Deutsche Päpste

Bislang kamen sieben Päpste aus Deutschland; mit Benedikt XVI. ist nun der achte Deutsche Nachfolger des heiligen Petrus.

Gregor V. (996 - 999)

Der erste deutsche Papst war Gregor V. Der als Bruno von Kärnten geborene Gregor kam am 3. Mai 996 im Alter von gerade mal 24 Jahren an die Spitze der katholischen Kirche. Gregor nutzte dabei Beziehungen aus: König Otto III., der ihn ernannte, war ein Verwandter. Im Gegenzug revanchierte sich der junge Papst noch im selben Jahr damit, daß er Otto zum Kaiser krönte.
Viel Glück bescherte ihm dies allerdings nicht: Der mit ihm unzufriedene römische Adel nutzte 997 eine kurze Abwesenheit Gregors, um einen Gegenpapst zu küren. Erst mit Hilfe Ottos III. konnte er 998 aus Pavia nach Rom zurückkehren. Nur wenig später, wahrscheinlich am 18. Februar 999, starb Gregor an den Folgen einer Malaria.

Clemens II. (1046 - 1047)

Von einem ähnlichen Handel wie zwischen Gregor und Otto profitierten auch die ab 1046 folgenden fünf deutschen Päpste. So machte zunächst König Heinrich III. den Niedersachsen Suitger, Graf von Morsleben und Hornburg, 1046 zu Papst Clemens II. Dieser krönte daraufhin Heinrich zum Kaiser. Clemens starb bereits ein Jahr später; Spekulationen zufolge wurde er vergiftet. Sein Grab im Bamberger Dom ist das einzige Papst-Grab nördlich der Alpen.

Damasus II. (1048 - 1048)

Heinrich III. ernannte im Folgenden auch die deutschen Päpste Damasus II., Leo IX. und Victor II. Während Damasus nur 24 Tage nach seiner Wahl im Juli 1048 starb und keine Spuren in der Kirchengeschichte hinterließ, ...

Leo IX. (1049 - 1054)

... ist Leos Amtszeit von 1049 bis 1054 bis heute spürbar. Der heilig gesprochene Reformpapst schuf das Kardinalskollegium. Dies ist das höchste Beratungsgremium der Kirche, bis zu seiner Wahl zum Papst stand Kardinal Ratzinger an dessen Spitze. Leo zentrierte auch die kirchliche Macht, in dem er den Bischof von Rom zum alleinigen Oberhaupt der Kirche erklärte. Gleichzeitig steht Leo aber für die Spaltung der römisch-katholischen Kirche von den Orthodoxen. Am 16. Juli 1054 veröffentlichte der Papst infolge anhaltender Machtkämpfe mit dem Patriarchen von Byzanz eine Bannbulle, die zur Trennung von westlicher und östlicher Kirche führte.

Victor II. (1055 - 1057)

Victor II. setzte die innerkirchlichen Reformen seines Vorgängers fort und sorgte damit auch dafür, daß sich das von Leo IX. angeordnete Zölibat der Priester in der kirchlichen Praxis verfestigte. 500 Jahre später wurde es beim Konzil in Trient endgültig festgeschrieben.
Ansonsten war Victor eher ein politischer Papst, der nach dem Tod Heinrich III. dessen erst sechsjährigem Sohn Heinrich IV. auf den Kaiserthron verhalf. Mit Victor endete auch die Periode der deutschen Päpste, die vom Vorrecht des alleinigen Papstwahlrechts des deutschen Kaisers profitierten.

Stephan IX. (1057 - 1058)

Stephan begleitete Kardinal Humbert von Silva Candida 1054 auf die Gesandtschaft nach Konstantinopel, während der es zum Abendländischen Schisma kam. Nach dem Tod Viktors II. wurde Stephan, der Bruder Herzog Gottfried (des Bärtigen) von Lothringen, gegen seinen Willen zum Papst gewählt und am 3. August konsekriert. Die ohne Absprache mit dem deutschen Hof erfolgte Wahl erhielt nachträglich die (in ihrer Gültigkeit umstrittene) Zustimmung der Kaiserin Agnes. St. bemühte sich wie seine Vorgänger um die Kirchenreform, insbesondere setzte er sich für die Durchsetzung des Zölibats und den Kampf gegen die Simonie ein. Trotz seines kurzen Pontifikats zählt St. neben Leo IX. und Nikolaus II. zu den entscheidenden "Protagonisten" der frühen Kirchenreform.

