Kirchenmusik in archivierter Form: Die Musikalien-Sammlung im Archiv des Bistums Augsburg
In Freyung wurde am 24. April 2026 die diesjährige Bayerische Landesausstellung „Musik in Bayern“ eröffnet. Im thematischen Kontext steht auch im Archiv des Bistums Augsburg seit wenigen Monaten die neue Musikalien-Sammlung zur Benutzung offen.
Die zuletzt erschlossene bzw. in die Tektonik eingegliederte Sammlung umfasst kirchenmusikalische Überlieferung von dreierlei Herkunft. Dazu gehören zum einen aus ehemaligen Klöstern und einzelnen Pfarreien stammende Notenbestände, zum anderen ohne bekannte Provenienz aufgenommene Sammlungsgut. Überwiegend handelt es sich um ungebundene Notenhandschriften und –drucke, die auf das 18., 19. oder 20. Jahrhundert zurückgehen. Hinzu kommen zum Teil gebundene Archivalien wie insbesondere Lieder- oder Orgelbücher. Während im Zeitraum von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhundert noch Handschriften dominieren, liegen spätere Noten großteils in Druckform vor. Die Noten der kirchlichen Institutionen weisen vielfach pro Stück eine bis mehrere Registratursignaturen auf. Die Sammelstücke sind i.d.R. unsigniert und nach Komponisten geordnet. Eine erste Sortierung der Musikalien im Bistumsarchiv erfolgte im Jahr 2004.
Infolge der Auflösung zahlreicher Klöster in der Säkularisation 1802/03 gingen deren Musikalienbestände häufig verloren oder gelangten in die staatlichen Archive. Die Musikalien-Sammlung verzeichnet aus klösterlicher Provenienz neben Einzelstücken auch einen geschlossenen Teilbestand (Mus-K). Aus dem ehemaligen Benediktinerkloster Benediktbeuern stammt ein Manuskript aus sieben Ave Regina für gemischten Chor, zwei Violinen, eine Alt-Bratsche, zwei Hörner, Pauken und Orgel aus dem Jahr 1799, die von dem aus Aichach stammenden Andechser Benediktiner Benedikt Holzinger (1747-1815) komponiert wurden. Verschiedene Gesänge und Texte für den Chor der ehemaligen Augsburger Kollegiatstiftskirche St. Moritz anlässlich kirchlicher Feste und Bitttage enthält ein Prozessionale von 1754, welches teils auch Gesänge für die Liturgie in anderen Augsburger Kirchen, darunter dem Dom, St. Ulrich und Afra, Heilig Kreuz, St. Peter am Perlach sowie der Klosterkirche Maria Stern umfasst.
Hinzu kommt eine große Zahl von Musikhandschriften und -drucken des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Holzen. Die Überlieferung befand sich ab 1927 als Teil des Klosterarchivs bei der Ursberger St. Josefs-Kongregation, dem zeitweiligen Eigentümer des Klosters, und wurde im Jahr 2018 vom Bistumsarchiv übernommen. Die zugehörigen Musikhandschriften (URS 1-458) und -drucke (URS Dr 0-187) wurden von 1982-1988 in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek verzeichnet und 1992 in der Reihe Kataloge bayerischer Musikhandschriften (Band 15) veröffentlicht.
Den größten Teil der Sammlung machen Noten aus Pfarreien des Bistums Augsburg (Mus-P) aus. Von den zahlreichen Teilbeständen aus Pfarrarchiven ragen insbesondere zwei Überlieferungen hervor.
- Die Musikalien des Pfarrarchivs Benediktbeuern (spätes 18. und 19. Jh.)
Die vom Bistumsarchiv im März 2010 übernommenen Notenhandschriften und -drucke, die 1952 für das Internationale Quellenlexikon der Musik und 1971 von der Bayerischen Staatsbibliothek erfasst wurden, sind im ersten Band der Kataloge bayerischer Musikhandschriften beschrieben. Sie umfassen 239 Handschriften überwiegend aus dem 19. Jahrhundert sowie Teile des Nachlasses von Erasmus Vogl (1760-1818), ehemaliger Chorregent am Münchner Liebfrauendom. 100 ehemals vorhandene Manuskripte mit Bibliothekssignatur (BB 1-100) sind verschollen. Dennoch haben sich einzelne Autografen u.a. von Kompositionen des Weyarner Augustinerchorherrn Floridus Hotter (Pfarrer 1818-1838) und dessen Mitbrüdern erhalten. - Die Musikalien aus der Pfarrei St. Johannes Baptist in Erpfting bei Landsberg a.L.
Der vor Ort erstmalig geordnete und mit Signaturen versehene Teilbestand verfügt über einen ansehnlichen Umfang und wurde den Vermerken nach wesentlich von Franz Xaver Altegger (1783-1869), Pfarrer in Erpfting 1819-1869, erworben. Mit rund 30 Autografen enthält er die größte bislang bekannte Originalüberlieferung des aus Murnau stammenden Zisterziensers, Komponisten und letzten Chorregenten des Klosters Fürstenfeld, Benedikt Pittrich (1757-1827). Pittrich war nach Auflösung seiner Abtei in Landsberg ansässig und soll sogar für die Oberammergauer Passionsspiele komponiert haben. Im Jahr 1824 bot er nachweislich einige seiner Werke zum Verkauf an, wie das Landsberger Wochenblatt vom 22. Juli 1824 dokumentiert. Ein Teil davon dürfte ins nahe Erpfting gelangt sein.
Das Sammlungsgut innerhalb der Musikalien-Sammlung (Mus-S) ist nur von geringem Umfang (ca. 5%) und folgt in seiner Gliederung dem Pertinenzprinzip. Die Noten sind unter Berücksichtigung der im Jahr 2006 angelegten Einteilung nach Komponisten bzw. Sachgruppen in folgende Hauptgruppen gegliedert: a) Sammelwerke, b) Werke einzelner Komponisten, c) Anonyma, d) gregorianische Notenbestände, d) Liedblatt-Sammlung, e) gebundene Bücher und Überformate.
Unter anderem zu nennen ist das großformatige ledergebundene mit metallenen Schließen ausgestattete Antiphonar, das wohl aus dem Besitz des Domkapitels stammt, und auf 388 Seiten die Gesänge zum Stundengebet im Augsburger Dom an Werk- und Festtagen beinhaltet. Es handelt sich um eine im Jahr 1713 verfasste Abschrift, die vom Weilheimer Chorvikar und Lektor Ambrosius Lang angefertigt wurde.