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Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht geht es Ihnen genauso: Jedes Jahr scheint die Zeit zwischen September und Weihnachten knapper zu werden, und ich habe immer mehr das Empfinden, getrieben zu sein als selbst bestimmt mit meiner, mir ganz persönlich zugemessenen Zeit umzugehen. Wir haben aber nicht weniger Zeit als alle Generationen vor uns, sondern sogar viel mehr - zumindest was die statistisch errechnete Lebenszeit angeht.

Und dennoch war die Klage über Zeitknappheit wohl noch nie ein solches Massenphänomen wie heute. Wir meinen, in kürzerer Zeit mehr leisten zu müssen, was vorzeigbar ist, geben uns aber selten Rechenschaft darüber, wie wir den Zugang zu unseren Ressourcen, den inneren Quellen der Lebensfreude, der Unbeschwertheit, der gesunden Neugier frei halten können von all dem, was im Laufe eines Tages, von Wochen, Monaten und Jahren an den Rändern unseres Lebens angeschwemmt wird und sich mitunter so festsetzt, dass die Fließgeschwindigkeit sich wie bei einem Bach mit viel Treibgut zusehends verlangsamt oder das Bachbett sogar auszutrocknen droht.

"All meine Quellen entspringen in Dir", heißt es in Psalm 87,7. Gemeint ist Zion, die "Gründung" Gottes "auf heiligen Bergen" (v.2). Gläubige Menschen wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen. Das gibt Halt, Geborgenheit und gelassenes Selbstbewusstsein, wenn es nicht "rund läuft". Denn Brüche und Verwerfungen, eigenes und fremdes Versagen bleiben keinem erspart, entscheidend ist aber der Umgang damit.

Schaffe ich es, versöhnlich mit mir und anderen zu sein, bereit zu verzeihen und um Verzeihung zu bitten? Keine Frage - das fällt schwer und muss geübt werden, doch jede/r, die/der es schon einmal versucht hat, wird bestätigen: Versöhnung beflügelt, sie setzt Kräfte frei statt sie zu binden!

"Achtet sorgfältig darauf, wie ihr Euer Leben führt... Nutzt die Zeit" (Eph 5,15f.). Auf das Wie kommt es also mehr an als auf das Was oder Wie viel. Um den klaren Blick zu bewahren, müssen wir - gerade dann, wenn wir glauben, die Zeit läuft uns davon - innehalten, uns neu ausrichten auf den Herrn, der alle Wege mitgeht (A. Delp). Dann können wir beherzt das tun, was dran ist.

Manchmal bedarf es dazu eines Impulses von außen - durch unsere Angebote wollen wir Sie bei der Orient-ierung, der Ausrichtung hin zur aufgehenden Sonne unterstützen. Ich wünsche Ihnen, dass etwas für Sie dabei ist, was stärkt und wärmt und Ihren ganz persönlichen Weg in dieser Zeit besser ausleuchtet!

  

Mit herzlichen Grüßen

Ihr 

 

 

Bischofsvikar Prälat Dr. Bertram Meier
Leiter des Bischöflichen Seelsorgeamtes