsschleife, ... Erfahrungen behinderter Menschen und ihrer Angehörigen aktiv und passiv einbringen. Mögliche Vorgehensweisen: Behindertenbeauftragter, der Kontakt zu behinderten Menschen/Angehörigen und örtlichen Institutionen sucht und schafft Hausbesuche (weiter) pflegen "UnBehindert miteinander leben" als Thema im PGR Themenschwerpunkt in der Verkündigung und im Religionsunterricht Behindertenarbeit, Diakonie als Thema in Firmgruppen: z.B. Projektarbeit, um den Firmlingen an einem Grunddienst der Kirche zu zeigen, wo Christen sich engagieren, bzw. sie sich selbst einbringen können Themen in der kirchlichen Jugendarbeit Übernahme von Diensten/Ämtern: Lektor/-in, Kommunionhelfer/-in, Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Artikel im Pfarrblatt schreiben) Familienunterstützende Angebote Fahrdienst organisieren Pfarrausflug im Rollstuhlbus, bei Veranstaltungen jeder Art auf Plakaten usw. darauf hinweisen, wenn der Veranstaltungsort rollstuhlgerecht ist und/oder eine Induktionsschleife vorhanden ist "UnBehindert miteinander leben" als Thema des Pfarrfestes
Besondere Autoritäten Jeder Mensch ist mit seiner je einmaligen Lebensgeschichte eine Bereicherung für alle, die ihm als mitmenschliches Du begegnen und mit ihm die Freude, aber auch Nöte und Sorgen des Lebens teilen. Menschen mit Behinderungen sind „besondere Autoritäten“ für einen Reichtum sinnerfüllten, gelingenden Lebens, der sich in keinem fest gefügten Bild fixieren lässt. – Die Kirche Christi ist nach Paulus der eine Leib aus vielen Gliedern (1 Kor 12, 21-27):
„Das Auge kann nicht zur Hand sagen:
Ich bin nicht auf dich angewiesen.
Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen:
Ich brauche euch nicht.
Im Gegenteil,
gerade die schwächer scheinenden Glieder
sind unentbehrlich.
Wenn darum ein Glied leidet,
leiden alle Glieder mit;
wenn ein Glied geehrt wird,
freuen sich alle anderen mit ihm.
Ihr aber seid der Leib Christi,
und jeder einzelne ist ein Glied an ihm.“ nach: unBehindert Leben und Glauben teilen.
Wort der deutschen Bischöfe zur Situation der Menschen mit Behinderungen anlässlich des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderungen 2003.
Behinderung – Nur Verschiedenheit „Es ist normal,
verschieden zu sein. Es gibt keine Norm für das Menschsein. Manche Menschen sind blind oder taub, andere haben Lernschwierigkeiten,
eine geistige oder körperliche Behinderung – aber es gibt auch Menschen ohne Humor,
ewige Pessimisten,
unsoziale oder sogar gewalttätige Männer und Frauen. Dass Behinderung nur als Verschiedenheit aufgefasst wird, das ist ein Ziel,
um das es uns gehen muss. In der Wirklichkeit freilich ist Behinderung nach wie vor die Art von Verschiedenheit,
die benachteiligt, ja, die bestraft wird.
Es ist eine schwere, aber notwendige,
eine gemeinsame Aufgabe für uns alle,
diese Benachteiligung zu überwinden.“ Richard von Weizsäcker
Wir haben unabhängig voneinander Lisa und Christoph S., Uschi F. und Nadine U. fünf Fragen gestellt, die sich alle im Behindertenbereich engagieren. Hier sind ihre Antworten: Wie kamst du zu deinem Engagement? Lisa: Ich habe als Jugendliche und junge Erwachsene Jugendarbeit gemacht und Kinderbetreuung bei Familienbildungswochen vom Kolping. Da bei habe ich eine Sozialarbeiterin kennen gelernt, die mich darauf ansprach, ob ich nicht Interesse hätte, bei einem Selbstständigkeitstraining für junge behinderte Erwachsene vom DRK mitzumachen. Ich habe zweimal an diesen „Trainings“ als Betreuerin teilgenommen.
