Interkommunion

Gerade, wenn der eine Ehepartner katholisch und der andere nicht katholisch ist (konfessionsverschiedene Ehe), taucht die Frage auf, ob der nicht katholische Partner beim gemeinsamen Besuch der katholischen Messfeier auch das Sakrament der Eucharistie empfangen darf. Bereits bei der Trauung stellt sich die Frage, ob der nichtkatholische Partner die Kommunion empfangen darf. Diesbezügliche Anfragen an uns erfordern eine Klarstellung.

Manche meinen darüber hinaus, die Ökumene, die volle Gemeinschaft der Christen in der einen Kirche Jesu Christi, werde dadurch bewirkt, dass alle Christen unterschiedslos in allen katholischen, orthodoxen oder evangelischen Kirchen die Eucharistie bzw. das Abendmahl empfangen, also durch die Praxis der Interkommunion.

Aus katholischer Sicht hängt der Sakramentenempfang jedoch eng mit der Kirchengliedschaft zusammen, so dass die Grundregel gilt:

„Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern“ (can. 844 § 1 CIC).

Orthodoxe Kommunion für einen Katholiken? – Bedingtes Ja.

Jetzt kann aber der Fall auftreten, dass ein Katholik nicht die Möglichkeit hat, einen katholischen Sakramentenspender aufzusuchen. Zu denken ist beispielsweise an einen katholischen Urlauber in Griechenland, der am Sonntag zur Kommunion gehen möchte, aber keine katholische Kirche finden kann. In einem solchen Fall kann der Katholik – aus katholischer Sicht – die Eucharistie von einem orthodoxen Geistlichen empfangen, sofern er nicht dadurch einen Akt gegen den Primat des Papstes setzen will, der von den orthodoxen Kirchen nicht anerkannt wird. Allerdings sollte er vor dem Sakramentenempfang den orthodoxen Geistlichen um Erlaubnis fragen und die dortige Regelung beachten.

Aus katholischer Sicht gilt:

„Sooft eine Notwendigkeit es erfordert oder ein wirklicher geistlicher Nutzen dazu rät und sofern die Gefahr des Irrtums oder des Indifferentismus vermieden wird, ist es Gläubigen, denen es physisch oder moralisch unmöglich ist, einen katholischen Spender aufzusuchen, erlaubt, die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung von nichtkatholischen Spendern zu empfangen, in deren Kirche die genannten Sakramente gültig gespendet werden.“ (can. 844 § 2 CIC)

Evangelisches Abendmahl für einen Katholiken? – Nein.

Der Empfang des Abendmahles in einer evangelischen Kirche ist für einen katholischen Christen in jedem Fall untersagt, weil es dort keine Priesterweihe gibt und daher aus katholischer Sicht auch nicht die eucharistische Wandlung vollzogen wird. Brot und Wein können nur von einem gültig geweihten Priester in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden. Evangelische Pfarrer sind zwar von ihrer Kirche zum Pfarramt „ordiniert“, haben aber nicht das Sakrament der Priesterweihe empfangen. Auch die Landesbischöfe besitzen nicht das Sakrament der Bischofsweihe. Nach lutherischem Verständnis gibt es keine Sakrament der Weihe.

Daher haben die „von uns getrennten Kirchlichen Gemeinschaften … nach unserem Glauben vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Unitatis redintegratio 22). Ausdrücklich hat der Papst in der Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ v. 17.04.2003 bekräftigt, dass „ein katholischer Gläubiger nicht die Kommunion in einer Gemeinschaft empfangen [kann], der das gültige Sakrament der Weihe fehlt“ (Nr. 46).

Katholische Kommunion für einen Orthodoxen? – Wenn er will, ja.

Jetzt kann aber der Fall auftreten, dass ein nichtkatholischer Christ, in dessen Kirche die Sakramente der Buße, Eucharistie und Krankensalbung gültig gespendet werden, keinen Amtsträger seiner eigenen Kirche erreichen kann.

Kirchen, die im katholischen Verständnis gültig geweihte Priester und daher auch eine eucharistische Wandlung haben, sind beispielsweise die orthodoxen Kirchen. Ein orthodoxer Christ, der sich in einem bayerischen Dorf aufhält und die Sakramente empfangen möchte, kann bei einem katholischen Priester die Beichte ablegen, die Kommunion empfangen und die Krankensalbung erhalten.

