Kirchenjahr

Darstellung des Herrn

Am 2. Februar wird ein nachweihnachtliches Herrenfest gefeiert

31.01.2020 01:00

Am 2. Februar feiert die Kirche das Fest der Darstellung des Herrn, die sogenannte Praesentatio Domini. Der Name des Festes verweist darauf, dass Maria und Josef das kleine Kind Jesus dem göttlichen Vater zum Präsent, zum Geschenk gemacht haben.

Darbringung im Tempel (Meister der Pollinger Tafeln, 1444)

Jüdischer Ursprung

Der Ursprung des Festes liegt im alttestamentlichen Brauch der „Reinigung“ einer Frau nach ihrer Entbindung. Nach jüdischer Sitte galten Frauen nach der Geburt eines männlichen Nachkommen vierzig Tage (sieben plus 33 Tage) und nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage (14 plus 66 Tage als unrein (vgl. Lev 12,1–8). Als in Israel noch der Tempelkult bestand, musste eine Frau, die ein Kind geboren hatte, nach diesen Tagen einem Priester im Jerusalem ein Schaf und eine Taube als Reinigungsopfer übergeben. Ärmere Frauen konnten ersatzweise zwei Turteltauben oder andere Tauben opfern (vgl. Lev 12,8). Auch Maria und Josef hielten sich an diesen jüdischen Brauch.

Außerdem sah man einen erstgeborenen Sohn in Erinnerung an die Pessach-Nacht als Eigentum Gottes an (vgl. Ex 13,2.15) und übergab („präsentierte“) ihn im Tempel, wo er durch ein Geldopfer (vgl. Num 18,16) auszulösen war. Dies war auch bei Jesus, unserem Herrn, der Fall – daher stammt der Name des Festes „Darstellung des Herrn“. Die entsprechende Lukas-Erzählung (Lk 2,22-35) berichtet von dieser Erstgeburtsweihe, nicht aber von der Auslösung, die im traditionellen Judentum immer noch praktiziert wird (Pidjon ha-Ben).

Nunc dimittis

Bei der Darstellung Jesu im Tempel kam es zur Begegnung Jesu und seiner Eltern mit Simeon und der greisen Prophetin Hanna. Noch heute beten katholische Priester und Ordensleute im Gedenken an dieses denkwürdige Zusammentreffen jeden Abend das Gebet des Simeon („Nunc dimittis“), das er angesichts des dargestellten Jesus im Tempel betete:

„Nun lässt du, Herr, deinen Knecht,
wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ (Lk 2,29–32).

Historischer Hintergrund

Das kirchliche Fest der Darstellung des Herrn geht auf das 4. Jahrhundert zurück. Es entstand in Jerusalem als weihnachtliches Nebenfest von Christi Geburt und wurde ursprünglich nur als „vierzigster Tag der Geburt unseres Herrn Jesus Christus“ bezeichnet. Bezeugt ist es bereits im Bericht der Nonne Egeria über deren Reise ins Heilige Land (um 400). Das Festdatum war anfangs der 14. Februar (40 Tage nach dem Hochfest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar), ab dem 6. Jahrhundert der 2. Februar (40 Tage nach dem Hochfest der Geburt Jesu Christi am 25. Dezember, das sich in der Westkirche inzwischen als die Feier der Geburt Jesu durchgesetzt hatte). Der 25. Dezember ist nach liturgischer Zählweise als erster Tag des Vierzig-Tage-Zeitraums mitzuzählen. Mit dem Fest der Darstellung des Herrn ist in der Liturgie der römisch-katholischen Kirche die Kerzenweihe und die anschließende Prozession oder Statio mit brennenden Kerzen verbunden.

Lichterprozession

Stand ursprünglich die von Lukas überlieferte Geschichte von der Darstellung Jesu im Zentrum des Festes, so traten alsbald weitere Motive hinzu. Die Darstellung des Herrn, der nach den neutestamentlichen Weihnachtsgeschichten in Bethlehem geboren worden war, wurde zum ersten Einzug Jesu in die Davidstadt Jerusalem. Der antike Brauch, nach dem die Bewohner einer Stadt ihrem Herrscher bei seinem ersten Besuch entgegenzogen, wurde schon früh in die Festliturgie mit einbezogen. Auf dem Weg von Jerusalem nach Bethlehem lag ein Kloster, das eine Frau namens Hikelia gegründet hatte. Hikelia soll die Mönche mit Kerzen ausgestattet haben, um damit Christus entgegenzugehen und anschließend mit ihm gemeinsam in die heilige Stadt zu ziehen. In dieser Legende wurzelt die im fünten Jahrhundert entstandene Lichterprozession, die in der römisch-katholischen Kirche einen festen Platz in der Festtagsliturgie hat und unter anderem mit der neutestamentlichen Bibelstelle (vgl. Lk 2,32) begründet wird. Die örtliche Pfarrkirche stellt in dieser liturgischen Inszenierung symbolisch die Heilige Stadt Jerusalem dar, in der Christus gegenwärtig ist. Beim Einzug in die Kirche kommen die Prozessionsteilnehmer Christus entgegen. So begleiten sie sein Kommen in unsere Welt mit dem Licht der Kerzen, die zu diesem Fest besonders geweiht wurden. Im 6. Jahrhundert, unter dem byzantinischen Kaiser Justinian I., wurde es auch als „Fest der Begegnung“ mit Simeon und Hanna gefeiert. Die Festgeheimnisse – Darstellung, Erleuchtung der Heiden, Lichtprozession – klingen an in dem von Maria Luise Thurmair verfassten Liedtext „Seht unsers Herrn Erbarmen im Tempel dargestellt, von einer Jungfrau Armen erstrahlend aller Welt“ (Passauer Gotteslob, Nr. 785).

