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Seit hundert Jahren im Festkalender der Kirche: das Christkönigsfest

23.11.2025 11:02

Das „Fest des Königtums Jesu Christi“, das 1925 durch Papst Pius XI. eingeführt wurde, setzte absoluten weltlichen Machtansprüchen das Reich des Gottkönigs auf Erden entgegen. Im Bistum Augsburg, das nähere Vorgaben für das ursprünglich am letzten Sonntag im Oktober stattfindende Hochfest im Jahr 1926 erließ, wirkt die Christkönigsverehrung in besonderer Weise im Patrozinium neu errichteter Kirchen und im Wirken des Meitinger Christkönigs-Instituts nach.

Abb. 1-2: Chorraum der Notkirche in der Augsburger Hammerschmiede mit Christkönigsfresko, um 1934 (GV-PfAkt 59.1.1) und neue Kirche, ca. 1970 (BFK-KuRef-Fotos/Bauten 256).

Seit nunmehr 100 Jahren besteht offiziell ein Königtum, allerdings eines der anderen Art: Während nach dem Ersten Weltkrieg in den Staaten Europas weltliche Monarchien durch Revolutionen untergingen, rief die Kirche ein länderübergreifendes in Gott wurzelndes Königtum aus. Mit seiner Enzyklika Quas primas führte Papst Pius XI. am 1. Dezember 1925 ein neues Hochfest in das Kirchenjahr ein. Das Christkönigsfest geht von der göttlichen Allmacht Jesu Christi aus, bezieht sie jedoch auch auf die zeitliche Dimension. Das neu eingeführte Fest sollte ein Zeichen gegen den seit dem 19. Jahrhundert aufgekommenen Laizismus setzen. Ab 1933 wurde die Christkönigsverehrung zu einem Bekenntnis der katholischen Jugend gegen den Führerkult der Nationalsozialisten, rückte sie doch die soziale Gerechtigkeit einer von Christus beherrschten Gesellschaft in den Vordergrund.

Von der Aufnahme des Festes in den Kalender der Diözese Augsburg zeugt der Oberhirtliche Erlass zur Feier des Festes des Königtums Jesu Christi im Amtsblatt vom 8. Oktober 1926. Das dafür vorgeschriebene Gebet stellt eine Verbindung zu der seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstarkten Herz-Jesu-Verehrung her (Abb. 3).

Abb. 3: Oberhirtlicher Erlass zur Feier des Festes des Königtums Jesu Christi, Amtsblatt Nr. 26 vom 8. Oktober 1926 (ABA, Amtsbibliothek).

Wie die Einführung des Christkönigsfestes im Bistum Augsburg nachgewirkt hat, soll im Folgenden anhand von zwei Beispielen erläutert werden.

Bau und Einweihung von Christkönigskirchen

Zu den sichtbarsten Formen der Christkönigsverehrung zählt die Verleihung als Patrozinium an neu errichtete Kirchenbauten. Im Bistum Augsburg entstanden zwischen 1934 und 1964 insgesamt sechs Christkönigskirchen, zunächst in Augsburg-Hammerschmiede (1934/1964) und Weßling (1939), nach dem Zweiten Weltkrieg in Penzberg (1951), Nordendorf (1961) sowie mit der Kirche des Regens-Wagner-Werks Dillingen (1962) und der Filialkirche Fessenheim im Ries (1963).

Die erste Christkönigskirche innerhalb der Diözese war die 1934 errichtete Expositurkirche in der Augsburger Hammerschmiede. Wie aus dem Pfarreiakt im Archiv des Bistums Augsburg hervorgeht, wurde eine Kaplanei aus Inchenhofen hierher verlagert, um eine Seelsorgestelle für die Siedlungen Hammerschmiede und Firnhaberau zu schaffen. 1934 erfolgte die Errichtung einer Notkirche nach Plänen des Augsburger Architekten Fritz Kempf. Ein überliefertes Foto zeigt deren Chorraum mit einem Christkönigsfresko (Abb. 1). Die heutige Kirche entstand erst nach der 1950 erfolgten Erhebung zur Stadtpfarrei durch Umbau und teilweisen Abbruch im Jahr 1963/64. Die neue Pfarrkirche (Abb. 2) wurde am 13. Dezember 1964 geweiht, die Konsekrationsurkunde ist im Archiv des Bistums Augsburg erhalten.     