Apropos „Betreuer“: Eines hat mich bei diesen beiden Selbstständigkeitstrainings sehr gestört, es wurde immer zwischen den Teilnehmern und den Betreuern unterschieden. Dies war dann bei den Fahrten der „Pfarreiorientierten Behindertenseelsorge“ in Augsburg ganz anders. Man teilt das Zimmer, geht völlig unkompliziert miteinander um und hilft sich gegenseitig. Es sind eben keine Reisen für Behinderte, sondern integrierte Reisen für Menschen mit und „ohne (?)“ Behinderung. Diese ganz andere Konzeption, sagt mir sehr zu. Bei der letzten Reise nach Brixen und Assisi wurden wir mehrfach gefragt, wie viele Betreuer wir dabei hätten. Ich habe immer geantwortet: keine! Bei der Reaktion der Leute merkte man, dass sie zunächst stutzten, dann aber sehr schnell begriffen, wie das gemeint war. Für mich war die Fahrt eben keine Dienstfahrt, sondern ich habe an einer religiösen Freizeit teilgenommen. Uschi: Ich kam über die Friedberger Behindertengruppe „Flinke Räder - Flinke Füße“ dazu, die vor 20 Jahren gegründet wurde. Als Begleiter für eine Freizeit und für eine Romreise gesucht wurden, meldete ich mich und war so begeistert, dass ich außer beruflich bedingter Unterbrechungen bis heute dabei bin. Christoph: Ich habe ältere Geschwister, die während des Studiums bei der Lebenshilfe und anderen Institutionen mit behinderten Menschen Freizeiten gemacht haben. Das fand ich schon immer Klasse, habe es mir selbst aber nie zugetraut. Als ich aber von meinem Bruder angesprochen wurde, habe ich mich spontan entschieden, es mal „zu testen“. Nadine: Nach anfänglicher Skepsis und Desinteresse brachte mich die Begegnung mit einem geistig behinderten Menschen zu der Überzeugung an einer Freizeit teilzunehmen. Was waren deine Aufgaben? Lisa: Das kam darauf an, mit welcher Frau ich das Zimmer geteilt habe und welche Hilfen diese benötigte. Bei der ersten Fahrt nach Assisi habe ich heim Duschen geholfen, Gummistrümpfe angezogen und auch einfach viel zugehört. Ansonsten waren am Tage Rollstühle zu schieben oder ich habe eine Mutter entlastet und hin bei ihrem Sohn geblieben, damit sie mal allein durch eine Kirche gehen und auch Ruhe finden konnte, z.B. in der Einsiedelei. Bei den anderen Fahrten habe ich das Zimmer fast immer mit einer Rollifahrerin geteilt und dieser beim Anziehen, Duschen, Toilettengängen und als Stütze geholfen, wenn sie sich wusch. Bei den Unternehmungen waren dann natürlich wieder Rollstühle zu schieben usw. Manchmal muss man auch einfach darauf achten, dass jemand nicht verloren geht, der selbst keinen Orientierungssinn hat. Bei einer Fahrt habe ich das Zimmer mit einer Frau geteilt, der ich auch helfen musste, ihr Geld einzuteilen. Irgendwie ist es schwierig, von „meinen“ Aufgaben zu sprechen, denn jeder hilft, wo Hilfe gebraucht wird, und das beschränkt sich eben nicht nur auf die Menschen „ohne Behinderung“. Uschi: Ich engagiere um in der Gruppe „Flinke Räder -- Flinke Füße“. Das ist eine Gruppe von körper- und sinnesbehinderten Menschen im Alter von 22 bis ca. 50 Jahren. Wir halten alle vier Wochen Gruppenstunden und unternehmen einiges: Musicalfahrten, Reisen. Ich bin die „Koordinatorin“ der Gruppe und erledige Organisatorisches. Christoph: Ich fand es sehr gut beim ersten Mal zunächst nur Rollis zu schieben. So konnte ich selber herausfinden, was ich mir zutraue. Später habe ich dann zum Beispiel einen autistischen Jugendlichen betreut. Da habe ich viele kleine Erfolge erlebt, weil er mich Tag für Tag mehr akzeptiert hat. Nadine: Bei meiner ersten Freizeit bestand meine Aufgabe fast ausschließlich aus Rollstuhlschieben. Beim zweiten Mal war ich dann Betreuerin einer schwer geistig behinderten Frau mit autistischen Zügen. Das waren ganz neue Erfahrungen, die mich auch im Alltag sehr viel weiterbringen. Warum machst du das? Du könntest doch deinen „Urlaub“ anders verbringen?! Lisa: Ich habe auf diesen Fahrten immer tolle Menschen kennen gelernt, Menschen, die trotz Behinderung ihr Leben meistern, die sich über Kleinigkeiten so sehr freuen können, dass die Freude ansteckt, die spontan sind, die sich nicht unterkriegen lassen, wenn plötzlich eine Barriere im Weg steht, oder etwas nicht so klappt, wie man es sich vorgestellt hat, Menschen mit und ohne Behinderung, die sehr offen sind, die aufeinander achten, die einfach auch Spaß miteinander haben wollen ... Kurz: Es ist ein Urlaub, der der Seele einfach gut tut.
