Die Sporthalle in Herbertshofen ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf den Bodenmarkierungen für Fußball, Volleyball und Basketball stehen Stuhl-und Tischreihen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterhalten sich. Aus der Küche zieht ein leichter Geruch nach Bratfett heraus, auf der Bühne leuchten neongrüne Scheinwerfer drei E-Gitarren an. Ein Band-Konzert am Samstagabend - aber etwas ist anders: Vor der Bühne steht auf einem kleinen Podest ein einfacher Altar, zwei breite Füße, eine Tischplatte. Zwei Kerzen brennen darauf, ein Kelch steht bereit. Heute feiern die rund 300 Besucher zusammen einen besonderen Gottesdienst, in der Region Augsburg in dieser Form einmalig: die Rockmesse 2014.
Statt der Orgel beginnen die E-Gitarren, das Schlagzeug setzt ein. Die Band Elusive Silence startet mit dem englischsprachigen "Come down", und damit alle verstehen, was gemeint ist, arbeitet Pfarrhelferin Carmen Leimer das Thema des Textes anschließend in einem kurzen Gespräch auf: "Es ist eine Ansprache zu Gott: Es ist so schön hier auf der Erde, dass er runter kommen oll, um es sich anzuschauen." Dass ganz und gar nicht alles so schön ist, zeigen einige Ministranten, indem sie eine Nachrichtensendung nachspielen: Nahostkonflikt, unterlassene Hilfeleistung, Prügelattacke in einer U-Bahn-Station. Warum tut Gott nichts gegen das Schlimme in der Welt? Der katholische Regionaljugendseelsorger Pater Christoph Lentz greift das in seiner Ansprache auf. Gott hat seinen Sohn auf die Erde geschickt - und der hat oft "auf den Putz gehauen, wenn man so will", sagt er. Deshalb sei er auch oft angeeckt. Zum Beispiel im anschließenden Evangelium, in der Jesus m Tempel die Wechsler und Händler hinausjagt.In der Predigt bricht Pater Lentz die Bibelstelle auf die heutige Zeit herunter. Er teilt sie auf, in zwei kurzen Texten erklärt er, dass man eingreifen sollte, wenn es nötig ist. "Es sind nicht immer die großen Dinge." Manchmal brauche man nur ein wenig Zivilcourage - wie dieJugendlichen, die in einer gespielten Szene einschreiten, als zwei Jungen ein Mädchen belästigen. Zwischendurch zeigt Elusive Silence, dass in der Rockmesse auch drin ist, was drauf steht. Um den Klassiker "Born to be wild", das Motto der Messe, gruppieren sich weitere Rocksongs, mal lauter, mal leiser. Während das Abendmahl gefeiert wird, begleiten leichtere Gitarrenklänge den Gottesdienst. Im abschließenden Gebet fordert Pater Lentz dazu auf, wild zu werden, wenn es nötig ist. Den Besuchern dankt er für ihre Bereitschaft, sich auf diese ungewöhnliche Messfeier einzulassen. Laute, rockige Klänge und Jesus unter einen Hut zu bekommen, sei nicht immer einfach - "aber es ist wichtig, dass wir Kirche in neue Wege bringen und Gottesdienste in neuen Formen feiern."Die Besucher mögen es, die Rockmesse der Pfarreiengemeinschaft Meitingen findet schon zum dritten Mal statt und viele sind wieder gekommen. So wie Leonie Schönewald aus Erlingen und Lisa Wagner aus Herbertshofen. Den14-Jährigen hat es gut gefallen: "Es ist mal was anderes", sagt Leonie, und Lisa ergänzt: "Das nächste Mal sind wir auf jeden Fall wieder dabei." Auch Andreas Reimann vom Vorbereitungsteam ist zufrieden, er fand besonders die Stimmung im Gottesdienst gelungen: "Bei den lauten Klängen der Band war die Stimmung super, und in den ruhigeren Teilen gab es eine besondere Stille - ich habe richtig gemerkt, wie die Halle mitgegangen ist. "Neben vielen Familien und Jugendlichen sind auch ältere Menschen gekommen, beim anschließenden "Rocktoberfest" mit den Erlinger Musikanten nutzen einige die Möglichkeit zum Austausch. Pater Lentz hat viele positive Rückmeldungen bekommen. Für ihn ist die Rockmesse eine Möglichkeit, die Botschaft Jesu neu zu verpacken und zusätzliche Gruppen anzusprechen: "Es sind einige da, die sonst sonntags nicht mehr so oft den Weg in die Kirche finden".
(Text und Bild: Anika Taiber)