Marienfried - Ereignisse von 1946

Dekret bezüglich der Ereignisse in Marienfried 1946

Auf dringende Bitte der damals verantwortlichen Seelsorger der Gebetsstätte Marienfried habe ich am 15. Oktober 1993 eine Untersuchungskommission eingesetzt mit dem Auftrag, die Ereignisse in Marienfried vom Jahre 1946 einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen und festzustellen, ob diesen ein übernatürlicher Charakter zugesprochen werden kann.

Diese Kommission verabschiedete am 1. September 1998 einen umfangreichen abschließenden Bericht. Dieser basiert

1. auf der Prüfung des gesamten einschlägigen Aktenbestandes des Bischöflichen Ordinariates Augsburg und aller anderen kirchlichen Institutionen von 1946 bis in die unmittelbare Gegenwart;
2. auf der Einvernahme wichtiger noch lebender Zeugen; neben anderen wurden insbesondere angehört

  • die angebliche "Seherin" Frau Bärbl Rehm, geb. Rueß (+1996);
  • der damalige Ortspfarrer Martin Humpf (+1996);
  • dessen Schwester, Frau Anna Humpf;

3. auf den Gutachten von zwei externen, medizinisch qualifizierten Fachleuten, die in der in Frage stehenden Problematik durch einschlägige Publikationen wissenschaftlich ausgewiesen sind.

Ich habe diesen Bericht der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre vorgelegt, um vor meiner Entscheidung ihren Rat zu erfragen. Im Antwortschreiben vom 18. Juni 1999 teilte der Präfekt mit, dass die Kongregation das Ergebnis der Untersuchung "zustimmend zur Kenntnis" genommen habe und der Kommission "für ihre sorgfältige und mustergültige Arbeit Anerkennung und Lob" ausspreche.

Nach gründlichem Studium des Abschlussberichtes erkläre ich in Übereinstimmung mit den Urteilen meiner Vorgänger und gestützt auf die einstimmig beschlossene Empfehlung der Untersuchungskommission:

Es steht nicht fest, dass den Ereignissen von Marienfried aus dem Jahre 1946 ein übernatürlicher Charakter zukommt. Es bleiben ernste Zweifel bestehen, die es nicht erlauben, sie als echtes, übernatürliches Geschehen anzuerkennen.

Daher bestätige ich die Entscheidung meines Vorgängers, Bischof Dr. Josef Stimpfle, vom 8. Juli 1974, insbesondere die Verfügung, dass "in der kirchlichen Verkündigung weder formell noch materiell von 'Erscheinungen' bzw. von einer 'Botschaft' der Gottesmutter in Marienfried gesprochen oder geschrieben werden" darf (Amtsblatt für die Diözese Augsburg 84, 1974, vom 12.07.1974, S. 189-191). Publikationen jedweder Art, die im Widerspruch zu diesem Dekret stehen, dürfen in kirchlichen Räumen weder verkauft noch verteilt werden.

Marienfried wird - so hoffe ich - auch in Zukunft als Schönstatt-Heiligtum und als Gebetsstätte unter dem Patronat Mariens, der "Mutter der Kirche", viele Beterinnen und Beter anziehen. Marienfried ist und bleibt ein Ort des Gebetes, der Verehrung der seligsten Gottesmutter und einer intensiven Seelsorge, in deren Mittelpunkt die Verkündigung des Gotteswortes und die Spendung der Sakramente stehen.

Augsburg, am 20. März 2000, dem Hochfest des heiligen Joseph

Dr. Viktor Josef Dammertz
Bischof von Augsburg

(Amtsblatt für die Diözese Augsburg 110, 2000, vom 30.03.2000, S. 143f)