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„Kirche ist jung – wir bauen Gemeinschaft“
Erinnerung an den hl. Bischof Simpert

Hirtenwort zum Simpertjubiläum 2007

24.09.2007 13:30

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder im Glauben! In diesem Herbst feiert die Diözese Augsburg das Gedenken an unseren dritten Bistumspatron, den hl. Simpert. Sein Todesjahr 807 fällt zusammen mit dem Jahr der Weihe des Augsburger Mariendoms durch Bischof Simpert, sodass wir ein geistliches Doppeljubiläum feiern können.

Dieses Doppeljubiläum der Domweihe und des Todestages des Heiligen vor 1200 Jahren sehe ich symbolisch für zwei Schwerpunkte, die mir als Bischof in der Gegenwart wichtig sind: Die geistige Erneuerung unserer Diözese aus der Feier der Eucharistie und das Wohl der Kinder, der Jugendlichen und der Familien. Der Mariendom als Mutterkirche unseres Bistums steht stellvertretend für die vielen hundert Kirchen in unserer Diözese, in denen der auferstandene Christus im Messopfer und im Tabernakel durch all die Jahrhunderte hindurch in unserer Mitte anwesend ist. Die Liebe Gottes, die vom Altar aus immer wieder neu die Wirklichkeit unseres Alltags durchdringt, hat auch den hl. Simpert bewegt, der als Schutzpatron der Kinder, der Kranken und der Familien verehrt wird.

Während die Bedeutung des hl. Ulrich und das Martyrium der hl. Afra in unserer Diözese bei allen Gläubigen im Bewusstsein sind, wird der hl. Simpert zwar als Bistumspatron genannt, sein Wirken für unsere Diözese ist jedoch weniger bekannt. Der hl. Simpert wird dargestellt mit einem Wolf zu seinen Füßen. Die bewegende Legende berichtet, dass ein Wolf einer Mutter das unbeaufsichtigte Kind weggenommen hat und diese dann in ihrer Verzweiflung zum hl. Simpert eilte. Der Bischof konnte durch sein inständiges Gebet die unversehrte Rückgabe des Kindes bewirken. Es ist müßig, nach dem geschichtlichen Kern dieser Legende zu fragen. Eine Tatsache wird jedoch überaus deutlich: Menschen hatten in Not und Bedrängnis ein großes Vertrauen zu ihrem Bischof Simpert. In der heutigen Lesung aus dem Buch Amos haben wir gehört, dass es immer schon Menschen gab, denen es im Leben nur um ihren eigenen Vorteil geht und die andere ausbeuten. Der hl. Simpert hat sich im Gegensatz dazu um das rechte Tun vor Gott und den Menschen bemüht und war dadurch ein glaubwürdiger Zeuge des Glaubens.

Kirche ist jung – wir bauen Gemeinschaft

Das Motto zum Simpertjubiläum und zum Gedenken an 1200 Jahre Mariendom in Augsburg lautet: „Kirche ist jung – wir bauen Gemeinschaft“. Dieses Motto könnte als bloße Behauptung angezweifelt werden. Doch die Aussage des Apostels Paulus in seinem Brief an Timotheus hat Gültigkeit, damals wie heute: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4). Dieser Wille Gottes ist immer zeitgemäß und dadurch gültig für jede Generation. Oft machen wir die Erfahrung, dass wir Menschen anderer Religionen bzw. ohne Konfession begegnen und mit unserem christlichen Glauben herausgefordert sind. Toleranz bedeutet dabei, Anhänger anderer Religionen mit ihrer Überzeugung zu respektieren. Toleranz bedeutet aber keineswegs die eigene Glaubensüberzeugung zu verleugnen oder gar aus Feigheit nicht über den Glauben ins Gespräch kommen zu wollen.

Es ist wichtig zu sehen, dass die Ermutigung des hl. Paulus eine bleibende Begründung hat: Gott ist nicht nur der Schöpfer eines gewaltigen Universums, das für uns kaum durchschaubar ist. Nein! Der unsichtbare Schöpfergott hat sich in einer einmaligen Weise in der Menschwerdung seines Sohnes, in der Liebe und Hingabe des gekreuzigten Jesus von Nazareth und im auferstandenen Christus uns Menschen geschenkt. Wenn Paulus von der „Erkenntnis der Wahrheit“ spricht, so ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen - Jesus Christus - gemeint. Der Schöpfergott stellt sich in der Menschwerdung seines Sohnes rückhaltlos an unsere Seite und ist uns Menschen in allem gleich geworden, ausgenommen die Sünde. Diese Wirklichkeit ist nicht nur einmalig und unvergleichbar mit den Lehren anderer Religionen, sie ist notwendig für das Heil aller Menschen.

Als guter Hirte verkündete der hl. Simpert diese einmalige Botschaft von der Liebe Gottes, die im Tod und in der Auferstehung Jesu für uns Wirklichkeit geworden ist. Er war im besten Sinn „Lehrer im Glauben und in der Wahrheit“. Er scheute sich nicht, gegenüber heidnischen Auffassungen und Religionen den einen und wahren Gott zu verkünden, der uns im geöffneten Herzen Jesu selber sein ganzes Herz schenkt. Daraus ergibt sich damals wie heute, dass Kirche immer jung sein muss, weil diese Botschaft jeder Generation neu und überzeugend verkündet werden will. Das Evangelium konnte den Gläubigen zur Zeit des hl. Simpert und kann auch den Menschen unserer Tage Lebensmut und Hoffnung schenken für die Bewältigung des täglichen Lebens und über den Tod hinaus. Dabei sollten die Verkündigung des Glaubens und die Erfahrungen des täglichen Lebens stets ineinander greifen, eine Symbiose bilden, das heißt eine von der Liebe Gottes schafft nämlich dadurch Gemeinschaft, dass Menschen auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens eine Antwort bekommen, dass kranke, behinderte und verunglückte Menschen nicht allein gelassen werden. Der hl. Simpert ist uns heute noch ein lebendiges Vorbild dafür, wie durch die tätige Liebe aus dem Glauben eine heilsame Gemeinschaft wächst.