Die Regel lautet:

„Katholische Spender spenden erlaubt die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung Angehörigen orientalischer Kirchen, die nicht die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche haben, wenn diese von sich aus darum bitten und in rechter Weise disponiert sind; dasselbe gilt für Angehörige anderer Kirchen, die nach dem Urteil des Apostolischen Stuhles hinsichtlich der Sakramente in der gleichen Lage sind wie die genannten orientalischen Kirchen.“ (can. 844 § 3 CIC)

Katholische Kommunion für einen Evangelischen? – Nur in Todesgefahr und bei Annahme der katholischen Glaubenslehre über die Sakramente

Einem nichtkatholischen Christen, der nicht zu einer Kirche, sondern einer kirchlichen Gemeinschaft gehört, die nach katholischem Verständnis keine gültig geweihten Bischöfe und daher auch keine gültige Eucharistie haben, dürfen in der Regel die Sakramente der Buße, der Eucharistie oder der Krankensalbung nicht gespendet werden. Davon betroffen sind beispielsweise die „Evangelischen Kirchen“, die keine „Kirchen“ sind, wie die Glaubenskongregation in der Erklärung „Dominus Iesus“ v. 06.08.2000 bekräftigt: „Die kirchlichen Gemeinschaften …, die den gültigen Episkopat und die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, sind nicht Kirchen im eigentlichen Sinn“ (Nr. 17).

In einer „Note“ zum Begriff „Schwesterkirchen“ hat diese Kongregation am 30.06.2000 zudem klargestellt, dass „die universale, eine, heilige, katholische und apostolische Kirche nicht Schwester, sondern Mutter aller Teilkirchen ist“ (Nr. 10). „Schwesterkirchen“ sind demnach ausschließlich „Teilkirchen“, also Bistümer, Patriarchate, Kirchenprovinzen untereinander. So ist beispielsweise das „Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandrien und ganz Afrika“ eine Schwesterkirche des Bistums Augsburg.

Die erwähnte „Note“ stellt aber auch klar: „Schließlich ist zu beachten, dass der Ausdruck Schwesterkirchen im richtigen Sinn gemäß der gemeinsamen Tradition von Abendland und Orient ausschließlich auf jene kirchlichen Gemeinschaften angewandt werden kann, die den gültigen Episkopat und die gültige Eucharistie bewahrt haben“ (Nr. 12). Dies trifft aber beispielsweise auf die „Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern“ und die meisten der im „Ökumenischen Rat der Kirchen“ zusammengeschlossenen mehr als 340 „Mitgliedskirchen“ nicht zu, da ihnen gültig geweihte Bischöfe und demzufolge die gültige Eucharistie fehlen.

Für den Eucharistieempfang eines nichtkatholischen Christen, der einer solchen „kirchlichen Gemeinschaft“ angehört, die keine gültig geweihten Bischöfe und keine gültige Eucharistie haben, gibt es allerdings eine Ausnahme:

„Wenn Todesgefahr besteht oder wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage dazu drängt, spenden katholische Spender diese Sakramente erlaubt auch den übrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht aufsuchen können und von sich aus darum bitten, sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind“ (c. 844, § 4 CIC).

Richtig disponiert, d.h. mit der rechten inneren Haltung ausgestattet, ist ein nichtkatholischer Christ aber nur, wenn er die katholischen Glaubenslehren über diese Sakramente annimmt, also z.B. dass ausschließlich ein gültig geweihter Priester Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandeln kann. Darauf hat der Papst eigens in seiner Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ aufmerksam gemacht: „Die Ablehnung einer oder mehrerer Glaubenswahrheiten über diese Sakramente, etwa die Leugnung der Wahrheit bezüglich der Notwendigkeit des Weihepriestertums zur gültigen Spendung dieser Sakramente, hat zur Folge, dass der Bittsteller nicht für ihren rechtmäßigen Empfang disponiert ist.“ (Nr. 46).

Insgesamt heißt das, dass ein evangelischer Christ die katholische Kommunion nur dann empfangen darf, wenn alle folgenden Punkte erfüllt sind:

  • Todesgefahr oder andere schwere Notlage nach dem Urteil des Bischofs oder der Bischofskonferenz
  • ein Spender der eigenen kirchlichen Gemeinschaft ist nicht erreichbar
  • der Empfänger bittet von sich aus um die Sakramente (der Buße, Eucharistie, Krankensalbung)
  • der Empfänger bekundet den Glauben in bezug auf diese Sakramente, d.h. wahrhafte, wirkliche und wesenhafte Gegenwart Jesu Christi unter den Gestalten von Brot und Wein; Notwendigkeit, dass nur ein gültig geweihter Priester Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi wandeln kann, etc.
  • der Empfänger ist recht disponiert (übernatürlicher Glaube an die Wirkung der Sakramente, bei Eucharistie: Freisein von schwerer Sünde; bei Buße: Reue).

