Albertus-Magnus-Orgel

Orgelchronik des St. Martinmünsters zu Lauingen

 

Schon im Jahr 1510 ist eine Orgel im Münster vorhanden. 1576 wird der damals bedeutende Organist und Orgelmacher Jakob Paix in St. Martin angestellt, über die damalige Orgel ist leider nichts bekannt. Kurze Zeit nach seiner Anstellung wird eine Glutpfanne als Heizung für die Pfarrkirchenorgel angeschafft, 1592 baut Paix in diese Orgel zwei neue Register ein. Für diesen Erweiterungsbau verwendet er alte Zinnpfeifen aus Gundelfingen. Im Jahre 1630, inmitten des 30-jährigen Krieges, wird die Orgel von Orgelbauer Mathis Maurer aus Giengen erneuert. Vor den Pfeifen wird ein hölzernes Blumenwerk als eine Art Prospekt angebracht, das der Lauinger Maler Johann Miller vergoldet. Diese Orgel befindet sich unter der Uhr an der Sakristeiwand, dort angebracht wie ein Schwalbennest. Bei einer der letzten Renovierungen des Münsters kommt an dieser Stelle ein Fresko in Form eines großen Vorhanges zum Vorschein, das im Jahr 1521 als Dekor für die kleine Orgelempore entstand. Im Jahre 1765 wird an der Orgel in der Stadtpfarrkirche eine größere Reparatur durch den in der Nähe von Bad Mergentheim wohnhaften Orgelbauer Johann Ludwig Ehrlich vorgenommen. Dessen Vater, Leonard Ehrlich, der in Lauingen das Bürgerrecht erwarb, führt 1772 für 662 Gulden (wahrscheinlich als Neubau) eine gründliche „Orgelerneuerung“ durch. Diese Orgel scheint über 100 Jahre lang gut funktioniert zu haben, da über diesen Zeitraum keinerlei Angaben über die Orgel zu finden sind.

Bei der großen Kirchenrenovierung 1880 muss die Rokoko-Orgel dem Zeitgeist weichen. Die Pfarrei bestellt bei einem der damals renommiertesten Orgelbauer, bei der Firma G. F. Steinmeyer aus Oettingen, eine neue Orgel mit 30 Registern, zwei Manualen und Pedal. Deren Disposition lautet (zum Vergrößern auf das Bild klicken):

Diese Orgel wird 1881 bei der bayerischen Landesausstellung in Nürnberg als Exponat gezeigt, dort abgebaut und 1882 als Opus 225 in Lauingen aufgestellt. Nach der nächsten großen Renovierung der Kirche in den Jahren nach 1950 werden Fresken freigelegt und das Instrument wird einer intensiven Reinigung unterzogen. Darüberhinaus werden einige Register geändert, da das Instrument fast nur aus Holzpfeifen besteht und das Gehäuse den Blick auf den Paradiesbaum verdeckt. Mit der Ausführung der Renovierung wird die Firma Gebrüder Sandtner aus Steinheim beauftragt. Der Prospekt wird von Architekt Thomas Wechs aus Augsburg entworfen. Otto Mittelbach schreibt in seinem Zeitungsbericht von der neuen Orgel: „Der Besucher ist beeindruckt von einem schönen Anblick. Über dem dreifach in die Tiefe gestaffelten Gehäuse mit den weit ausladenden Armen bilden zwei hintereinanderstehende Pfeifenreihen eine silberne Fassade. In schwungvollem Bogen beide Pfeiler miteinander verbindend umrahmt dies den Paradiesbaum. Das helle Holz mit feiner Maserung gibt dazu einen wirkungsvollen Kontrast.“ Die Orgel wird auf drei Manuale mit Pedal und auf 49 Registern erweitert. Außerdem wird sie mit einer damals modernen elektropneumatischen Traktur versehen. Den Spieltisch liefert die Firma Eisenschmid aus München. Weiter schreibt Otto Mittelbach: „Der Orgelbauer stand vor einem großen Problem (....) Man hat damals die Sicht auf das Fresko hinter der Orgel als so wichtig empfunden, dass man das ganze Orgelwerk diesem freien Blick untergeordnet hat. Auf orgelbauliche Notwendigkeiten hat man keine Rücksicht genommen, weder bei der Aufstellung der einzelnen Werke noch auf die Größe des Kirchenraumes.“ Dies hatte zur Folge, dass man die Orgel weder richtig stimmen oder ohne erheblichen Aufwand wichtige Wartungsarbeiten hätte durchführen können (Demontage der Pfeifen oder Teile der Orgel).

