Die Glasarche

Sie ist da!

Da ist sie nun, die Glasarche! Ein Boot aus Glas. Und mehr als das: nicht einfach ein Boot! Sonst hieße es: Glas-Boot. Sie heißt aber Glas-Arche. Arche, das war der ›Kasten‹ Noachs (Gen 6-8). Damit überstanden die Geschöpfe der biblischen Urgeschichte eine große Flut. Und hier? Hier gleitet diese Glasarche aus einer übergroßen, hölzernen Hand auf die grüne Wiese, – mitten in der Stadt, unmittelbar vor dem Dom. – Sie ist da. – Und konfrontiert uns allesamt, jeden und jede, die des Weges kommen – ja, womit? Mit uns selbst, mit unseren Wünschen und Ängsten! Man setze sich ihr aus und folge den eigenen Assoziationen: ein Flüchtlingsboot, ein Mahnmal der Brüchigkeit menschlicher Existenz, ein Aufruf zur gesellschaftlichen Selbstbesinnung? Ist es schon oder noch nicht zu spät ...

Sommers wie winters tourt die Glasarche durch Deutschland und das benachbarte Ausland. Als Kunstwerk ist sie mitten in der Natur ebenso anzutreffen wie auf Plätzen in Stadtzentren und vor historischen Sehenswürdigkeiten. Schon die Materialkombination ist Programm: hier der natürliche Werkstoff Eichenholz, dort das aufwändig herzustellende Kunstprodukt Glas. Natur und Zivilisation, Schöpfung und Mensch stehen heute mehr als je zuvor in provozierend-herausfordernder Spannung. Offenbart menschliche Zivilisation ihre Fragilität immer dann, wenn sie sich gewollt oder ungewollt von der Natur löst?

 

Schließlich die Gestaltung: Ist die hölzerne Hand Ausdruck für Verantwortung und Schutz, entlässt sie Leben in seine Selbstständigkeit? Drückt das Boot, die Arche, Hoffnung auf Rettung aus Klimakatastrophe und Erderwärmung aus oder appelliert es an die Solidarität all jener, die gemeinsam im gleichen Boot sitzen, – oder beides, oder noch Anderes?

 

Lassen Sie Ihren Assoziationen freien Lauf! Ein modernes Kunstwerk steht vor Ihnen. Es bedarf Ihrer Deutung, es wartet nicht auf seine Enträtselung. Die Betrachtenden vollenden das Kunstwerk, das Kunstwerk nimmt Anteil an den Betrachtenden. Leben gewinnt Tiefe ...

 

Jetzt ist sie da und bleibt bis zum 9. August 2021. – Sie ist da und wartet. Wartet auf die Betrachtenden, gewinnt an Schärfe, wird fordernd. Zum Zeitpunkt des Augsburger Friedensfestes etwa: Sie wird daliegen, uns eindringlich mustern und bitten, unseren Frieden zu machen – mit allem, was uns am Herzen liegt.

 

Die Idee zu diesem handwerklich anspruchsvollen Kunstwerk entwickelten Ronald Fischer aus der Glasstadt Zwiesel und der Glasbläser Hubert Stern. Sie fertigten in den Jahren 2003/04 die erste Glasarche an: Damals sollte die Zerbrechlichkeit der Natur durch das ungewöhnliche Material versinnbildlicht werden, der Rückgriff auf die biblische Sintflut-Erzählung Hoffnung auf Rettung zum Ausdruck bringen. Als im Jahr 2004 aufgrund eines Vorschlags von Vladimír Silovský (Nationalparkverwaltung Šumava / Tschechien) die Glasarche obendrein um eine geöffnete Hand aus Eichenholz ergänzt wurde, gewann das Ensemble enorm an Vielschichtigkeit.

 

Unsere, nunmehr in Augsburg angekommene Glasarche ist bereits die dritte ihrer Art. Auf Initiative von Rainer Helms und im Auftrag des Landschaftspflegevereins Mittleres Elstertal e.V. / Sachsen-Anhalt produziert, ist die Glasarche 3 seit 2016 on tour. Das großzügige Angebot von Rainer Helms, mit der Glasarche nach Augsburg zu kommen, wurde vom Bistum Augsburg sehr gerne angenommen. Mit der Zustimmung von Frau Oberbürgermeisterin Eva Weber konnte zudem ein geeigneter Aufstellungsort im öffentlichen Raum gefunden werden.

 

Der Bischof von Augsburg, Dr. Bertram Meier, und Frau Oberbürgermeisterin Eva Weber begrüßen den Aufenthalt der Glasarche in Augsburg ausdrücklich und werden sich dazu auch in einer gesonderten Veranstaltung äußern.

 

Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Gerda Riedl, Bischöfliches Ordinariat Augsburg, HA VI, Tel. 0821/3166-6001