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Gedächtnis am Todestag des Augsburger Märtyrers Christoph Probst und der anderen Mitglieder der Weißen Rose

23.02.2011 02:44

In München wurde anlässlich des Jahrestages der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst der Opfer der Weißen Rose gedacht.

Selten wird das ökumenische Zeugnis der Märtyrer deutlicher als bei den Mitgliedern der Weißen Rose, deren Hauptpersonen katholisch (Probst) evangelisch (Geschwister Scholl) und orthodox (Alexander Schmorell) waren. Aus christlicher Überzeugung heraus leisteten sie Aufklärung im Volk und Widerstand gegen eine menschenverachtende Diktatur.

Gedenkstätte für die Weiße Rose im Gefängnis München-Stadelheim

Das Gedenken an diese Glaubenszeugen fand an drei benachbarten Stationen statt. In der Justizvollzugsanstalt Stadelheim, wo die beiden Scholl-Geschwister und Probst am 22.02.1943 hingerichtet wurden, las man zunächst Texte aus den Flugblättern der Weißen Rose vor. Anschließend wurden die Gräber der Glaubenszeugen auf dem benachbarten Friedhof am Perlacher Forst besucht. Schließlich trug die Zeitzeugin Regine Degwitz (Jg. 1922) im Zentrum der russisch-orthodoxen Gemeinde ihre persönlichen Erlebnisse mit den Mitgliedern der Weißen Rose vor. Abgeschlossen wurde der Gedenktag mit einem russisch-orthodoxen Gebet und Gesang in der dortigen Kathedralkirche der heiligen Neumärtyrer und Bekenner Russlands.

Der gebürtige Russe Alexander Schmorell ist bereits auf der Ikonostase dieser Kirche abgebildet - noch ohne Heiligenschein. Doch die russisch-orthodoxe Kirche bereitet die Heiligsprechung ihres Glaubenszeugen vor, der durch die monatelange Gefangenschaft menschlich und religiös tief heranreifte.

Organisiert wurde diese Veranstaltung durch das Weiße Rose Institut e.V. in Verbindung mit den katholischen, orthodoxen und evangelischen Kirchengemeinden sowie den Münchner Studentengemeinden. Anwesend waren auch enge Verwandte des Märtyrers Christoph Probst, so eine Schwiegertochter und ein Enkel des Augsburger Glaubenszeugen.

Das Bistum Augsburg war durch den Initiator der Augsburger Märtyrerausstellung, Dr. Peter C. Düren, vertreten. Diese Wanderausstellung ehrt unter anderem auch Christoph Probst, der aus Murnau am Staffelsee stammt und den Entwurf für das 7. Flugblatt der Weißen Rose hergestellt hatte. Probst hatte sich nach der Verurteilung durch den Präsidenten des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, von einem katholischen Priester in der Todeszelle taufen lassen und war katholisch geworden. In der ungetrübten Taufgnade erlitt er das Martyrium für Jesus Christus.

Gräber von Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst auf dem Perlacher Friedhof
Gebetsgottesdienst in der russ.-orth. Kirche der heiligen Neumärtyrer und Bekenner Russlands
Alexander Schmorell (in der Mitte, noch ohne Heiligenschein) in der Münchner russ.-orth. Kirche der heiligen Neumärtyrer und Bekenner Russlands