Geschichte

100 Jahre Dienst an Gott und den Menschen
Betrachtungen zur Geschichte des Mesnerverbandes

Der Mesnerverband der Diözese Augsburg konnte am 19. November 2008 auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken - ein stolzes Jubiläum. Ein ganzes Jahrhundert ist es nun her, dass zielstrebige und mutige Männer die ersten Grundlagen für eine Standesorganisation der Mesner schufen. Wenn man die Aufzeichnungen des Gründungsmitglieds Michael Steinherr, ehemaliger Stadtpfarrmesner bei St. Georg in Augsburg, über die Entstehung der Mesnervereinigung zur Hand nimmt, so ersieht man, dass um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gleich mehrmals versucht wurde, eine Berufsorganisation der Mesner zu gründen. Das Vorhaben wurde immer wieder vereitelt, ja die Anführer sogar entlassen. Erst im Jahr 1908 kam die Wende. Papst Pius X. lenkte damals die Geschicke der römisch-katholischen Kirche, Bischof Maximilian von Lingg war gerade der 55. Nachfolger des heiligen Ulrich auf dem Augsburger Bischofsstuhl, Kaiser Wilhelm II. regierte das deutsche Reich und in Bayern verließ man sich auf den Prinzregenten Luitpold. Ein Reichsvereinsgesetz war erlassen worden, nach dem alle Reichsangehörigen das Recht bekamen, „zu Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, Vereine zu bilden und sich zu versammeln“. Die Wochenarbeitszeit betrug damals übrigens 58 Stunden, ein ungelernter Arbeiter verdiente 50 Pfennig pro Arbeitsstunde, ein gelernter gerade mal zehn Pfennig mehr. Den Mesnerdienst hatte man vom Schuldienst getrennt, so dass die Anstellung und Ausbildung von Berufsmesnern notwendig wurde. In Nürnberg wollten viele nun eine Versammlung der katholischen und evangelischen Kirchenangestellten Bayerns einberufen, doch sie kam nicht zustande. Aus Aufzeichnungen des Augsburger Stadtpfarrmesners von Sankt Georg, Michael Steinherr, geht hervor, dass man sich schließlich gegen einen Zusammenschluss der Kirchenangestellten beider Konfessionen aussprach und vielmehr einen Zusammenschluss der katholischen Mesner in sogenannten Diözesangemeinschaften befürwortete. Eben eine solche wurde dann 1908 in Augsburg gegründet – unterstellt war sie dem bischöflichen Ordinariat.

Die Mesnervereinigung hatte folgende Aufgaben:
1. Hebung des Standesbewusstseins
2. Eintreten für die soziale Sicherstellung
3. Sorge um die Aus- und Weiterbildung der Mesner

In Augsburg waren die Mesner sehr aufgeschlossen, und auch in den anderen bayerischen Diözesen entfaltete sich eine rege Verbandstätigkeit, so dass nach einigen Jahren in Regensburg ein Bayerischer Landesverband gegründet wurde, dessen erster Vorsitzender der Mesner von der Herzogspitalkirche in München wurde. Dieser Landesverband trat jährlich, jedes Mal in einer anderen Diözese, zu einer Generalversammlung zusammen.

Die praktische Tätigkeit des Verbandes erstreckte sich auf die intensive Arbeit innerhalb der Dekanate. Es wurden Dekanatsgruppen gebildet, an deren Spitze ein Geistlicher Beirat stand. Ein Schlichtungsausschuss hatte die Aufgabe, Unstimmigkeiten zwischen Kirchenverwaltung und Mesner zu regeln. Es erschien auch ein Standesorgan, das die Verbindung innerhalb der Diözesangemeinschaften herstellte und zur Aus- und Weiterbildung beitrug.

Der Erste Weltkrieg und die Zeit der Inflation freilich legten die Verbandstätigkeiten still. Doch die Mesner fanden sich danach rasch wieder in ihrer Standesorganisation. Die folgenden Jahre brachten der Diözsanvorstandschaft große und wichtige Aufgaben. Dienstverträge, Altersversorgung und Gehaltsregelungen mussten mit den kirchlichen Behörden getroffen werden. Dann folgten die Jahre des Nationalsozialismus. Im entscheidenden Moment griff hier der Augsburger Bischof Dr. Joseph Kumpfmüller ein, indem er die Mitgliedschaft zum Mesnerverband als einer religiösen Standesorganisation offiziell forderte. Jeder Mesner hatte mit dem Tag seines Dienstantritts diesem Verband anzugehören und wurde somit vor der Mitgliedschaft in der Arbeitsfront bewahrt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Vereinsleben komplett eingestellt. Der Geistliche Beirat, Domkapitular Prälat Johann Ev. Deller, legte sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder, er starb 1941. Sein Nachfolger wurde Studienprofessor Hermann Enzinger, der dieses Amt bis 1960 ausführte. Mit allen Mitteln versuchte dieser, den Verband am Leben zu erhalten. 1948 bestätigte Bischof Joseph Kumpfmüller Dompfarrmesner Richard Binder als neuen Diözesanleiter. Und 1950 erschien erstmals wieder ein Standesorgan, neu gegründet mit dem Titel „DER KATHOLISCHE MESNER“, das in wenigen Jahren zu einer überdiözesanen Schrift wurde. Vom 9. bis 11. Juli 1952 fand in Augsburg gar der Europäische Mesnerkongress statt, ein weiteres Mal kam er Jahre später in die Fuggerstadt. Richard Binder war es denn auch, der in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Mesnerverbände gründete.

Das Vermächtnis, das einst Gründungsmitglied Michael Steinherr den Mesner hinterließ, verpflichtet zur treuen Zusammengehörigkeit in der Standesorganisation der Mesner, damit das von ihm vor einem Jahrhundert begonnene Werk erhalten bleibt und vollendet wird - „zum Wohle des Mesnerstandes, zur Zufriedenheit der Geistlichen, zur Erbauung der Gläubigen und zum Besten der heiligen katholischen Kirche“.