Hadrian VI. (1522 - 1523)

Der bis zum Jahre 2005 letzte deutsche Papst war Hadrian VI. Der in Utrecht geborene Sohn eines deutschstämmigen Zimmermanns wurde wegen seiner politischen Verdienste und seines vorbildlichen Lebens in Abwesenheit zum Papst gewählt.
Seine von 1522 bis 1523 andauernde Amtszeit von 22 Monaten war dennoch eine unglückliche: Hadrian mußte sich mit den Herausforderungen der Reformation durch Luther auseinander setzen und mit dem Krieg der christlichen Länder gegen die Türken. Die Römer begegneten ihm zudem mit tiefer Abneigung, da sie einen italienischen Papst wollten.
Hadrian, der wegen seiner Herkunft in einigen Quellen auch als niederländischer Papst gilt, blieb denn auch fast ein halbes Jahrtausend der letzte Nicht-Italiener auf dem Stuhl Petri. Erst Johannes Paul II. (1978-2005) beendete die fast zur Regel gewordene Wahl italienischer Kardinäle.

Benedikt XVI. (2005 - 2013)

Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) ist am 16. April 1927 (einem Karsamstag) in Marktl am Inn geboren worden. 1951 wurde er zum Priester geweiht. Als Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie lehrte er in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. Am Zweiten Vatikanischen Konzil nahm er als theologischer Berater teil. 1977 wurde er Erzbischof von München und Freising und empfing die Kardinalswürde. 1978 nahm er an der Wahl der Päpste Johannes Paul I. und Johannes Paul II. teil. 1981 ernannte ihn der Papst zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre.

Am 19. April 2005 wurde er zum Papst gewählt. Er verfasste während seiner Amtszeit drei Enzykliken - im Jahr 2006: Deus caritas est („Gott ist Liebe“), 2007: Spe salvi („Auf Hoffnung hin [sind wir] gerettet“), 2009: Caritas in veritate („Die Liebe in der Wahrheit“) sowie zahlreiche Apostolische Schreiben.

Dreimal besuchte er Deutschland (2005 zum Weltjugendtag in Köln, 2006 Altötting und Regensburg, 2011 Berlin, Erfurt, Etzelsbach und Freiburg). Insgesamt absolvierte der Papst 24 Auslandsreisen.

Am 07.07.07 gab Benedikt XVI. durch das Motu proprio "Summorum pontificum" der bis 1965 zelebrierten Form der Messfeier als "außerordentlicher Form des Römischen Ritus" wieder dauerhaft Heimatrecht in der Kirche.

Am 11. Februar 2013 gab Benedikt XVI. während eines Konsistoriums bekannt, zum 28. Februar 2013, 20 Uhr (MEZ) „auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, […] zu verzichten“. Er sei „zur Gewissheit gelangt“, dass seine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet seien, „um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“. Zum ersten Mal, seit Gregor XII., Benedikt XIII. und Johannes XXIII. durch das Konzil von Konstanz 1414–1418 ihre Ämter verloren, schied damit ein Papst nicht durch Tod aus dem Amt. Aus eigener Entscheidung hatte dies zuletzt 1294 Coelestin V. getan.

Seine Heiligkeit, der emeritierte Papst Benedikt XVI., verbringt seinen Lebensabend im früheren Kloster Mater Ecclesiae innerhalb des Vatikans. Er empfängt Besuche, tritt aber nur noch selten in der Öffentlichkeit auf, so z.B. beim ersten öffentliche Konsistorium (Versammlung der Kardinäle) seines Nachfolgers Papst Franziskus am 22. Februar 2014 im Petersdom und am 27. April 2014 anlässlich der Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. durch Papst Franziskus auf dem Petersplatz.

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