Mein Problem ist bei diesen Fahrten eigentlich nur, dass ich zu wenig Schlaf bekomme, weil ich die gemeinsamen Abende bis zum bitteren Ende genieße und morgens früh raus muss, weil da eben noch jemand ist, der Hilfe braucht. Aber was soll‘s, den Schlaf hole ich später wieder nach. Uschi: Für mich ist es eine tolle Bereicherung, mit der Gruppe zusammen zu sein. Sie ist irgendwie ein Teil meines Lebens geworden. So wie ich Frei zeit mit Freunden verbringe oder alleine, verbringe ich auch Freizeit mit der Gruppe. Es ist kein „Opfer“ oder eine „Aufgabe“, sondern ein Lebensbereich von mir, den ich nicht missen möchte. Manchmal bin ich sehr betreten, wenn ich die Begeisterung und echte Freude sehe und erleben darf, die wir Nichtbehinderten oft gar nicht mehr empfinden können. Christoph: Erst wenn man einmal eine integrative Freizeit selbst mitgemacht hat, kann man beurteilen, wie viel Spaß so ein Urlaub macht. Für mich ist das genau der Kontrast zu meinem Job in der IT-Branche, den ich brauche. Es ist immer wieder toll zu sehen, über welche für mich alltäglichen Kleinigkeiten sich ein behinderter Mensch freuen kann, wenn wir sie ihm ermöglichen. Nadine: Ich mache auch Erholungsurlaub und Radtouren, aber die Freizeiten runden meinen Urlaubs- plan ab. Bei keiner anderen Form lernt man so viel über Menschen. Kannst du dir vorstellen, noch einmal bei einer Freizeit mitzufahren? Lisa: Ja klar, du hast ja schon gehört, dass ich schon mehrfach mit war, weil es mir eben wirklich Spaß macht, mitzufahren. Uschi: Wie man aus Antwort Nr. 4 erkennen kann: Ja, natürlich. Christoph: Ja, ich werde mindestens einmal im Jahr dabei sein. Es ist jedes Mal spannend zu erkennen, dass jeder Teilnehmer — egal wie stark seine Behinderung ist — mindestens eine Sache wesentlich besser kann als ich. Erst auf einer Freizeit lernt man wohl jemanden kennen, der einem immer genau sagen kann, welche Farbe das Gummibärchen hat, das in seiner Tüte fehlt. Nadine: Ja, mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren immer eine Freizeit mit zumachen, weil ich es immer wieder bemerkenswert finde, wie offen die behinderten Menschen miteinander und mit mir umgehen. Was könntest du Neu Interessierten sagen/mit auf den Weg geben, die sich im Behindertenbereich einbringen wollen? Lisa: Was soll ich sagen? Ich denke alles vorher Gesagte spricht für sich. Vielleicht hat der eine oder andere Angst davor, weil er nicht weiß, wie man mit einander umgehen soll. Aber das gibt sich im Miteinander ganz von selbst, wenn man sich selbst nicht so sehr als „Betreuer“ auffasst. Ich habe bei den Menschen mit Behinderung ganz wundervolle Menschen kennen gelernt, so dass die Behinderung ganz nebensächlich wird. Ich kenne viele Menschen „ohne“ Behinderung, die durch ihre Unzufriedenheit viel behinderter sind! Uschi: Man darf auf keinen Fall aus Mitleid auf die Menschen mit Behinderungen zugehen oder mit der Einstellung: „Ich tu jetzt was Gutes, denn die sind ja so arm dran“. Wenn man sich Zeit lässt und offen auf die Menschen zugeht, wird man merken, dass sie so viele Werte und Fähigkeiten haben, dass die „Grenze“ schnell abgebaut wird und dann ein echtes Miteinander möglich ist, mit Höhen und Tiefen, wie überall. Christoph: Ich kann so eine Erfahrung uneingeschränkt jedem empfehlen! Ich diskutiere immer wieder mir Freunden und Kollegen darüber. Häufig bekomme ich zu hören „Toll, dass DU so was machst, aber ICH traue mir das nicht zu“. Ich verstehe das sehr gut, weil ich eben mal genau so gedacht habe. Heute meine ich, dass man nur die Hemmschwelle überwinden muss und sich alles andere von selbst er gibt. Nadine: Jeder sollte einmal das Gemeinschaftsgefühl in solchen Gruppen erlebt haben. Es ist beeindruckend, wie jeder Teilnehmer jedem hilft und wie viel man dann in einer Gemeinschaft erreichen kann.