Mal Herrenfest, mal Marienfest

Im Lauf der weiteren Entwicklungen verschob sich der Schwerpunkt des Darstellungsfests von Jesus auf Maria, seine Mutter. So wurde aus dem Herrenfest der Darstellung des Herrn ein Marienfest: Mariä Reinigung und Mariä Lichtmess. Seit der Liturgiereform der 1960er Jahre gilt es wieder als Herrenfest und hat daher – wie im Jahr 2020 – liturgischen Vorrang vor dem Sonntag im Jahreskreis. Seit 1997 wird das Fest der Darstellung des Herrn auch als Tag des geweihten Lebens begangen.

Am Vorabend des Blasiusfestes

Mit der Vorverlegung des Festes vom 14. auf den 2. Februar entstand eine zeitliche Nähe zum Gedenktag des hl. Blasius am 3. Februar und dem mit ihm verbundenen Sakramentale des Blasiussegens. Der Blasiussegen wird in der römisch-katholischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert gespendet. Oft wird dieser Segen auch schon nach der Heiligen Messe am Abend des Festes der Darstellung des Herrn erteilt.

Früher endete erst jetzt die Weihnachtszeit

An Lichtmess endete in der katholischen Kirche früher die Weihnachtszeit, was mit dem Ritus der Krippenschließung verbunden war. In vielen katholischen Kirchen und Häusern bleiben daher die Krippe oder auch der Weihnachtsbaum nach alter Tradition bis zum 2. Februar stehen. Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils Mitte der 1960er Jahre endet in der ordentlichen Form des römischen Ritus die Weihnachtszeit jedoch bereits am Fest der Taufe des Herrn, dem Sonntag, der dem Hochfest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias) am 6. Januar folgt – in der außerordentlichen Form des römischen Ritus, wie er bei einigen Gemeinschaften gefeiert wird – endet weiterhin mit dem 2. Februar die Weihnachtszeit.

Volksbräuche und Bauernregeln

Das Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Reinigung, Mariä Lichtmess) war in früherer Zeit ein wichtiges Datum im Jahreslauf. Mit ihm verbanden sich Zahlungsfristen, zeitliche Fixierungen von Arbeitsverhältnissen sowie der Beginn des „Bauernjahres“. Außerdem bezogen sich manche volkstümlichen Bräuche, Sprichwörter, Reime und Wetterregeln auf diesen Festtag.

Mit dem 2. Februar begann das „Bauernjahr“, von da ab kann je nach den Umständen die Feldarbeit wieder aufgenommen werden. An diesem Tag endete dagegen das Dienstboten- und „Knechtsjahr“. Das Gesinde bekam den Rest seines Jahreslohnes ausbezahlt und konnte – oder musste – sich eine neue Dienststelle suchen oder das Arbeitsverhältnis beim alten Dienstherrn, üblicherweise durch Handschlag, um ein weiteres Jahr verlängern. Meist wurde von den Dienstboten das von ihnen aufgezogene Geflügel verkauft. Am Tag danach, dem Schlenggeltag, begann der kurze Zeitraum bis zum Agathatag am 5. Februar, an dem der Umzug zum neuen Arbeitgeber zu vollziehen war und der für die Dienstboten eine Art Urlaub darstellte. Verbreitet war auch der Brauch, dem „Gesinde“ zu Lichtmess ein Paar Schuhe als Lohn zu geben, für die weitere Arbeit, oder die Arbeitssuche.

An Mariä Lichtmess ging die „Kunstlicht-Zeit“ zu Ende, in der man bei künstlichen Lichtquellen arbeitete, ebenso die Spinnstubenzeit. Beide hatten am Michaelistag, dem 29. September, begonnen.

Bis 1912 war der 2. Februar in Bayern gesetzlicher Feiertag.

In Teilen Westdeutschlands, Süddeutschlands, Sachsens und in einigen Regionen des Erzgebirges ist es nach wie vor üblich, den weihnachtlichen Schmuck bis zum 2. Februar stehen zu lassen.

Es gibt mehrere Bauernregeln, die Sonnenschein an Lichtmess als ein schlechtes Zeichen für den bevorstehenden Frühling werten.

Ist’s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.
Ist’s zu Lichtmess klar und hell,
kommt der Frühling nicht so schnell.