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Tag der Weinbergschnecke – Ehrung eines Mariensymbols

24.05.2026 09:00

Der 24. Mai ist seit 2001 der Tag der Weinbergschnecke. Mit seinem braun gemusterten Haus und dem grauen Körper gilt das Kriechtier gemeinhin als schön anzusehen, wird von Gärtnern jedoch oftmals mit Misstrauen beäugt. In der christlichen Kunst ist die Weinbergschnecke zudem ein Symbol für die Jungfrau Maria.

Eine Weinbergschnecke auf einem Liedblatt von 1996 (Pf 287 318).

In den Vereinigten Staaten wird seit zwei Jahrzehnten am 24. Mai der Tag der Weinbergschnecke (National Escargot Day) begangen. Inzwischen wird das Datum auch immer öfters in Europa dazu genützt, die Weinbergschnecke (Helix pomatia) als nützliches Gartentier zu ehren. Dabei wird jedoch oft die religiöse Symbolik übersehen, die gut in den Mai als traditioneller Marienmonat passt.

Winterschlaf und Auferstehung

Charakteristisch für die Weinbergschnecke ist, dass sie gut die Hälfte des Jahres schlafend verbringt. Ende Oktober graben sich die Tiere in die Erde ein, ziehen sich in ihr Haus zurück und versiegeln dieses mit einem Deckel aus Kalk. Damit schützen sie sich gegen Kälte und Frost. Erst im Frühling, wenn die Temperaturen wieder milder werden, erwachen sie wieder aus ihrem Winterschlaf und widmen sich der Nahrungssuche sowie der Fortpflanzung. Obwohl die Schnecke ein Zwitter ist, können sich die Tiere nicht selbst befruchten, sondern benötigen einen Partner. Das Liebesspiel kann dabei bis zu zwanzig Stunden dauern. Gelegt werden im Anschluss daran vierzig bis sechzig Eier.

Wegen ihrer reichen Vermehrung wurden Schnecken in verschiedenen Kulturen zum Symbol für Fruchtbarkeit. Im Mittelalter galt die Schnecke entsprechend als Zeichen der Wollust sowie der Trägheit. Durch ihr Abtauchen während des Winters und die Wiederkehr im Frühling sah man sie jedoch auch als Zeichen für die Auferstehung Christi. Auf Darstellungen zur Passion lassen sich deswegen immer wieder Weinbergschnecken ausmachen. Besonders eindrucksvoll ist hierbei das Grab des hl. Sebaldus in Nürnberg, wo zwölf Schnecken als Träger des Grabes dienen.

Traditionelles Marientier

Zunächst widersprüchlich angesichts ihrer starken Vermehrung erscheint hingegen, dass die Weinbergschnecke auch zu einem Symbol für die Reinheit der Gottesmutter Maria wurde. Dies hat seinen Ursprung darin, dass im Mittelalter die Vorstellung bestand, die ungeschlechtlichen Tiere würden sich durch Tau befruchten. Besonders deutlich wird diese Verbindung in der Kunst durch den Renaissance-Maler Francesco del Cossa. Betrachtet man dessen Gemälde von der Verkündigung Marias, lässt sich am unteren Bildrand eine zwischen dem Erzengel Gabriel und Maria kriechende Weinbergschnecke ausmachen.

Das oben gezeigte Bild stammt aus dem erst kürzlich erschlossenem Pfarrarchiv Zusmarshausen (Pf 287 318) und war Teil eines Liedblatts, das zum Treffen des Pfarrverbands Streitheim am 2. Juni 1996 gedruckt wurde. Hier wird dem Vogel als Sinnbild für das Träumen in die Weite die Weinbergschnecke als der Erde zugehörig und „in beharrlicher Geduld“ des Weges gehend entgegengesetzt. Damit symbolisiert die Schnecke zuletzt auch die irdische Existenz des Menschen.