Nur wenn alle diese Punkte erfüllt sind, kann ein evangelischer Christ die katholische Kommunion erlaubterweise empfangen. Dann allerdings ist er dem Geiste nach bereits katholisch und muss sich fragen, ob er danach noch das evangelische Abendmahl empfangen kann, da er ja bekundet zu glauben, dass zur Gültigkeit der Eucharistie ein geweihter Priester erforderlich ist. Sobald ein Lutheraner die katholischen Glaubenslehren über die Sakramente bekennt, steht er im Widerspruch zur lutherischen Lehre, nach der es kein Weihepriestertum gibt. Wenn ein Lutheraner also die Voraussetzungen für den Empfang der katholischen Eucharistie erfüllen würde, wäre er eo ipso kein bekennender Lutheraner mehr.

Normalerweise ist es also nicht möglich, dass ein evangelischer Christ die katholische Kommunion empfängt. Die orthodoxen Kirchen kennen aber einen sehr schönen Brauch. Diejenigen Gläubigen, die aus verschiedenen Gründen nicht die Kommunion empfangen können, weil sie nicht entsprechend disponiert sind, treten mit über der Brust verkreuzten Armen zum Priester. Dieser spendet ihnen dann nicht die Kommunion, sondern den Segen. Auf diese Weise wird deutlich, dass der betroffene Gläubige von Gott angenommen ist, auch wenn er leider nicht in der Lage ist, die Kommunion zu empfangen. Dies scheint mir ein pastoral gut gangbarer Weg zu sein, der einerseits den kirchenrechtlichen Normen treu ist, andererseits aber auch niemanden aus der Gemeinschaft ausschließt. Vielleicht wäre dieser Weg auch in dem von Ihnen genannten Fall denkbar.

Trauung von Katholiken und Nichtkatholiken – ohne Messe

Weil es dem katholischen Amtsträger nicht erlaubt ist, einem evangelischen Christen außerhalb von Todesgefahr die Kommunion zu spenden, gilt, dass die Trauung zwischen Katholiken und nichtkatholischen Christen außerhalb der Messe stattfinden soll. Nur mit Erlaubnis des Bischofs darf die Trauung in einer Messe vorgenommen werden, wobei allerdings die genannten kirchenrechtlichen Normen bzgl. des Eucharistieempfangs einzuhalten sind:

„Bei einer Trauung zwischen einem Katholiken und einem getauften Nichtkatholiken soll der Ritus der Trauungsfeier ohne Messe genommen werden …; gegebenenfalls kann mit Zustimmung des Ortsordinarius der Ritus innerhalb einer Messe … genommen werden; bezüglich einer Zulassung des nichtkatholischen Teils zur Kommunion sind die für solche Fälle vorgesehenen Normen einzuhalten“ (Rituale Romanum, Praenotanda, Nr. 36, in: Die Feier der Trauung, 2. Aufl. 1992, S. 17).

Das heißt: der evangelische Partner darf die Kommunion nicht empfangen, da ja keine Todesgefahr vorliegt. Und dann dürfte er sie auch nur empfangen, wenn er den katholischen Glauben über die Eucharistie (Weihepriestertum als Voraussetzung für die Eucharistiefeier, Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi) bekennen würde.

Nur pastorale Einzelfälle, keine Interkommunion

In allen genannten Fällen handelt es sich um Einzelfälle bei besonderen Umständen, nicht um eine generelle Praxis von Interkommunion:

"Die Bedingungen für diesen gegenseitigen Empfang sind in Normen festgelegt, und ihre Einhaltung erscheint für die Förderung der Ökumene nötig" (Johannes Paul II., Enzyklika "Ut unum sint" über den Einsatz für die Ökumene, v. 25.05.1995, Nr. 46). Bei einer „Spendung der Eucharistie unter besonderen Umständen und an einzelne Personen, die zu Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften gehören, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen … geht es nämlich darum, einem schwerwiegenden geistlichen Bedürfnis einzelner Gläubiger im Hinblick auf das ewige Heil entgegenzukommen, nicht aber um die Praxis der Interkommunion, die nicht möglich ist, solange die sichtbaren Bande der kirchlichen Gemeinschaft nicht vollständig geknüpft sind“ (Johannes Paul II., Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“, v. 17. 04.2003, Nr. 45).

06.10.2005
Dr. Peter C. Düren