Am 3. Sonntag im Oktober wird in Bayern der Jahrestag der Kirchweihe gefeiert

Kirchweihsonntag

09.10.2018 17:41

Durch die Kirchweihe wird ein profanes Gebäude dem weltlichen Gebrauch entzogen und in besonderer Weise als Ort des Gottesdienstes reserviert, in den Dienst des göttlichen Kultes gestellt, ja zum Ort der Gottesnähe, zum „Haus Gottes“ selbst. Die Kirche wird gleichsam zu einem „Himmel im Kleinen“, da Gott seinen Wohnsitz in ihr genommen hat und auch die Heiligen dort ihren Ort haben: nicht nur versinnbildlicht durch Heiligenbilder, sondern auch durch die Reliquien von Märtyrern und anderen Heiligen, die unter dem Altarstein bestattet werden.

"Zachäus" an der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Weilheim/Obb.

Der Ritus der Kirchweihe ist dem Sakrament der Taufe nachgebildet: So wie ein Mensch durch die Taufe zum Gotteskind wird, so soll das Gebäude durch die Weihe zu einer Kirche werden. „Kirche“ kommt von „kyriaké“ und bedeutet: „zum Herrn gehören“. Der Getaufte und das geweihte Kirchengebäude gehören also fortan dem göttlichen Herrn Jesus Christus. Und dies geschieht bei beiden mithilfe feierlicher Gebete, Verwendung von Weihwasser, Salbung mit Chrisam und anderen Riten.

Der Ritus der Weihe einer Kirche ist sehr eindrucksvoll: Der Bischof und die Gläubigen ziehen in Prozession zur Kirche; der Bischof zeichnet mit seinem Bischofsstab ein Kreuz auf die Türschwelle und ruft dabei die Allerheiligste Dreifaltigkeit an. Die Gläubigen, aber auch die Wände der Kirche werden zum Zeichen der inneren Reinigung mit Weihwasser besprengt: nichts Böses soll an diesem heiligen Ort Platz haben. Die Gläubigen erneuern das Taufbekenntnis, um so die Kirche zu einem Ort des Glaubens zu machen. In der Allerheiligenlitanei werden die Patrone der Diözese, der Kirche und des Ortes sowie der Heiligen, deren Reliquien bestattet werden sollen, angerufen, gleichsam um sie herbeizurufen, damit sie immer in der Kirche präsent sind und von den Gläubigen als Fürsprecher angerufen werden können. Danach werden die Heiligenreliquien unter dem Altartisch beigesetzt.

Da eine Kirchweihe stets auch mit einer Altarweihe verbunden ist, wird der Altar mit Weihwasser besprengt und der gesamte Altartisch mit Chrisam gesalbt – so wird der Altar zum Zeichen für Christus, den Gesalbten. Und auch die Wände der Kirche werden an den zwölf Apostelsäulen mit Chrisam gesalbt; denn die Apostel, alle Heiligen und alle Gläubigen sind ebenfalls „Christen“, das heißt Gesalbte. Dann wird Weihrauch mit Wachs auf dem Altar verbrannt, zum Zeichen des Opfers Christi und des Gebetes des Gottesvolkes, das zum himmlischen Vater emporsteigen soll. Es folgt dann das eigentliche Weihegebet, mit dem die Kirche für immer dem Herrn geweiht wird. Nachdem alle Lichter am Altar und in der Kirche festlich entzündet sind, feiert der Bischof am neugeweihten Altar zum ersten Mal die Eucharistie.

Wie jeder Getaufte seinen Taufnamen hat, so erhält auch die Kirche bei der Weihe ihren Namen, ihren Titel: den des dreifaltigen Gottes oder einer der drei göttlichen Personen oder den Namen eines Engels oder eines Heiligen. Und wie jeder Getaufte Namenstag hat, so feiert auch jede Kirche ihr jährliches Patrozinium als Namensfest.

Und wie jeder Christ seinen Tauftag hat, so hat auch jede Kirche ihren individuellen Kirchweihtag, an dem jährlich die Kirchweihe als Hochfest begangen wird. In allen Kirchen werden darüber hinaus auch der Weihetag der Kathedrale (Fest im Bistum Augsburg am 28. September) und die Weihetage der vier römischen Patriarchalbasiliken gefeiert: der Lateranbasilika als „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises“ (Fest am 9. November), der Basiliken St. Peter und St. Paul (nichtgebotener Gedenktag am 18. November) sowie der Basilika Santa Maria Maggiore (nichtgebotener Gedenktag am 5. August).             

In früheren Zeiten war man sich noch mehr bewusst als heute, dass die Weihe einer Kirche eine außergewöhnliche und besondere Angelegenheit ist: die Übergabe des Gebäudes an Gott zum Zweck, dass er selbst dort gegenwärtig ist („Gotteshaus“) und der gottesdienstliche Kult zu seiner Anbetung und zum Heil der Menschen vollzogen wird. Daher wurde der alljährliche Jahrestag der Kirchweihe allerorten besonders festlich begangen. Man feierte allerdings nicht nur mit Gottesdiensten, sondern beging die Kirchweihe acht Tage lang („Kirchweihoktav“) auch in weltlicher Form bei der „Kirweih“ oder „Kir-Mess“ (Kirmes) als Volksfest mit üppigem Essen und Trinken, Tanz und anderen Volksbelustigungen.

Da es in früheren Zeiten aufgrund dessen zuviel wurde mit all den Kirchweihfesten in Städten und Dörfern, an denen auch die Bewohner der Nachbargemeinden fleißig teilnahmen und die Arbeit ruhen ließen, führte man vor über 100 Jahren in den bayerischen (Erz-)Bistümern einen zentralen Festtag ein. Seitdem wird am 3. Sonntag im Oktober der Kirchweihsonntag als allgemeiner Kirchweihtag für sämtliche Kirchen in Bayern begangen.

Allerdings gilt dieser zentrale Kirchweihsonntag mittlerweile nicht mehr für alle Kirchen. Vielmehr betrifft er heute nur noch diejenigen Kirchen, von denen man den Weihetag nicht mehr kennt – in allen anderen Kirchen ist nach liturgischer Ordnung am 3. Oktobersonntag der gewöhnliche Sonntag im Jahreskreis liturgisch zu feiern. Den Kirchweihsonntag der betreffenden Kirche aber hält man überall dort, wo man den Weihetag noch kennt, am tatsächlichen Jahrestag der Weihe bzw. dem darauffolgenden Sonntag.

Und erkennen kann man den Kirchweihsonntag auch sehr gut von außen: Denn dann hängt der sogenannte „Zachäus“, die rote Fahne mit weißem Kreuz, vom Turm der Kirche. Ihren Namen erhielt die Fahne vom Evangelium des Kirchweihsonntags (Lk 19,1-10); dann wird nämlich die Geschichte des Zöllners Zachäus erzählt, der auf einen Baum stieg, um Jesus zu sehen.

Dr. Peter C. Düren

Bild: "Zachäus" an der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Weilheim/Obb.
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