Neuer Mariengedenktag

Maria, Mutter der Kirche

02.05.2018 15:46

Papst Franziskus hat in den Römischen Generalkalender einen neuen Gebotenen Gedenktag eingefügt, der jedes Jahr weltweit am Pfingstmontag gefeiert werden soll: "Maria, Mutter der Kirche". In Deutschland gibt es jedoch eine besondere Regel, da an diesem Tag bei uns nochmals Pfingsten als "zweiter Feiertag" gefeiert wird und der Pfingstmontag ein gebotener Feiertag ist. Somit kann in den deutschen Bistümern am Pfingstmontag nicht die hl. Messe von "Maria, Mutter der Kirche" gefeiert werden. Dennoch bleibt er in unserem liturgischen Kalender nicht unberücksichtigt.

 

Theologie und Volksfrömmigkeit

Der Marientitel Mater Ecclesiae ist bereits beim Kirchenvater Ambrosius (339–397) nachgewiesen und fand seit dem Hochmittelalter breiten Eingang in Theologie und Volksfrömmigkeit. In manchen Diözesen, z. B. in Argentinien oder Polen, sowie in mehreren Ordensfamilien begeht man die Feier Mariens als Mutter der Kirche bereits seit einigen Jahrzehnten. An besonderen Orten wie etwa der Petersbasilika, wo die offizielle Ausrufung des Marientitels 1964 durch Papst Paul VI. erfolgte (vgl. Lumen gentium, Art. 53), wird der Gedenktag ebenfalls seit längerem begangen. Weiterhin eröffnete Papst Johannes Paul II. 1980 die Möglichkeit, den Titel „Mutter der Kirche“ in die Lauretanische Litanei einzufügen. Drei Formulare von Votivmessen unter dem Titel „Maria, Urbild und Mutter der Kirche“ finden sich auch in der 1986 veröffentlichten Sammlung von Marienmessen.

 

Die Einfügung des neuen Gebotenen Gedenktages am Pfingstmontag

Auf Anordnung von Papst Franziskus hat die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung nun mit Datum vom 11.02.2017 den neuen gebotenen Gedenktag in den Römischen Generalkalender eingefügt: „Maria, Mutter der Kirche“ (memoria B. Mariae Virginis Ecclesiae Matris). Der bewegliche Gedenktag wird am Montag nach Pfingsten gefeiert. Die Entscheidung, dieses besondere Mariengedächtnis auf den Pfingstmontag zu legen, betone die geistliche Mutterschaft Mariens, so Kardinal Sarah, der Präfekt der Gottesdienstkongregation.

 

Liturgische Texte
Als Messformular für den neuen Gedenktag dient die Votivmesse „Maria, Mutter der Kirche“ im Messbuch (MB II, S. 1141 ff.). Die Texte für die Stundenliturgie liegen noch nicht in deutscher Übersetzung vor. Die Bischofskonferenzen sind nun dazu angehalten, die Texte zu übersetzen, zu approbieren und nach der Bestätigung durch den Vatikan in den liturgischen Büchern ihres Jurisdiktionsbereichs zu veröffentlichen.

Die lateinischen Texte für Messfeier und Stundengebet finden sich hier:

 

Messfeier an Pfingstmontag - deutsche Sonderregel: "Pfingstmesse"

In den Ländern, in denen der Pfingstmontag bislang als gebotener Feiertag gefeiert wird, bleibt es dabei, dass für die Eucharistiefeier das Messformular vom Pfingstmontag (MB II² 205) oder die Messe von Pfingsten (MB II² 201) oder eine Votivmesse vom Heiligen Geist (MB II² 1133-1141) mit den jeweiligen Perikopen genommen wird.

Vgl. die diesbezügliche Notifikation der römischen Kongregation v. 24.03.2018:

 

Votivmesse in der Pfingstwoche: "Maria, Mutter der Kirche"

Damit der neue Gedenktag jedoch auch in Deutschland ins Bewusstsein der Gläubigen gelangen kann, besteht die Möglichkeit, an einem Tag der Woche nach Pfingsten je nach pastoraler Situation eine Votivmesse zu "Maria, der Mutter der Kirche", zu feiern, sofern der Tag nicht bereits durch einen gebotenen Gedenktag oder ein Gedenken höheren Ranges belegt ist, ggf. aber auch an einem gebotenen Gedenktag, sofern die pastorale Situation dies nach Meinung des Kirchenrektors oder des zelebrierenden Priesters erfordert (vgl. AEM 333; vgl. GRM 376f).

Das Messformular "Von Maria, der Mutter der Kirche" steht im Messbuch II², S. 1141; drei weitere Messformulare"Maria, Urbild und Mutter der Kirche" finden sich im "Messbuch. Sammlung vom Marienmessen", Nr. 25-27, S. 158-175.

Die Lesungen von "Maria, Mutter der Kirche" sind im Messlektionar, Bd. VIII, S. 486ff; von "Maria, Urbild und Mutter der Kirche" I-III im Messlektionar. Sammlung für Marienmessen, S. 92ff. zu finden.

Die Eigentexte sind: Gen 3,9-15.20 oder Apg 1,12-14; Ps 86 (87),1-2.3.5.6-7; Joh 19,25-34.

 

Stundengebet an Pfingstmontag: "Maria, Mutter der Kirche"

Der Pfingstmontag ist in Deutschland sozusagen ein liturgisches Überbleibsel aus der Zeit vor der Liturgiereform, als noch eine Pfingstoktav gefeiert wurde. Daher feiert man bei uns am Montag auch heute noch eine Pfingstmesse, obwohl mit dem Pfingstsonntag die "Osterzeit" abgeschlossen wurde und am Pfingstmontag bereits die "Zeit im Jahreskreis" begonnen hat.

Beim Stundengebet, zu dem Priester und Diakone verpflichtet sind, wird allerdings bereits die "Zeit im Jahreskreis" und der jeweilige Tagesheilige begangen.

Am Pfingstmontag, 21.05.2018 würde also nach alter Regelung beim Stundengebet das Offizium vom Tag oder das Offizium der Tagesheiligen genommen, da an diesem Tag der nichtgebotene Gedenkttag (g) des hl. Hermann Josef und der nichtgebotene Gedenkttag (g) des hl. Christoph Magallanes und seiner Gefährten liegt.

Allerdings werden diese beiden nichtgebotenen Gedenktage nun vom neuen Gebotenen Gedenktag (G) "Maria, Mutter der Kirche" verdrängt, so dass am Pfingstmontag beim Stundengebet dieser neue Gebotene Gedenktag gefeiert wird.

Für das Offizium vom neuen Gebotenen Gedenktag (G) "Maria, Mutter der Kirche" am Pfingstmontag kann man entweder auf die lateinischen liturgischen Texte zurückgreifen:

oder man greift - bis die liturgischen Texte für den Gebotenen Gedenktag ins Deutsche übersetzt sind - auf die Commune-Texte für Marienfeste aus dem Stundenbuch zurück. 

 

Tagesgebet

Gott, du Vater des Erbarmens,
dein Sohn hat am Kreuz
seine Mutter Maria auch uns zur Mutter gegeben.
Schau hin auf seine große Liebe,
lass die Kirche zur Mutter vieler Kinder werden,
an deren Heiligkeit sie sich freuen kann,
und führe alle Völker in ihre Gemeinschaft.
(MB II² 1141; MB-MMB 159)

LI/pcd