Fastenzeit - früher und heute

Nach dem Vorbild Jesu Christi, der vierzig Tage lang in der Wüste gefastet hat, bevor er sein öffentliches Leben begann, haben auch die Christen von Anfang an Zeiten des Fastens eingehalten, getreu dem Worte Jesu: „Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; dann werden sie fasten“ (Mt 9,15).

Frühere Fastenordnung

Früher sahen die Regeln für die Fastenzeit viel strenger aus als heute. In der Fastenordnung für die Bistümer des Deutschen Reiches aus dem Jahre 1930 wurde beispielsweise folgendes festgelegt:

An Fasttagen durfte man nur einmal am Tag eine volle Mahlzeit halten und musste sich am Morgen und Abend mit einer kleinen Stärkung begnügen. An den Abstinenztagen hatte man sich jeglicher Fleischspeisen zu enthalten. Eier und Milch, Schmalz, Grieben und Kunstbutter waren hingegen erlaubt. Auch Fleischbrühe durfte man (außer am Karfreitag) zu sich nehmen.

Als Fast- und Abstinenztage wurden festgelegt:

  • der Aschermittwoch
  • die Freitage der 40-tägigen Fastenzeit
  • der Karsamstag bis 12 Uhr Mittag
  • die Freitage der vier jährlichen Quatemberwochen .

Bloße Fasttage waren darüber hinaus:

  • die übrigen Wochentage der vierzigtägigen Fastenzeit
  • die Mittwoche und Samstag der vier jährlichen Quatemberwochen
  • die Vigiltage vor Weihnachten, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen.

Bloße Abstinenztage waren alle Freitage außerhalb der Fasten- und der Quatemberzeit.

Das Fasten- und Abstinenzgebot entfiel an Tagen, die als Feiertage begangen wurden.

Vom Fastgebot waren diejenigen ausgenommen, die jünger als 21 oder älter als 59 Jahre alt waren sowie alle, die schwere Arbeit leisten mussten oder eine schwache Gesundheit hatten.

Vom Abstinenzgebot waren diejenigen befreit, die jünger als 7 Jahre oder wegen Krankheit oder Armut entschuldigt waren. Erlassen wurde die Abstinenz (mit Ausnahme des Karfreitags) auch für Wanderer, Reisende, Fahrpersonal von Verkehrsmitteln, Wirte, Gaststättenbesucher, Personen in nichtkatholischen Haushalten, Militärangehörige und deren Familien, Schwerarbeiter und diejenigen, die sich ihre Kost für den ganzen Tag auf ihre Arbeitsstelle mitnehmen mussten.

Im Einzelfall konnten die Pfarrer und Beichtväter Dispense (Ausnahmegenehmigungen) vom Fasten- und Abstinenzgebot erteilen.

Die Gläubigen wurden angehalten, „sich freiwillig kleinere Abtötungen aufzuerlegen“, eifrig das Gebet zu pflegen, insbesondere in Fastenandachten und Familiengebet, sowie ein Fastenalmosen zu entrichten.

Außerdem galten die Fastenzeit sowie die Adventszeit als „geschlossene Zeiten“, in denen feierliche Hochzeiten, „geräuschvolles Festgelage“ und Tanz verboten waren; erlaubt waren nur „stille Trauungen“. Es galt streng: „Verboten sind in der geschlossenen Zeit öffentliche Lustbarkeiten und Tanzvergnügungen. Auch von privaten Veranstaltungen dieser Art sich zu enthalten, ist Wunsch und Mahnung der Kirche“ (Amtsblatt Diöz. Augsburg 1930, S. 52-54).

Heutige Fastenordnung

Katholiken von heute sind nach wie vor „aufgrund göttlichen Gesetzes gehalten, Buße zu tun“ (c. 1249 CIC). Die Kirche hat ihre strengen Vorschriften jedoch drastisch eingeschränkt und die Fast- und Abstinenztage deutlich reduziert.

Die Kirche schreibt den Gläubigen auch nicht mehr detailliert vor, auf welche Weise sie fasten oder büßen sollen. Es heißt nur noch allgemein, dass sie sich an diesen Tagen „in besonderer Weise dem Gebet widmen, Werke der Frömmigkeit und der Caritas (Nächstenliebe) verrichten, sich selbst verleugnen, indem sie die ihnen eigenen Pflichten getreuer erfüllen“ und auf eine nicht näher festgelegte Form fasten sollen.

Das Fastengebot verpflichtet alle Erwachsenen bis zum vollendeten 59. Lebensjahr. Kinder und Jugendliche sollen nach dem Willen der Kirche langsam an das Verständnis der Buße herangeführt werden.

Auch die Abstinenztage (Enthaltung von Fleischspeisen) wurden verringert: auf den Aschermittwoch und den Karfreitag. Zur Abstinenz sind alle Gläubigen ab 14 Jahre verpflichtet.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat ergänzend festgelegt: „Der katholische Christ beschränkt sich am Aschermittwoch und am Karfreitag auf eine einmalige Stärkung sowie eine kleine Stärkung zu den beiden anderen Tischzeiten (Fasten) und verzichtet auf Fleischspeisen (Abstinenz) … Entschuldigt ist, wer durch Krankheit, auf Reisen, am fremden Tisch oder durch schwere körperliche Arbeit am Fasten oder an der Abstinenz gehindert ist.“

Als Freitagsopfer schlagen die deutschen Bischöfe vor: „Verzicht auf Fleischspeisen, spürbare Einschränkung im Konsum, Hilfeleistung für den Nächsten.“ (Amtsblatt Diöz. Augsburg 2002, S. 18-22).

Als Bußtage gelten heute nur noch die Freitage des Jahres sowie die Tage der österlichen Bußzeit.

Resümee

Insgesamt kann man sagen, dass die Kirche die Gläubigen heute weniger streng zum Fasten und zur Abstinenz verpflichtet als früher. Der Aufruf zur Buße muss jedoch von jedem Gläubigen gehört werden: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). Die Haltung der Buße, so schreibt Bischof Konrad Zdarsa, „soll das gesamte Leben des Christen prägen. Sie verdeutlicht, dass wir stets aufs neue der Gnade Gottes bedürfen, um in Frieden mit Gott, mit den Mitmenschen und mit uns selbst leben zu können.“

Dr. Peter C. Düren