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Vorwort und Inkraftsetzung durch den Bischof

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bischöflichen Seelsorgeamtes,

ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Leitbild, das durch einen intensiven Diskussionsprozess aller Beteiligten über ein ganzes Jahr hinweg immer mehr an Profil, spiritueller Tiefe und auch an Konsens gewonnen hat, so dass ich es heute gerne als verbindliche Orientierung in Kraft setze.

Ein Bischof braucht gute Ratgeber und kompetente Mitarbeiter. Beides wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bischöflichen Seelsorgeamtes gemäß ihrem Leitbild sein. Das weiß ich zu schätzen und bin dafür dankbar. Die pastoralen Herausforderungen sind heute vielfältiger, komplexer und zugleich differenzierter denn je. Die unterstützende und ergänzende Hilfe, die das Bischöfliche Seelsorgeamt mit seiner Vielzahl von pastoralen Dienststellen und Bildungshäusern für die Gemeinden leistet, ist der kompetente Dienst von Spezialisten, den wir wirklich brauchen.

Doch bei aller notwendigen Spezialisierung gilt es, den grundlegenden und allen gemeinsamen Auftrag nicht aus den Augen zu verlieren, den uns der Heilige Vater beim Ad-limina-Besuch ans Herz legte:

„Um der … großen Herausforderung durch den anhaltenden Saekularisierungsprozess adäquat begegnen zu können, muss die Kirche in Deutschland vor allem die Kraft und die Schönheit des katholischen Glaubens neu sichtbar machen: um dies zu können, muss sie in der Gemeinschaft mit Christus wachsen.“

In diesem Zusammenhang möchte ich auch an die Bedeutung von thematisch gestalteten Katechesen mit der Möglichkeit zur Aussprache erinnern. Suchende, fragende und zweifelnde Menschen müssen in unseren Pfarrgemeinden in Gesprächsrunden eine Möglichkeit zur Aussprache und auch der Beheimatung finden. Eine herausragende Hilfe für die Verantwortlichen ist das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche.

Was der Heilige Vater zum Bemühen um Pastoralpläne und Reformvorhaben sagte, ist auch in Bezug auf den Leitbildprozess und vor allem auch hinsichtlich seiner nun anstehenden Umsetzung zu beachten: „Die Suche nach Reform kann leicht in einen äußeren Aktivismus abgleiten, wenn die Handelnden nicht ein echtes geistliches Leben führen und die Beweggründe für ihr Tun nicht beständig im Licht des Glaubens prüfen.“ Es freut mich, dass im Leitbild unter der Überschrift: „Woraus leben wir?“diese entscheidende Mitte des pastoralen Planens und Handelns klar zum Ausdruck gebracht wird.

Die Deutschen Bischöfe haben in den letzten Jahren in ihren Verlautbarungen verschiedentlich darauf aufmerksam gemacht, dass an Stelle der bisher vornehmlich pädagogisch vermittelten Gestalt des Glaubens wir jetzt in eine Zeit eintreten, in der der christliche Glaube missionarisch-evangelisierend weitergegeben werden muss. Wir erleben den Wandel von einer mehr oder weniger fraglos übernommenen Zugehörigkeit hin zu einer gewählten, auf bewusster Entscheidung gründender und schrittweise sich entfaltender Teilnahme.

Dieser Wandel hat auch entscheidende Konsequenzen für die Arbeit im Bischöflichen Seelsorgeamt. In dieser Situation braucht es glaubwürdige Zeugen, d.h. die pastoralen Mitarbeiter als Glaubensbegleiter. „In der Art, wie sie anderen Menschen begegnen, wie sie sich über Leben und Glauben mitteilen, werden sie zu einem lebendigen ‚Katechismus’. Sie vermitteln als lebendiges Zeugnis – mit und ohne Worte – die Botschaft von der zuvorkommenden Nähe Gottes, die jedem Menschen zugesagt ist.“

Doch was sind glaubwürdige Zeugen? Unter der Überschrift: „Woran lassen wir uns messen?“ sind konkret umsetzbare Kriterien formuliert, die auch der Selbstvergewisserung dienen und im Sinne einer pastoralen Gewissenserforschung immer wieder bedacht werden sollen.

Leitbilder schließen oft mit einer Vision. Der Absatz: „Was nehmen wir uns vor?“ ist von einer wohltuenden Nüchternheit und Konkretheit, die vielleicht mehr bewegen als phantasievolle Imaginationen. Dennoch ist es wichtig, dass ganz zum Schluss nochmals die spirituelle Dimension zum Tragen kommt, indem ein Grundakkord zum Klingen gebracht wird, der die Rezeption des gesamten Leitbildes prägen muss: Es geht darum, dass in unserer Welt mit ihren vielfältigen Pluralismen und Beliebigkeiten der Mut zum gläubigen Nonkonformismus in der Entschiedenheit und Freiheit der Kinder Gottes vorgelebt und vermittelt wird – eine der wichtigsten Tugenden für unsere Zeit.

So erhoffe ich mir von diesem Leitbild für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bischöflichen Seelsorgeamtes Orientierung und Ermutigung, Stärkung der Identität und des Zusammenhaltes und nicht zuletzt Schärfung des Profils zugunsten der großen Herausforderungen an die Pastoral unserer Zeit.

Für all Ihren Einsatz für dieses Leitbild und im Sinne dieses Leitbildes danke ich Ihnen von Herzen und wünsche ich Ihnen mit den Gaben des Heiligen Geistes ein unerschütterliches Vertrauen in die Sendung und die Verheißungen unseres Herrn.

Augsburg, den 10. Februar 2007

Dr. Walter Mixa
Bischof von Augsburg