Die Anfänge des Christkönigs-Instituts

Die wohl bekannteste Einrichtung im Bistum Augsburg, die mit dem Christkönigspatrozinium verbunden ist, bildet das Meitinger Christkönigs-Institut. Das Apostolat und die inländische Mission durch das Wirken in der Mitte der Gesellschaft sind seit den Anfängen der zentrale Auftrag der Vereinigung, die sich als „lebendige Zelle von Laien […], weltoffen und gottverbunden zugleich“ (1) versteht. Im Jahr 1919 war in Graz auf Initiative des Priesters Max Josef Metzger und des Steyler Missionars Wilhelm Impekoven eine Laiengemeinschaft mit dem Namen „Katholische Heimatmission“ gegründet worden. Wegweisend war das Motto „Christus muss König sein“, dem sich die kurz darauf umbenannte „Missionsgemeinschaft vom Weißen Kreuz“ verschrieb. Der Leitspruch erwies sich als von ungeahnter Aktualität: Die Einführung des Christkönigsfestes in der katholischen Kirche im Jahr 1925 wurde zum Anlass, die Gemeinschaft in Christkönigsgesellschaft (Societas Christi Regis) umzubenennen.

Abb. 4-5: Vereinsorgan „Katholischer Missionsruf“ vom Januar 1929, Vorläufer des „Christkönigsboten“, mit der Signatur des Generalleiters Max Josef Metzger (ABA, GV 678).

Das Wirken der Laienvereinigung in Meitingen seit 1928

Mit der Verlegung nach Meitingen im Jahr 1928 begann das Wirken der Gesellschaft im Bistum Augsburg. Die Archivdokumente lassen die schwierigen Anfänge aufgrund wirtschaftlicher Probleme und der bereits im Jahr 1931 vermeldeten Überlastung der karitativen Dienste erkennen. In Meitingen fanden die Mitglieder zunächst eine Bleibe im Schloss, als sog. Johannesheim seit 1927 eine Trinkerheilstätte der Caritas, wo die Fürsorge für alkoholkranke Menschen zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit wurde. Daran angrenzend entstanden in den folgenden Jahrzehnten weitere Gebäude, die in ihrer Nutzung als erster Kindergarten am Ort, Wanderarbeiterheim, Unterkunft für Kriegsflüchtlinge, Altenheim und nicht zuletzt als Verlag für die Schriftenmission dem gemeinschaftlichen Auftrag, „dem äusseren und inneren Wachstum des Reiches Jesu Christi in der Welt [zu] dienen“ (2), folgten.

Mitglieder der Vereinigung waren bzw. sind einerseits die Brüder und Schwestern, die zeitliche Gelübde ablegen und sich damit eng an die Gemeinschaft binden. Sie bilden den „inneren Kreis“, der im Jahr 1950 aus 64 Schwestern, 15 Novizinnen und drei Postulantinnen bestand. Der „äußere Kreis“ setzt sich aus den übrigen Mitgliedern zusammen, die jährlich ihr Versprechen, nach den Zielen und Werten der Gemeinschaft zu leben, erneuern. Die zuvor nur lose organisierte Vereinigung wurde 1953 zum Sodalitium (< lat. sodalitas = „Kameradschaft“) institutionalisiert und anlässlich ihres 50jährigen Jubiläums 1969 vom Vatikan als Säkularinstitut anerkannt.

Verfolgung der Gesellschaft und ihres Generalleiters im NS-Staat

Bekannt ist das Institut vor allem durch seinen Mitgründer und Generalleiter Max Josef Metzger. Auf dessen Leben und Schicksal, die bis heute große öffentliche Beachtung finden, wurde bereits anlässlich dessen Seligsprechung im November 2024 eingegangen (vgl. Archiv-Beitrag v. 15. November 2024). Die staatliche Verfolgung, die in der Gefangenschaft, Verurteilung und Hinrichtung Metzgers wegen angeblichen Hochverrats mündete, äußerte sich auch im Verbot des Vereinsorgans „Christkönigsbote“ wegen angeblicher Versuche, „gegen die nationalsozialistische Weltanschauung unter dem Deckmantel der katholischen Glaubenslehre in weiten Kreisen der Bevölkerung eine Kampfesstimmung hervorzurufen“ (3), durch Verfügung vom 8. Mai 1935 und in der Durchsuchung des Christkönigshauses in Meitingen durch die Gestapo im Januar 1936. Max Josef Metzger genießt nicht nur in Meitingen nach wie vor große Popularität, sondern wird heute von der katholischen Kirche als Seliger verehrt. Sein Gedenktag im Bistum Augsburg ist sein Todestag, der 17. April.

Verweise

(1) Website des Christkönigs-Instituts Meitingen.

(2) Satzung der Christkönigsgesellschaft, 1957, § 1, Abs. 1 (GV KlAkt 1028).

(3) Bericht über die Verhandlungen betr. Aufhebung des Verbotes des „Christkönigsboten“, Juni 1935 (GV 678).

Quellenverzeichnis

GV 678.

GV-PfAkt 59.1.1.

GV-KlAkt 1028, 1029.

Amtsblätter für die Diözese Augsburg 1925 und 1926.

BFK-KuRe-Fotos/Bauten, 054-058.

Website des Christkönigs-Instituts Meitingen: https://www.saekularinstitute.de/saekularinstitute/christkoenigs-institut-meitingen.