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Über den Catholischen, newen Gottsackher vor Gegginger Thor gelegen

03.11.2025 09:00

In diesem Jahr erreichte das Archiv des Bistums Augsburg ein ganz besonderer Schatz: In 29 Umzugskartons mit Akten, Protokollbänden und Urkunden ermöglicht der Archivalienbestand des katholischen Hermanfriedhofs in Augsburg erstmals wertvolle Einblicke in das Bestattungswesen des 17. bis zum 20. Jahrhunderts. Zwischenzeitlich im Stadtarchiv Augsburg gelagert und dort erstmals von Schmutz, Staub und Schimmel befreit, wurde das Registraturgut durch den ehrenamtlichen Mitarbeiter Günter Manz bearbeitet und in einem ersten Verzeichnis erschlossen. Seine Rekonstruktion der historischen Registratur konnte bei der archivischen Erschließung des Bestands bei uns im Archiv des Bistums Augsburg in weiten Teilen übernommen werden. Nach eingehender Bearbeitung ergaben sich insgesamt 475 Verzeichnungseinheiten auf 25 Regalmetern und 75 Schachteln. Auf dieser Basis können sich Familienforschung und Kirchengeschichte erstmals den Finanzen des Friedhofs, den dort beigesetzten Personen, den baulichen Veränderungen an Friedhof und Kirche St. Michael, Personalfragen sowie dem Erwerb und Verkauf von Gräbern widmen.

Akt zum Bau und der Konsekration des Friedhofs (ABA, FV H, 335).

Die Geschichte des „Gottesackers vor dem Gögginger Tor“ reicht zurück bis zum 27. Juli 1599. An diesem Tag beschlossen der Augsburger Bürgermeister Philipp Jakob Rembold sowie der Bürger und Pfleger Seneca Schreiber den Bau eines neuen Friedhofs für die katholische Gemeinde Augsburgs außerhalb der Stadtmauern, „vor dem Gögginger Tor“. Am 19. November 1600 erfolgte die feierliche Weihe durch Sebastian Breuning, Weihbischof und Generalvikar des Bistums. Bereits zwei Jahre später räumten Rembold und Schreiber dem Kloster St. Georg laut einer Urkunde von 1602 eine kleine Fläche innerhalb des Gottesackers ein.

Wie aus dem Akt zur Erbau und Consecrirung des katholischen Gottesackers hervorgeht, begann die Geschichte des Friedhofs bereits am 27. Juli 1599. An diesem Tag beschlossen der Augsburger Bürgermeister Philipp Jakob Rembold sowie der Bürger und Pfleger Seneca Schreiber per Dekret die Anlegung eines neuen Friedhofs. Dieser sollte allein für die katholische Gemeinde bestimmt und am gottesackher ausser der stadt, vor dem Gögginger thor gelegen sein. Die Weihe erfolgte am 19. November 1600 durch Sebastian Breuning, Weihbischof und Generalvikar des Bistums.[1] Bereits zwei Jahre später räumten Philipp Jakob Rembold und Seneca Schreiber dem Kloster St. Georg laut einer Urkunde von 1602, eine Fläche von siben schuech im liecht, in die lenge unnd zechen schuech in die breitten ein.[2]

Älteste Urkunde des Bestands aus dem Jahr 1602 (ABA, FV H, 398).

Dabei waren dem Begräbnis auf dem Friedhof allerdings bestimmte Bedingungen auferlegt. Unter anderem durften dort nur Menschen beerdigt werden, die der altkatholischen Religion zugethan waren. Wer im Laufe seines Lebens zum Protestantismus konvertierte, verlor das Recht auf ein Grab. Innerhalb eines Jahres musste das erworbene Grab an einen katholischen Käufer oder an katholische Angehörige – Kinder oder Ehegatten – weitergegeben werden. Auch der Handel mit Grabstätten war streng reglementiert: Kauf und Verkauf durften nur mit Zustimmung des Friedhofspflegers erfolgen und sind in zahlreichen Urkunden – den sogenannten Kaufbriefen und Grabkaufprotokollen – dokumentiert.[3]

Der Bestand umfasst zudem eine Vielzahl an Archivalien zu den Finanzen des Friedhofs, zu den dort beschäftigten Personen und zu den Bestatteten selbst. So lässt sich die wirtschaftliche Lage des Friedhofs für den Zeitraum von 1863 bis 1979 weitgehend lückenlos nachvollziehen. Hinzu kommen zahlreiche Protokollbände vom 17. bis 20. Jahrhundert, die unter wechselnden Bezeichnungen geführt wurden: Leichenverzeichnisse, Leichenhausbücher und Tagebücher des Leichenhauses. Sie enthalten chronologische Angaben zu Namen, Stand, Alter, Sterbe- und Beerdigungstag, Pfarrei sowie zur Lage der Gräber und stellen in Verbindung mit den Pfarrmatrikeln eine wertvolle Quelle für die Familienforschung dar.

Auszug aus einem Protokollbuch über den Kauf von Gräbern (ABA, FV H, 19).

Akten über Erweiterungen, Umbauten und Renovierungen des Friedhofs sowie der Kirche St. Michael sind in großer Zahl vorhanden, jedoch fast ausschließlich für das 19. und 20. Jahrhundert. Damit bleibt die Frühzeit des Friedhofs und des Kirchenbaus weitgehend im Dunkeln. Auch die Unterlagen zum Friedhofspersonal – von Administratoren, Totengräbern und Mesnern über Totenwächter bis hin zu Leichensagerinnen – setzen erst im 19. Jahrhundert ein. Gleichwohl bieten sie in Kombination mit den Dokumenten zu baulichen Veränderungen, den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs sowie den Dienstordnungen für das Personal einen seltenen und bislang einzigartigen Einblick in die strukturelle Entwicklung eines katholischen Friedhofs im Archiv des Bistums Augsburg.

[1] Archiv des Bistums Augsburg (ABA), Friedhofsverwaltung Hermanfriedhof (FV H) Akt 335, fol. 1–2.[2] ABA, FV H, Akt 398.
[3] ABA, FV H, Akt 335, fol. 3–8.