Inklusion - davon profitieren alle Erst seit kurzer Zeit hat in Deutschland der Begriff Inklusion für die Behindertenarbeit Einzug gehalten, Inklusion meint die Veränderung der Rahmenbedingungen in einer Gemeinschaft, damit Menschen mit Behinderung selbstverständlich in die verschiedensten Gruppierungen einbezogen sind. Während der gebräuchliche (aber gut gemeinte) Begriff Integration (=Wiederherstellung eines Ganzen) Aussonderung voraussetzt, und damit immer eine Eingliederung in eine Gemeinschaft von außen meint, gibt es mit dem Begriff der Inklusion nun einen Paradigmenwechsel, der die Veränderungsnotwendigkeit auf Seiten der Gemeinde sieht. Gelegenheit zur Teilhabe an den Angeboten einer Pfarrei sollte also unabhängig von Voraussetzungen jeglicher Art sein. Dabei werden in der Regel vor allem die ohne Zweifel für einige Menschen mit Behinderung unüberwindbaren baulichen Barrieren (rollstuhlgerecht, Induktionsschleife) hervorgehoben: Weniger sind dabei z. B. Menschen mit einer geistigen Behinderung im Blick. In kurzer Zeit sind viele kleinere Wohneinheiten für Menschen mit einer Behinderung in den Pfarreien („Ambulantisierung“) entstanden, die für alle Beteiligten eine große Herausforderung sind. Wie können Menschen mit Behinderung am Gemeindeleben partizipieren? 1. Inklusion von kirchlichen Gemeinden braucht eine große Offenheit und Mut, sich auf etwas Neues, andere Lebenswelten einzulassen.
2. Betroffene wollen am kirchlichen Leben partizipieren und schätzen ihren Glauben, nicht nur als Bewältigungsstrategie in ihrer Situation im Kontext von Leben mit einer Behinderung.
3. Kleine geistliche Gemeinschaften von Menschen mit und ohne Behinderung sind eine geeignete Grundlage, Diakonie und Spiritualität gemeinsam zu leben und davon zu profitieren.
4. Es braucht eine nachgehende Seelsorge seitens des Pfarrers und des Seelsorgeteams. Aufgrund von Verletzungen und Empfindsamkeiten, die sich aus den gesellschaftlichen Bedingungen ergeben, tut es Betroffenen gut, wenn sie auf diese Weise Wertschätzung erfahren. Nur im Miteinander ist aufeinander Verlass.
5. Begegnungsräume sind Erfahrungswelten für Menschen mit und ohne Behinderung und ihre Angehörigen. Hier kann jede Gemeinde neue Lebensfelder eröffnen, die allen letztlich zugute kommen.
6. In den größer werdenden Seelsorgeeinheiten ist ein großer runder Tisch geeignet, einen inklusiven Prozess anzustoßen und zu begleiten. Hier sitzen Betroffene (Menschen mit Behinderung, Angehörige), Fachleute, Interessierte, Beauftragte aus dem Seelsorgeteam, dem Pfarrgemeinderat, etc.
