„Durch Gottes Gnade und Marias Fürbitte Priester Jesu Christi“. Das war der Spruch auf dem Primizbild an Pfingsten 1962 des damaligen Jungpriesters Ludwig Hihler. Fünf Jahrzehnte hat jetzt der in Diemantstein (Gemeinde Bissingen) im Kesseltal geborene Pfarrer diesen Spruch treu beherzigt. Am Sonntag, 17. Juni, feierte der 77-jährige Geistliche im Rahmen des Herbertshofer Pfarrfestes sein goldenes Priesterjubiläum.
Auch im Ruhestand voll im Priesterdienst
Geistlicher Rat Ludwig Hihler war von 1989 bis 2008 über 19 Jahre Pfarrer und guter Hirte der Pfarrei St. Clemens in Herbertshofen-Erlingen. Seither ist er im „(Un)-Ruhestand“, den er im betreuten Wohnen im St. Johannesheim in Meitingen verbringt. Doch steht er seinem Nachfolger Johnson Puthuva bei Messfeiern in den drei Pfarreiorten der 2008 gegründeten Pfarreiengemeinschaft Meitingen, vor allem bei Wochenendgottesdiensten, wie eh und je zur Verfügung und hilft sogar in der weiteren Umgebung aus. „Das ist für uns alle ein Glücksfall“, sagt Pfarrer Johnson Puthuva und hofft weiterhin auf gute Gesundheit seines geistlichen Mitbruders.
Pfarrer Hihler stammt aus Diemantstein, einem kleinen Dorf zwischen Donau und Ries im schwäbischen Jura. Mit zwölf Jahren besuchte er das humanistische Gymnasium und später das bischöfliche Knabenseminar in Dillingen. Die Ausbildung erforderte große finanzielle Opfer von seiner Mutter Ottilie und der jüngeren Schwester, denn der Vater, von Beruf Lehrer, war bereits 1940 während des Frankreichfeldzuges gefallen. Am 10. Juni 1962 feierte Ludwig Hihler Primiz in seinem Heimatdorf, nachdem er eine Woche zuvor durch Bischof Josef Freundorfer zum Priester geweiht worden war. Nach einer kurzen Zeit als „Aushilfspriester“ in Schwabmünchen kam er ab April 1964 nach Hiltenfingen. Dort wurde er nach der zweiten Dienstprüfung im Jahre 1966 Pfarrer. Später kamen die Vikarien Konradshofen und Scherstetten dazu. Nach der Neugliederung der Dekanate stand er ab 1973 als damals jüngster Dekan der Diözese Augsburg an der spitze des Dekanats Schwabmünchen. Aber er wollte nochmals neu beginnen und wechselte im September 1989 als Nachfolger von Dr. Bernhard Ehler als Pfarrer nach Herbertshofen. Seither ist er als guter Hirte der Pfarrei, Prodekan im Dekanat Meitingen und Präses des Landvolkes und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung weit über das Lechtal hinaus bekannt geworden.
Mariensäule bleibt zur Erinnerung
Im Jahre 2002 feierte Ludwig Hihler sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Zu diesem Fest spendete er der Pfarrei St. Clemens die kunstvolle Mariensäule auf dem Kirchplatz. Beim Festjahr 2008 anläßlich des 250-jährigen Bestehens der Pfarrei und der Pfarrkirche St. Clemens wurde bei allen Feierlichkeiten das gegenseitige Vertrauen und die große Wertschätzung zwischen Pfarrer und Pfarreimitgliedern deutlich. Sein stets frohes und freundliches Wesen als „Mahner und Rufer und begnadeter Prediger“ wurden allseits gewürdigt. Auch als Bauherr bei einigen Restaurierungen und Verbesserungen in Kirche und Pfarrheim bleibt Pfarrer Hihler in guter Erinnerung.
Dankgottesdienst beim Pfarrfest
Im Kreise seiner ehemaligen Pfarrgemeinde, vieler Priester aus der Umgebung, Ehrengästen und Verwandten feierte Geistlicher Rat Ludwig Hihler das Jubiläum in der Pfarrkirche St. Clemens mit einem Dankgottesdienst und anschließend bei einem Pfarrfest der ganzen Pfarreiengemeinschaft Meitingen rund um das Herbertshofer Pfarrheim.