Familie als Gemeinschaft der Treue

Liebe Schwestern und Brüder, in jedem Menschen ist die Sehnsucht nach dem anderen, nach dem Du. Vom Anfang seines Lebens an braucht der Mensch die mitmenschliche Beziehung, um dadurch den Wert seines eigenen Daseins zu erfahren. Das Verlangen nach Liebe und Geborgenheit, nach Beheimatung gehört zu unserem Menschsein. Wir alle wissen, dass eheliche Lebensgemeinschaft und Familienbegründung in unserer Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr sind. Unter jungen Menschen mag es durchaus vertrauensvolle Freundschaften und gute Beziehungen geben, aber oft fehlt die Bereitschaft zu einer lebenslangen Bindung. Die Kirche in all ihren Gliedern zeigt sich auch hier im wahrsten Sinn des Wortes „jung“, wenn sie den heranwachsenden Jugendlichen in einer überzeugenden Weise die Bedeutung von Ehe und Familie durch ihr Vorbild vermittelt.

Als Christen sind wir aufgerufen, einer weit verbreiteten Freizügigkeit und Bindungslosigkeit entgegenzuwirken. Dies kann nicht durch moralisierende Parolen geschehen, sondern muss im aufrichtigen Gespräch mit unseren Jugendlichen erarbeitet werden! Was heißt Ehe? Was bedeutet uns Christen das Sakrament der Ehe? Eine beglückende Gemeinschaft, die Heimat schafft, kann nur dann entstehen, wenn sich Menschen aufeinander verlassen können und im Wissen um die eigene menschliche Begrenztheit auf den Segen Gottes vertrauen, wenn sie eine christliche Ehe eingehen. Dazu gehört auch das Mühen um Selbstdisziplin, die Bereitschaft zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Geschlechtlichkeit und eben nicht zuletzt das Gebet um die Hilfe und den Segen Gottes. Gott selbst will, dass wir unsere guten Eigenschaften und Fähigkeiten entfalten und füreinander fruchtbar machen. So ist und bleibt die Familie die kleinste und zugleich wichtigste Keim- und Lebenszelle sowohl für die staatliche als auch für die kirchliche Gemeinschaft.

Als Christen sind wir gefordert uns mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass entsprechend unserem Grundgesetz die Familien gefördert werden und dass besonders die frühkindliche Erziehung in der Verantwortung der Eltern bleibt. Bei allen berechtigten Ausnahmesituationen muss es der Staat auch allein erziehenden Müttern und Vätern und sozial schlechter gestellten Familien ermöglichen, dass die Kinder in ihren ersten Lebensjahren eine familiäre Geborgenheit und persönliche Zuwendung erfahren können und dadurch ihr Selbstwertgefühl und auch ihre Bindungsfähigkeit entfalten.

In Verbindung mit der begründeten Sorge um die Wohlfahrt unserer Familien, unserer Kinder und Jugendlichen habe ich in diesem Jahr den „Bischöflichen Jugendfonds – Chancen für Arbeit“ gründen können, um damit arbeitslosen Jugendlichen konkret zu helfen, einen Ausbildungsplatz zu finden. In besonderer Weise danke ich heute allen Müttern, Vätern und Großeltern, die sich verantwortungsbewusst um die Erziehung und persönliche Entfaltung der Kinder und heranwachsenden Jugendlichen in den Familien mühen und oftmals auch gegen äußere Widerstände für die Gemeinschaft in der Familie viel Sorge und Liebe aufwenden.

Ich lade Euch und Sie alle ein, das Gedenken an den hl. Simpert in den kommenden Tagen zu feiern, nicht zuletzt auch zum Familienfest am 30. September in unsere Bischofskirche zu kommen und an der großen Prozession zu Ehren des hl. Simpert am 13. Oktober in Augsburg teilzunehmen.

Vor 1200 Jahren hat Gott den hl. Bischof Simpert nach einem segensreichen Leben zu sich gerufen. Wir danken für sein überzeugendes Glaubensbeispiel und vertrauen auch heute auf seine Fürsprache. Gleichzeitig danken wir für die Errichtung des Mariendomes in Augsburg vor 1200 Jahren. Unser Mariendom ist die „Mutter aller Kirchen“ in unserer Diözese. Bei allen Gottesdiensten, sei es in unserem Dom, sei es in unseren heimischen Pfarrkirchen, können wir immer wieder durch die befreiende Botschaft des Evangeliums und durch die Feier der Hl. Messe erfahren: „Die Kirche ist jung – wir bauen Gemeinschaft“. Diese Erfahrung wird uns in die Zukunft führen und so schließe ich mit der Bitte: Es segne und behüte Euch, meine lieben Kinder und Jugendlichen, und Sie, liebe Schwestern und Brüder, der allmächtige und barmherzige Gott; der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Dr. Walter Mixa
Bischof von Augsburg