7. Es ist für Betroffene weiterhin wichtig, exklusive Angebote wahrzunehmen, wie Selbsthilfegruppen etc.
8. Kirche gewinnt an Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft, weil sie so authentisch das Evangelium lebt. Dies kann aber nicht die einzige Motivation sein, denn es geht wie wir gesehen haben um den Einzelnen, der sich in den Prozess der Inklusion einbringt. Damit muss Inklusion als ein dynamischer Prozess der jeweils Beteiligten verstanden werden. Von einer inklusiven Gemeinde, die Menschen mit und ohne Behinderung, deren Freude und Hoffnung, aber auch Trauer und Leid einbezieht (II. Vatikanum, Gaudium et Spes), profitieren alle. Denn Inklusion ist eine Querschnittsaufgabe: Teilhabe und Teilgabe ist in allen Grunddiensten der Kirche gefordert: Alle Menschen (mit und ohne Beeinträchtigungen) können an pastoralen Angeboten teilnehmen und sich einbringen:  unter: - https://kirche-entwickeln-beraten.de/inklusion finden Sie dazu Informationen und Tipps. Inklusion beim Apostel Paulus Der Apostel Paulus zeigt uns im Philipperbrief konkret auf, wie ein Gemeindeverständnis inklusive Züge aufweisen kann. Es gibt kein hierarchisches Denken (von oben nach unten), wie er es auch an anderen Stellen betont, sondern ein Geben und Nehmen. Das beruht aber auf Gegenseitigkeit. Dabei ist entscheidend, dass sich Paulus mit den Philippern sehr verbunden fühlt, ja, dass sie offenbar auf einer Wellenlänge waren. Es war in diesem Miteinander aufeinander Verlass. Jeder wird mit seinen Möglichkeiten ernst genommen und gehört ganz zu der Gemeinschaft. Dieses ganzheitliche Gemeindeverständnis, das neben dem Geben und Nehmen auch die Verbundenheit im Gebet beinhaltet, ist aus heutiger Sicht inklusiv zu nennen. Es ist auch gut auf eine Gemeinschaft zu beziehen, die Menschen mit und ohne Behinderung im oben genannten Sinne ernst nimmt. Auch an anderen Stellen weist Paulus darauf hin, dass jeder Einzelne dazugehört und jeder mit seinen Gaben an der Gemeinschaft teilhat (z.B. im 12. Kapitel des 1. Korintherbriefes). Im Dankesschlusswort des Paulus an die Philipper wird inklusives Denken in die Wirklichkeit umgesetzt: „Nicht dass ich erstrebe das Geschenk, sondern ich erstrebe die Frucht, die sich mehrende auf eurem Konto“ (Phillipperbrief Kapitel 4, Vers 17). „Frucht heißt für Paulus: das Gegenseitigkeitsverhältnis wird verwirklicht, nicht nur beschworen. Aber die Frucht kommt – und das ist das Entscheidende für Paulus – aus Gott selbst. Wer erfahren hat, dass Gott die Stütze seines Lebens ist, der wird Frucht bringen aus ihm.“ (Andreas Heek). Der braucht auch nicht „danke“ zu sagen oder zu erwarten, denn gegenseitiges Helfen in hilfloser Lage wird dann selbstverständlich.
Und heute? Die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass alle Menschen die Möglichkeit zur Teilhabe haben ist das, was den Auftrag der Kirche ausmacht. Eine Inklusion in der Kirchengemeinde bedeutet, einen großen Umdenkungsprozess einzuleiten. Es gilt Anhaltspunkte zu finden, bei denen angeknüpft werden kann, um das Vorhaben möglich machen zu können.
Menschen als gleichwertige Partner akzeptieren und deren gegenseitige Beziehungen durch einen Dialog ‚auf gleicher Augenhöhe’ gestalten, könnte als Überschrift unter einer inklusiven Gemeinde stehen. Dabei gilt es nicht nur Barrieren baulicher Art abzubauen. Diakon Thomas Schmidt  
  Informationen rund um die Behindertenpastoral: www.behindertenpastoral-dbk.de Der Verein „einsmehr“ – Initiative für Down-Syndrom in Augsburg und Umgebung: www.einsmehr.org Begleitung im Glauben für Menschen mit Behinderung: www.fraternitaet.de Weitere digitale Angebote finden Sie auf den Internetseiten der Abteilung Personal-, Organisations- und Pastoralentwicklung: https://kirche-entwickeln-beraten.de/inklusion