Heiliges Grab

Warum darf am Karfreitag das Allerheiligste nicht im "Heiligen Grab" ausgesetzt werden?

Gemäß der römischen liturgischen Ordnung ist eine Eucharistische Anbetung für den Gründonnerstag, nicht aber für Karfreitag und Karsamstag vorgesehen. Und auch am Gründonnerstag ist keine eucharistische Aussetzung zulässig, sondern nur die Anbetung des im Tabernakel verschlossenen Allerheiligsten.

Die einschlägigen liturgischen Normen lauten:

Gründonnerstag:
"Das Sakrament wird in den Tabernakel gestellt und dieser wird geschlossen. Eine Aussetzung mit der Monstranz ist nicht zulässig. Der Aufbewahrungsort soll nicht die Form des 'heiligen Grabes' haben; man meide auch den Ausdruck 'Heiliges Grab': der Aufbewahrungsort ist nicht dazu da, das Begräbnis des Herrn darzustellen, sondern um das eucharistische Brot für die Kommunion am Karfreitag aufzubewahren. Den Gläubigen soll nahegelegt werden, nach der Messe des Gründonnerstags eine nächtliche Anbetung in der Kirche vor dem Allerheiligsten zu halten. Dabei kann ein Teil des Johannesevangeliums (Kap. 13-17) gelesen werden. Diese Anbetung soll aber nach Mitternacht ohne jede Feierlichkeit sein, da der Tag des Leidens des Herrn dann schon angefangen hat." (Kongregation für den Gottesdienst, Rundschreiben "Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung" v. 16.01.1988, Nr. 55f)

Karfreitag:
"Nach der Feier wird der Altar abgedeckt ... In der Kirche kann ein Ort für das Kreuz vorgesehen werden (z.B. die Kapelle, wo am Gründonnerstag das Allerheiligste ausgesetzt war), wo die Gläubigen es verehren und wo sie still davor beten können" (Kongregation für den Gottesdienst, Rundschreiben "Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung" v. 16.01.1988, Nr. 71).
"Wo es üblich ist, zieht der Bischof mit dem Klerus und jenen, die einen besonderen liturgischen Dienst ausüben, zum 'Heiligen Grab'. Nach örtlichem Brauch kann dabei das Kreuz oder eine Statue mitgetragen werden. Das Allerheiligste darf jedoch nicht im 'Heiligen Grab' ausgesetzt werden. Danach verlassen alle schweigend die Kirche." (Zeremoniale für die Bischöfe, 1998, Nr. 331).

Karsamstag:
"Ein Bild Christi - am Kreuz, im Grab ruhend oder zum Reich des Todes hinabsteigend -, das das Geheimnis des Karsamstags veranschaulicht, oder auch ein Bild der schmerzhaften Mutter, kann in der Kirche zur Verehrung der Gläubigen aufgestellt werden" (Kongregation für den Gottesdienst, Rundschreiben "Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung" v. 16.01.1988, Nr. 74).

Der Sinn dieser Normen besteht darin, dass "Übungen der Volksfrömmigkeit" dem "Geist der Liturgie entsprechen" sollen (Kongregation für den Gottesdienst, Rundschreiben "Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung" v. 16.01.1988, Nr. 72).

Passend ist daher die Eucharistische Anbetung am Gründonnerstag, die Verehrung des Kreuzes Christi am Karfreitag und die Betrachtung der Grabesruhe Christi (mit Kreuzverehrung) am Karsamstag.

Man könnte natürlich anbringen, dass es ein geistlicher Verlust sei, wenn man auf Eucharistische Anbetung verzichtet. Hier ist aber einzuwenden, dass die Kirche am Karfreitag und am Karsamstag nirgendwo auf der Welt die heilige Messe feiert und dies ein noch größerer Mangel wäre. Doch eine Messfeier am Karfreitag und am Karsamstag ist von der Kirche streng untersagt.

Es geht also darum: Was passt zu welchem Tag? Und da empfiehlt die Kirche am Karfreitag und Karsamstag nicht die Eucharistische Anbetung, sondern die Kreuzverehrung sowie die Betrachtung der Grabesruhe und des Höllenabstiegs Christi.

Dr. Peter C. Düren