Heimkehr ins richtige Archiv nach 299 Jahren
Mirakelbuch aus Maria Beinberg übernommen
„Ann Hueberin Von Oberschönbach hatte ihr einen spindel spiz in den Sit Venia Fues hinein gestossen, da hat ihr der Feldtscherer den halben spiz heraus geschnitten, in disen schmerzen Nimbt sye ihr Vertrauen Uf den Painberg zuden öel aus der Ampel, Und da sye den Fues mit dem öel geschmierbt, ist der halbe spiz auch heraus gangen Und wider Völlig besser worden.“
Diese Heilung im Jahr 1751 ist unter der Nummer 124 dokumentiert – als einer von über 2.000 Einträgen im Mirakelbuch der Wallfahrtskirche Marä Geburt auf dem Beinberg bei Gachenbach in der Pfarrei Weilach. „Votiv-Buech Worinnen all und Jede Guetthatten, So Von der allhiesig wunderthättigen Muetter Gottes MARIA Allen Hilff und Trost suechenden gewährt worden, Begriffen Seynd“ – so lautet der offensichtlich barock und auch etwas bairisch klingende Titel der 1727 von Benefiziat Andreas Germann begonnenen Aufzeichnungen, die bis in Jahr 1787 reichen.
Zeugnis marianischer Frömmigkeit
Das Buch mit seinen knappen Einträgen ist ein Zeugnis marianischer Frömmigkeit, aber es verrät auch viel über die einfachen Leute jener Zeit und ihre Sorgen, Leiden und Nöte. Es war überwiegend, aber nicht nur, die ländliche Bevölkerung im Raum Schrobenhausen, Aichach, Pfaffenhofen, Dachau und Neuburg, die sich der Gottesmutter anvertraute und zu der seit dem 15. Jahrhundert bestehenden Kirche auf dem bewaldeten Hügel pilgerte. 1192 Frauen und 794 Männer sind namentlich genannt.
Erst im Juni 2026 gelangte das Mirakelbuch in den Bestand des Pfarrarchivs Weilach, das bereits seit 1987 als Depositum im Archiv des Bistums Augsburg lagert. Zwischenzeitlich befand sich das Buch im Stadtarchiv Schrobenhausen, was zwar geographisch näher liegt, aber archivarisch wenig Sinn macht: Maria Beinberg gehörte nie zu Schrobenhausen, und kirchliches Archivgut hat gemäß den gesetzlichen Vorschriften seinen Platz in einem kirchlichen und nicht in einem kommunalen Archiv. Dem Engagement der Pfarrei Weilach und dem Entgegenkommen der Stadt Schrobenhausen ist es zu verdanken, dass das Buch nun seinen endgültigen Platz an der richtigen Stelle gefunden hat. Eine Aufbewahrung vor Ort selbst wäre zwar für manche Einheimischen wünschenswert, konservatorisch aber problematisch gewesen.
Seit 2005 vollständig transkribiert
Wer sich inhaltlich mit den Wundern vom Beinberg beschäftigen will, muss dafür nicht extra ins Archiv kommen. Bereits 2005 hatte der heutige Pfarrer von Grafing, Stephan Rauscher im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München den Text vollständig transkribiert und ausgewertet. Sein Buch mit dem Titel „Die Wallfahrt im Spiegel eines Mirakelbuches des 18. Jahrhunderts“ ist noch gebraucht erhältlich und in Bibliotheken ausleihbar.