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Der Weltmissionssonntag – seit 100 Jahren Zeichen der Solidarität von Christen im Bistum Augsburg und weltweit

30.06.2026 10:00

Der Weltmissionssonntag, der im Oktober 2026 zum 100. Male begangen wird, soll die Mission als universale Aufgabe der Kirche ins Bewusstsein rufen und durch Gebet und Spendensammlungen unterstützen. Seine Einführung durch Papst Pius XI. erfolgte jedoch am 14. Juni 1926 und seine grundlegende Definition geht auf das Statut der Päpstlichen Missionswerke vom 26. Juni 1980 zurück.

a)   Einleitung

Die Weltmission wird vor allem mit dem Monat Oktober verbunden, umfasst dieser doch als „Missionsmonat“ die wichtigsten jährlichen Aktivitäten im Rahmen der missionarischen Teilhabe der Ortskirchen. Der Oktober wurde zum Missionsmonat, um an die Entdeckung des amerikanischen Kontinents durch Christoph Kolumbus zu erinnern, mit der sich für die Kirche neue Möglichkeiten der Evangelisierung eröffneten. Den Höhepunkt bildet der Weltmissionssonntag, der am vorletzten Sonntag im Oktober begangen wird. Sein Ursprung liegt jedoch im Juni, was insbesondere für das diesjährige 100jährige Jubiläum gilt: Am 14. Juni 1926 führte Papst Pius XI. den Weltmissionssonntag ein, um die Mission als gesamtkirchliche Aufgabe festzuschreiben und die finanzielle Unterstützung der vielfältigen Missionsarbeit zu koordinieren und zu fördern.

Ebenfalls in den Juni fiel die Ratifizierung des Statutes der Päpstlichen Missionswerke am 26. Juni 1980, in dem der Tag als „Fest der Katholizität und universalen Solidarität“ definiert wird. Die missionarische Einbindung von Laien, die im Rahmen der Missionswerke bzw. ihrer Teilorganisationen erfolgt, geht vor allem auf das Päpstliche Werk der Glaubensverkündigung zurück, dessen Wurzeln wiederum in dem im Jahr 1819 gegründeten Lyoner Missionsverein liegen.

b)   Grundlagen und historischer Rückblick

Seit jeher ist die Mission Teil gelebten Christentums: Christen strebten von Anfang an danach, Gleichgesinnte für den gemeinsamen Glauben zu gewinnen. Die Weitergabe der frohen Botschaft durch die Bekehrung von Nicht-Christen, deren Anfänge oft mit dem Wirken des „Völkerapostels“ Paulus in Zusammenhang gebracht werden, oblag jahrhundertelang vor allem missionarisch wirkenden Ordensmännern. So trugen ab dem 7./8. Jahrhundert wesentlich iroschottische Mönche und angelsächsische Missionare zur christlichen Durchdringung Europas bei.

Nach der Reformation in Westeuropa im 16. Jahrhundert verlagerten sich viele missionarischen Aktivitäten in die von Europäern eroberten Gebiete in Übersee, insbesondere auf dem amerikanischen Kontinent. Dabei wurden die vielfältigen Aufgaben der Sendung vor Ort vor allem von den sogenannten Missionsorden wie den Jesuiten oder Dominikanern getragen. Nach dem teilweisen Zusammenbruch der Ordensstrukturen und der Finanzierung ihrer Arbeit während der Aufklärung und Säkularisation gründeten sich im 19. Jahrhundert neue Missionsorden wie die Steyler Missionare oder die Pallottiner, die in der sog. Dritten Welt die Ausbreitung des Christentums vorantrieben, vor allem in Afrika.

Die katholische Mission des 20. Jahrhunderts und damit der Weltmissionssonntag beruhen nach den Erfahrungen der beiden Weltkriege und dem schrittweisen Verlust der Kolonialgebiete europäischer Staaten wesentlich auf internationaler Zusammenarbeit. Vorher einseitig von Kirchenvertretern und Staaten des Westens dominiert, avancierte sie zu einem multinationalen Gemeinschaftsprojekt, das in Konferenzen oder Spendensammlungen über Ländergrenzen hinweg seinen Ausdruck fand. Entsprechend ihrem universalen Anspruch wurde Mission zunehmend zu einer auf Kooperation und Gegenseitigkeit beruhenden Weltmission.

c)   Archivalien zur Weltmission

Verordnung des Bischöflichen Ordinariats Augsburg zum Weltmissionssonntag, Amtsblatt vom 18. Oktober 1927 (ABl Jg. 37, Nr. 25 / 1927).

Der Blick in die archivalische Überlieferung im Archiv des Bistums Augsburg zeigt: Die Aufgaben einer universalen Mission wurde stets auch von der Ortskirche wahrgenommen, jedoch musste und muss ihre bleibende Bedeutung neben den zahlreichen anderen Verpflichtungen kirchlicher Organisationen immer wieder bewusst gemacht werden.

Die offizielle Verordnung des Bistums Augsburg zur Einführung des Weltmissionssonntags, die sich im Amtsblatt Nr. 25 vom 18. Oktober 1927 findet, bestimmt, „daß fortan alljährlich der vorletzte Sonntag des Monats Oktober als besonderer Gebets- und Werbetag für die auswärtigen Missionen gelten solle“ (1). Im Mittelpunkt steht dabei das Gebet für den Erfolg der katholischen Mission, doch sollen auch die Predigt auf den Missionsgedanken ausgerichtet sowie ein vollkommener Ablass für Teilnehmende gewährt werden.

Diagramm zur Entwicklung der Kollektengelder in den bayerischen Diözesen in der NS-Zeit und während des Zweiten Weltkriegs 1932-1944 (GV 1751).

Eine zentrale Rolle spielen auch Kollekten, die an allen Missionssonntagen als Teil der „so notwendige(n) und vom Heiligen Vater dringend gewünschte(n) Unterstützung der auswärtigen Missionen“ (2) stattfinden. Wie sich die Opfergelder der Gläubigen am Weltmissionssonntag im ersten Jahrzehnt seines Bestehens entwickelten, zeigt ein Diagramm zum Spendenaufkommen in den bayerischen Diözesen, das im Rahmen einer Statistik veröffentlicht wurde. Das Bistum Augsburg zählt dabei in der Regel zu den drei Diözesen mit dem größten Spendenvolumen (3).  

Missio-Plakat zum 50. Weltmissionssonntag mit vergleichenden Daten zu seiner Verbreitung in den Jahren 1926 und 1976 (GV 1754).

Nach dem auffallenden Anstieg der Spendengelder insbesondere in den Jahren des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich der Missionssonntag zu einer bewährten Institution, die Jahr für Jahr in den Pfarrgemeinden begangen wird. Dies kommt auch in großformatigen graphisch laufend neu gestalteten Plakaten zum Ausdruck, wie dem Missio-Plakat zum 50. Weltmissionssonntag am 24. Oktober 1976 (4).

(1)   ABl Jg. 37, Nr. 25 / 1927.

(2)   Ebd.

(3)   GV 1751.

(4)   GV 1754.