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Der Nachlass von Placidus Braun, Historiker, Bibliothekar, Zeitzeuge

11.02.2026 09:00

Am 11. Februar 2026 nähert sich der 270. Geburtstag des Benediktinermönchs und Historikers Placidus Braun. Mit seinem umfangreichen historischen Schaffen, darunter die vierbändige Geschichte der Bischöfe von Augsburg, die zweibändige Historisch-topographische Beschreibung der Diöcese Augsburg sowie seine zahlreichen Urkundenregesten, leistete Braun einen grundlegenden Beitrag zur Erforschung der Geschichte des Bistums Augsburg. Nun ermöglicht der 2025 erschlossene Nachlass von Braun einen tieferen Einblick in seine wissenschaftliche Forschung und seinen lebendigen Austausch mit zahlreichen Gelehrten, Äbten und Archivaren seiner Zeit.

Als Placidus Braun am 23. Februar 1756 geboren und 1775 im Augsburger Kloster St. Ulrich und Afra aufgenommen wurde, war die Situation der katholischen Kirche noch eine völlig andere als zum Zeitpunkt seines Todes am 23. Oktober 1829. Insbesondere die Säkularisation zahlreicher Klöster in Bayern in den Jahren 1802 und 1803 markierte eine tiefgreifende Zäsur und traf mit der Auflösung von St. Ulrich und Afra auch Braun persönlich. Seine rege Forschungstätigkeit war hierdurch jedoch nicht eingeschränkt, und Braun verfasste neben zahlreichen Schriften zur Geschichte des Bistums und der Augsburger Klöster, auch den Codex diplomaticus episcopatus Augustani als Regestensammlung, der nach seinem Tod in der bekannten Quellensammlung Monumenta Boica (Bände 33–35) verwendet werden konnte.[1]

Brief des Bischöflichen Ordinariats an die Bayerische Akademie der Wissenschaften über die Verwendung von Brauns Codex Diplomaticus Episcopatus Augustani für die Monumenta Boica (ABA, NL 005, 47).

Ab 1803 war Braun als Bibliothekar und Archivar im Bischöflichen Ordinariat in Augsburg tätig. In dieser Funktion trug er maßgeblich zur Erweiterung des dortigen Bücherbestands bei, indem er Bücher aus St. Ulrich und Afra sowie aus dem Kloster St. Mang in Füssen in die Bibliothek des Bischöflichen Ordinariats integrierte. Verkaufs- und Depositalurkunden aus dem Jahr 1822 über wertvolle Handschriften zeugen von diesem Engagement.[2]

Neben zahlreichen Manuskripten von später veröffentlichten Werken, enthält der Nachlass eine umfangreiche Sammlung an Korrespondenzen mit zahlreichen Vertretern der Geistlichkeit und Geschichtswissenschaft der Zeit. Dazu zählen unter anderem Cölestin Königsdorfer, Abt des Klosters Heilig Kreuz in Donauwörth (42 Briefe aus den Jahren 1801–1829),[3] Joseph Ignaz Meichelbeck, Stadtpfarrer von Kaufbeuren (63 Briefe aus den Jahren 1789–1794),[4] sowie Lorenz von Westenrieder, Sekretär der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München (33 Briefe aus den Jahren 1810–1825).[5]

Bericht über den Braun’schen Nachlass von Benedikt Abbt, dem Pfarrer von St. Ulrich und Afra sowie dem Exekutor des Testaments (ABA, 005, 46).

Eindrucksvoll belegt die gesammelte Korrespondenz Brauns einerseits den regen wissenschaftlichen Austausch der Geistlichkeit innerhalb eines weit verzweigten Netzwerks aus Forschern, Verlegern, Äbten und weltlichen Beamten. Andererseits dokumentieren die Briefe die tiefgreifenden Umwälzungen innerhalb der Katholischen Kirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Auf diese Art und Weise wurde Placidus Braun, der sich Zeit seines Lebens der Geschichte des Bistums widmete, selbst ein wichtiger Zeitzeuge einer Epoche des kirchlichen und gesellschaftlichen Umbruchs.

[1] Zum Manuskript des Codex diplomaticus episcopatus Augustani siehe ABA, NL 005, 15–17.

[2] Ebd., 92.

[3] Ebd., 68.

[4] Ebd., 62.

[5] Ebd., 73.