Zölibat

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) sagt, dass die "Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen" ein Ratschlag aus dem Evangelium ist (daher die Rede von den drei "Evangelischen Räten": Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam):

Biblische Fundierung

Die "Heiligkeit der Kirche [wird] in besonderer Weise gefördert durch die vielfachen Räte, deren Beobachtung der Herr im Evangelium seinen Jüngern vorlegt (133). Darunter ragt die kostbare göttliche Gnadengabe hervor, die der Vater einigen gibt (vgl. Mt 19,11; 1 Kor 7,7), die Jungfräulichkeit oder der Zölibat, in dem man sich leichter ungeteilten Herzens (vgl. 1 Kor 7,32-34) Gott allein hingibt (134). Diese vollkommene Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen wurde von der Kirche immer besonders in Ehren gehalten als Zeichen und Antrieb für die Liebe und als eine besondere Quelle geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt."

133 Zu den Räten im allgemeinen vgl. Origenes, Comm. Rom. X, 14: PG 14, 1275 B. Augustinus, De S. Virginitate 15, 15: PL 40, 403. Thomas v. Aquin, Summa Theol. I-II., q. 100, a. 2C (am Schluß); II-II., q. 44, a. 4, ad 3.

134 Über die Erhabenheit der heiligen Jungfräulichkeit vgl. Tertullian, Exhort. Cast. 10: PL 2, 925 C. Cyprian, Hab. Virg. 3 u. 22: PL 4, 443B und 461 AB. Athanasius (?.), De Virg.: PG 28, 252ff. Johannes Chrysostomus, De Virg.: PG 48, 533ff.

Quelle: Lumen gentium 42

Priestertum und Zölibat

Die Verknüpfung des Zölibates mit dem Priestertum ist aus dogmatischer Sicht nicht zwingend. In den mit Rom verbundenen (unierten) katholischen Ostkirchen dürfen Priester vor der Weihe heiraten. Auch ein evangelischer Pfarrer, der katholisch wird und sich zum katholischen Priester weihen lässt, darf seine Ehe weiterführen.

Aber die Kirche lehrt: "Der Zölibat ist jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen" (Presbyterorum ordinis 16b).

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), das päpstliche Rundschreiben über den priesterlichen Zölibat (1967), die Priesterausbildungsordnung (1970), das neue kirchliche Gesetzbuch (1983) und der Katechismus der Katholischen Kirche (1992) haben daher das Zölibatsgesetz in der Lateinischen Kirche bestätigt. Die Priesteramtskandidaten sollen aber den Zölibat "nicht etwa bloß als Vorschrift kirchlicher Gesetzgebung, sondern als ein kostbares Geschenk Gottes [betrachten und] ... klar den Vorrang der Christus geweihten Jungfräulichkeit erkennen" (Optatam totius 10).

Gründe für den Zölibat

Gründe sind u.a.

  • Verähnlichung mit Christus, der ehelos gelebt hat
  • Zeichenhaftigkeit des Zölibates (von lat. coelum, Himmel) als Verweis auf das Reich Gottes und den Himmel, wo es keine sexuelle Verbindung von Mann und Frau mehr geben wird (Mt 22,30)
  • Charisma, besondere Gnadengabe
  • Askese, d.h. freiwilliger Verzicht, als Teilhabe am Opfer Christi
  • größere Freiheit zum Dienst an den Gläubigen

Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es zum Zölibat:

1579 Mit Ausnahme der ständigen Diakone werden alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirche normalerweise aus den gläubigen Männern gewählt, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat „um des Himmelreiches willen" (Mt 19,12) beizubehalten. Dazu berufen, sich ungeteilt dem Herrn und seiner „Sache" zu widmen [Vgl. 1 Kor 7,32], geben sie sich ganz Gott und den Menschen hin. Der Zölibat ist ein Zeichen des neuen Lebens, zu dessen Dienst der Diener der Kirche geweiht wird; mit freudigem Herzen auf sich genommen, kündigt er strahlend das Reich Gottes an [Vgl. P0 16].

1580 In den Ostkirchen gilt seit Jahrhunderten eine andere Ordnung: Während die Bischöfe ausschließlich unter Unverheirateten ausgewählt werden, können verheiratete Männer zu Diakonen und Priestern geweiht werden. Diese Praxis wird schon seit langem als rechtmäßig erachtet; diese Priester üben im Schoß ihrer Gemeinden ein fruchtbares Dienstamt aus [Vgl. P016]. Übrigens steht der Priesterzölibat in den Ostkirchen sehr in Ehren, und zahlreiche Priester haben ihn um des Gottesreiches willen freiwillig gewählt. Im Osten wie im Westen kann, wer das Sakrament der Weihe empfangen hat, nicht mehr heiraten.

Dr. Peter C. Düren