Orgelandacht im Martinsmünster

Willibald Guggenmos - ein Orgelvirtuose mit besonderem Sinn für Klangfarben

20.06.2021 09:34

Es ist sehr erfreulich, dass die Münsterkonzerte und Orgelandachten offensichtlich gerne angenommen werden, denn auch diesmal war der Besuch - trotz des herrlichen Sommerwetters - gut und es scheint sich ein Stammpublikum zu etablieren. Darüber konnten sich vor allem der Veranstalter - für die Münsterpfarrei ist dies Stadtpfarrer Raffaele De Blasi - und der künstlerische Leiter und Kirchenmusiker, Michael Finck, dessen gute Kontakte zu den Gastorganisten die Konzertreihe ermöglichen, freuen.

Einer, der ein besonderes Händchen für die Mischung der Klangfarben auf der Albertus-Magnus-Orgel im Martinsmünster beweisen konnte, ist Willibald Guggenmos, Domorganist von St. Gallen, der am vergangenen Sonntag die Orgelandacht mit brillanten und mitreißenden Werken veredelte.

Für den Zuhörer erweist sich im Kirchenraum oftmals das Pedal schon recht wuchtig, da es im Manual noch etwas an grundigen Registern fehlt, die durch ein Auxiliare-Werk hinzugefügt werden können, so dieses irgendwann einmal die Orgel perfektionieren wird. Das wusste Guggenmos bestens auszugleichen; er ist ein international renommierter Orgelvirtuose, der offensichtlich sofort den richtigen Draht zum Instrument hatte und über Kirchenraum und Orgel ins Schwärmen geriet.

Der aus dem bayrischen Friedberg stammende und in aller Welt anerkannte Konzertorganist ist ein Meister der Technik, genauso reißt er seine Zuhörer vom ersten Akkord an mit. Zahlreiche Konzertreisen in alle Welt sowie Tonträger sind die logische Folge seiner musikalischen Perfektion.

Es gelang Guggenmos auf hervorragende Art und Weise, sensibel mit den Flötenstimmen zu spielen, um über die Koppelung von grundierenden Registern bis hin ins Tutti die Klanggewalt des Instruments zu entfesseln, ohne dass der (Bass-) Klang erschlug.

Inspiriert von Kirchenraum und Orgel glänzte Guggenmos mit Werken von Louis Vierne, Guy Ropartz, Percy Whitlock, Henri Mulet und Siegfried Karg-Eiert durch eben jenes Feingefühl für die Registrierung, aber auch durch atemberaubende Virtuosität und höchste Perfektion. Eine spannende Stunde Orgelmusik erwartete einen da.

Nichts eignet sich besser als die (französische) Orgelsymphonik für diesen Raum und die Albertus-Magnus-Orgel. Mit der Toccata „Tu es Petra“ aus den Esqisses byzantines kam dies deutlich zum Ausdruck.  Stadtpfarrer Raffaele De Blasi nahm das Motto des Titels auf, um die Grundfesten der Kirche, die „unerschütterlich“ seien, zu belegen.

Percy Whitlocks Tonsprache erinnert an Gershwin ebenso wie an Edward Elgar, die Harmonik des frühen 20. Jahrhunderts präsentierte Willibald Guggenmos im fantastisch interpretierten Fantasie-Choral Des-Dur mit seiner schlichten, aber ergreifenden Melodie über einem non Legato-Bass.

Sehr motorisch und aufgewühlt stellte sich das Rondo alla Campanella von Siegfried Karg-Elert dar, das auf Grundlage höchster Virtuosität erklang und sich harmonisch schon in die klassische Moderne richtete, ohne jedoch den tonalen Bezug allzu sehr zu verlieren.

Mit majestätischen Klängen warteten Introduktion und Allegro moderato von Guy Ropartz auf, aufgewühlte Stimmung und Erhabenheit wechseln hier einander klanglich ab.

Die Orgelwerke von Louis Vierne sind in ihrer Virtuosität und farblichen Pracht genau das Richtige für einen hochkarätigen Organisten, wie es Willibald Guggenmos ist, und für ein Instrument, wie es die Lauinger Orgel bietet.

Mit einer Romance und der Hommage an die berühmte Abtei Westminster und deren typischen Glockenschlag kam auch der wohl bekannteste französische Orgelromantiker, Louis Vierne, zu Gehör; gerade die Carillons de Westminster sind sehr gut dazu geeignet, durch ihre bildhafte Tonsprache jeden Hörer mitzureißen. Langanhaltender Applaus für ein grandioses Orgelkonzert.

Das nächste Münsterkonzert findet am Sonntag, dem 18. Juli um 17.00 Uhr mit dem Organisten Pavol Walásek aus Bratislava (Slowakei) statt.

Text: Alexandra Finck