Mastodon
Vor genau 200 Jahren wurden die Gebeine der Heiligen nach Waldberg überführt.

17.06.2012 21:11

Mehr als 700 Jahre ist es her, dass die heilige Radegundis (ca. 1270-1300) auf Schloss Wellenburg (bei Augsburg) als Dienstmagd tätig war. Was sie zu einer Heiligen machte, war ihre tätige Liebe zu den Armen und Kranken, vor allem zu den Aussätzigen am Fuße des Schlossbergs. Sie sorgte für sie, indem sie sie wusch und ihnen zu essen und zu trinken brachte. Bereits im Alter von etwa 30 Jahren starb Radegundis, nachdem sie auf dem Weg zu ihren Kranken von hungrigen Wölfen angefallen worden war. Bestattet wurde sie zunächst bei der Wellenburg. Noch heute erinnert die Kapelle im benachbarten gleichnamigen Weiler „Radegundis“ an die Heilige.

Projektgruppe Radegundis: Florian Haas, Daniela Wilden, Ines Kühnert, Alexander Pfab (v.l.)

Doch verehrt wird sie nicht in erster Linie an ihrer früheren Wirkungsstätte, sondern vielmehr im 25 km entfernten Waldberg. Denn vor genau 200 Jahren, im August 1812, wurden auf Anordnung des Reichsfürsten Anselm Maria Fugger die Gebeine der Heiligen von Wellenburg (bei Augsburg) nach Waldberg (bei Bobingen) überführt, um die dortige Wallfahrt zu beleben. Seitdem ruhen die Gebeine dort sichtbar unter dem Hochaltar der Kirche.

Das 200-jährige Jubiläum der Translatio der Gebeine der heiligen Radegundis nahm die Pfarrgemeinde Waldberg zum Anlass, eine Ausstellung über das Leben der Heiligen zu organisieren. Diese ist am Sonntag, dem 24. Juni, von 11 bis 16 Uhr und am Montag, dem 25. Juni, von 10 bis 12 Uhr in der Alten Schule von Waldberg (Mickhauser Str.) zu besichtigen.

Unter der Anleitung von Privatdozent Dr. Markus Hilpert haben Studierende der Universität Augsburg eine beachtliche Exposition zusammengestellt, bei der das Leben der Heiligen lebendig vor Augen geführt wird. Schautafeln, Votivkerzen und Radegundismünzen sind dort zu besichtigen. Zudem erhält der Besucher kostenlos die Festschrift „200 Jahre Patroziniumsfest St. Radegundis“ sowie den von Dr. Hilpert und den Studierenden Daniela Wilden und Florian Haas erstellten, höchst ansprechend gestalteten „Kirchenführer Waldberg – Wallfahrtsort zur Hl. Radegundis“.

Im Jahre 1989 wurde die Heilige in den Diözesankalender eingeführt, so dass seitdem am 1. Juli im gesamten Bistum Augsburg der Gedenktag der Heiligen begangen wird. Doch am meisten wird die heilige Radegundis nach wie vor in Waldberg gefeiert. Am kommenden Sonntag und Montag ist es wieder soweit. Das Patrozinium beginnt am Sonntag, den 24. Juni, zunächst um 7.30 Uhr mit der Wallfahrtsmesse der Rommelsrieder Wallfahrer. Bei der Festmesse um 9 Uhr hält Dekan Thomas Rauch die Festpredigt. Anschließend folgt die Sakramentsprozession zu vier Altären, bei der die Radegundis-Mädchen in traditioneller Tracht die Statue der Heiligen durch Waldberg tragen. Um 14 Uhr ist Dankandacht. Für die Schüler ist sogar noch am Montag schulfrei, damit sie am Festgottesdienst um 9 Uhr und an der Schlussandacht um 14 Uhr teilnehmen können.

Die Barmherzige Radegundis, wie sie genannt wird, verdient anlässlich der 200-Jahr-Feier der Translatio am kommenden Wochenende die Aufmerksamkeit des gesamten Bistums. Wallfahrer sind am Sonntag und Montag eingeladen, die Gottesdienste mitzufeiern und damit einen Besuch der Ausstellung zu verbinden.

Dr. Peter C. Düren

Heilige Radegundis in Waldberg
Radegundismädchen am Altar der Heiligen
Radegundismädchen bei der Prozession mit der Statue der Heiligen