Vorausgegangen war ein festlicher Zug der Geistlichkeit mit dem Spielmannszug, mit über 40 Ministranten, den Festgästen und den Fahnenabordnungen der Vereine vom Pfarrheim zum Gotteshaus. Nach dem feierlichen Einzugsgeleit durch Trompeten- und Orgelmusik stimmte das Volk in das Papstlied „Wer glaubt ist nie allein“ ein. „Ad sum – ich bin bereit“. „ Mit diesen Worten legtest du vor 50 Jahren bei der Priesterweihe dein Priestergelöbnis ab“, sagte sein Nachfolger in der Pfarreiengemeinschaft Meitingen, Pfarrer Johnson Puthuva zur Begrüßung und dankte dem Jubilar als „Pfarrer in Rufweite seit 2008“ für seine stetige Bereitschaft und seinen unermüdlichen Einsatz zur Ehre Gottes und zum Segen für die Menschen. Geistlicher Rat Hihler dankte überwältigt von der überfüllten Pfarrkirche und der festlichen Umrahmung dem lieben Gott und allen Menschen, die ihn begleitet, gestärkt, ermuntert und ihm geholfen haben durch ihr Gebet und ihre Mitarbeit. Festprediger Prälat Dr. Gerhard Bauer pries das große Vorbild des Jubilars als Vorbeter, Prediger und Sänger. Er dankte Pfarrer Hihler dafür, was er als Sämann, Mitarbeiter und Baumeister, sowie als Hochzeitslader der Liturgie den Menschen geschenkt hat. Die festliche Messfeier wurde vom Kirchenchor unter der Leitung von Doris Asam und vom Volk umrahmt.
Bleibende Spuren hinterlassen
Direkt im Anschluß an den Gottesdienst würdigte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Sabine Schey in einer Laudatio die seelsorgerischen und weltlichen Leistungen des Jubilars während seines Wirkens in St. Clemens von 1989 bis 2008 und darüber hinaus. Dabei brachte sie die Berufung von Diakon Bernhard Berchtenbreiter, die Einführung des Ministrantendienstes auch für Mädchen, die Vorbereitung und die Durchführung des 250. Weihefestes des Gotteshauses mit einem Eigentext des Pfarrers als St. Clemenslied zum Ausdruck. Ferner erwähnte sie die Spende seiner kunstvollen Marienstatue auf dem Herbertshofer Kirchplatz und die Bauherrentätigkeit bei Renovierungen des Gotteshauses und des Pfarrheimes. „Wir danken dem lieben Gott, dass wir ihn weiter in der Pfarreiengemeinschaft haben“, brachte die Vorsitzende von St. Clemens die Glückwünsche und den Lobpreis aller drei Pfarreien zum Ausdruck. Die Dankesworte und Segenswünsche des Dekanates sprach in Vertretung von Dekan Georg Schneider sein Vorgänger, Monsignore Karl Kraus, der seinen jahrelangen Stellvertreter und Weggefährten einen überzeugenden Überbringer der Botschaft Jesu Christi nannte und ihm für das gute Miteinander im Dekanat dankte. Die große Wertschätzung, den Optimismus, die Aufgeschlossenheit, die Vorbildfunktion und seine Beliebtheit als großartiger Verkünder des Wortes Gottes pries Meitingens Bürgermeister Dr. Michael Higl. Dankesworte sprachen auch Bürgermeister Kornelius Griebl und die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elisabeth Schnatterer aus Hiltenfingen mit den Vikarien Scherstetten und Konradshofen, wo der Jubilar für seine Verdienste um die Allgemeinheit im Jahre 1989 zum Ehrenbürger ernannt wurde und bleibende Spuren hinterlassen hat. Seine frühere Pfarrgemeinde erwies Pfarrer Hihler mit rund 40 Festgästen ihre Reverenz. Beim Auszug aus der Kirche standen die ehemaligen Ministranten fähnchenwinkend Spalier. Beim anschließenden Jubiläums-Pfarrfest ließen Hunderte von Menschen ihren Pfarrer mehrmals hochleben.
(gp)
Auf dem mittleren Bild von links: Hermann Danner, Karl Kraus, Dr. Gerhard Bauer, Ludwig Hihler, Diakon Bernhard Berchtenbreiter, Josef Liepert, Wunibald Hitzler und Johnson Puthuva.