Disposition der Orgel in diesem Zustand (zum Vergrößern auf das Bild klicken):

Mit der Zeit stellt sich heraus, dass sich die damals verbaute Elektrik, die Pneumatik und die Anordnung der einzelnen Werke als nicht besonders nachhaltig erweisen. Die Registermagnete fallen aus, und die Sonneneinstrahlung auf der Südseite erwärmt die Pfeifen mehr als die auf der Nordseite. Der Schwellkasten ist zu dünnwandig, der Blasebalg von 1883 porös und nicht mehr dicht. Immer mehr Register fallen aus oder haben Heuler. Der damalige Orgelsachverständige der Diözese Augsburg, Herr Michael Routschka, rät im Jahr 2004 unter Stadtpfarrer Hartmann zu einer umfassenden Renovierung. Kirchenmusiker Michael Finck, der im Jahre 2005 zum Organisten der Pfarrgemeinde berufen wird, wehrt sich gegen eine sogenannte „Reparatur“ der Orgel, die zunächst mit 150.000.- € veranschlagt wird. Nach seiner Überzeugung trägt dies in keiner Weise zu einer vernünftigen, langanhaltenden und wirkungsvollen Verbesserung der Orgelsituation bei. Deshalb empfiehlt er, zunächst Angebote für einen Orgelneubau einzuholen. Der Zustand der Orgel wird von einem der angefragten Orgelbauer als derart schlecht beurteilt, dass die Kirchenverwaltung beschließt, die Orgel wegen der Brandgefahr und statischer Probleme des Prospektes, der sich nach vorne absenkt, stillzulegen. Ein Interimsinstrument des verstorbenen Orgelbauers Markus Riefle (Meisterstück), das vom Kloster Roggenburg mit Hilfe einer privaten großzügigen Spende erworben werden kann, wird im Chorraum untergebracht. Die Orgelüberführung übernehmen kostenlos ehemalige Orgelbauer aus der Pfarrei zusammen mit Kirchenmusiker Finck und der Firma Seybold, die den LKW für den Transport zur Verfügung stellt. Intonateur Martin Gessner stimmt das Instrument und kümmert sich um das Pfeifenmaterial. Dass diese klanglich gewiss sehr schöne, aber dennoch zu kleine „Chororgel“ den Ansprüchen einer dem gewaltigen Raum angemessenen Gemeindebegleitung auf Dauer nicht gerecht werden kann, liegt auf der Hand.

Nachdem die Angebote für einen Orgelneubau bei über einer Million Euro liegen, wird der Gedanke daran schnell verworfen. Dennoch sind sich die Verantwortlichen bewusst, dass eine gute, langanhaltende, sinnvolle Lösung nicht für 150.000,- € zu haben ist. Nach über zehn Jahren Wartezeit wird im Jahr 2017 das „Jahrhundertprojekt Restaurierung“ mit Schwung, Elan, Optimismus und großem Engagement angegangen. Dies ist unter anderem dem großen Engagement des amtierenden Stadtpfarrers Raffaele De Blasi zu verdanken, der mit Verhandlungsgeschick hohe öffentliche Zuschüsse für das Projekt erwirken kann. Der Vertrag über ein Auftragsvolumen von ca. 560.000,- € wird mit der renommierten Orgelbaufirma Siegfried Schmid aus Knottenried bei Immenstadt abgeschlossen. Der Spieltisch wird komplett neu gebaut. Nachdem Herr Dr. Nikolaus Könner, zuständiger Sachbeauftragter des Denkmalamtes, zahlreiche Auflagen erlässt, die eingearbeitet werden müssen, werden drei Bauabschnitte festgelegt:

1. Renovierung des jetzigen Instruments

2. Ergänzung wichtiger Register in einem schwellbaren Auxiliarewerk, das seitlich an der Wand zum Stehen kommen soll (geschätzte Zusatzkosten im Jahr 2018: 160.000,- €)

3. Renovierung des alten Spieltischs (geschätzte Zusatzkosten im Jahr 2018: 32.000,- €)

Das Instrument wird schließlich im Frühjahr 2017 abgebaut und zerlegt. Vom Frühjahr bis zum Herbst 2018 erfolgt der Wiederaufbau. Die Orgelweihe findet zusammen mit der Visitation der Pfarrgemeinde durch den damaligen Augsburger Diözesanbischof Dr. Konrad Zdarsa am Fest des Hl. Martin, am 11. November 2018 statt.

Michael Finck, Kirchenmusiker.