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Friedensgruß in der Messfeier

01.10.2014 14:03

In ihrem Rundschreiben vom 8. Juni 2014 nimmt die Gottesdienstkongregation Stellung zur Bedeutung und zu aktuellen Fragen des Friedensgrußes in der Messfeier. Das Schreiben ist der Abschluss einer längeren Diskussion über den liturgischen Ort des Friedensgrußes innerhalb der Messfeier. Bereits auf der Bischofssynode über die Eucharistie im Jahr 2005 wurde überlegt, ob der Friedensritus nicht besser seinen Platz vor der Gabenbereitung hätte, wie es im ambrosianischen Ritus und im Messritus von Zaire der Fall ist. Auch Papst Benedikt zeigte in seinem Apostolischen Schreiben Sacramentum caritatis vom 22. Februar 2007 eine gewisse Sympathie für diese Überlegungen und beauftragte die zuständigen Behörden, den Vorschlag zu prüfen. Eine Befragung der Bischofskonferenzen im Mai 2008 brachte jedoch das Ergebnis, dass das Zeichen des Friedensgrußes an seinem traditionellen Ort in der Messfeier bleiben soll. Einige Anmerkungen von Pfarrer Ulrich Müller, Liturgischer Referent im Bistum Augsburg.

Anders als zum Teil in den Medien kolportiert spricht sich die Gottesdienstkongregation nicht gegen den Friedensritus aus. Im Gegenteil betont sie die hohe Relevanz des Friedensritus in der Eucharistiefeier: Der Friedensgruß bringt zum Ausdruck, dass die Eucharistie von Natur aus ein Sakrament des Friedens ist.

Das Rundschreiben erschließt die eigentliche Bedeutung des Friedensgrußes in der Messfeier: Der Friedensritus gehört in der römischen liturgischen Tradition zu den auf die Kommunion vorbereitenden Riten und hat seinen Platz zwischen dem Vaterunser (mit Embolismus und Doxologie) und der Brotbrechung. Von dort her erhält er seine theologische Bedeutung: Der Friedensgruß ist Zeichen des Friedens, der Gemeinschaft und der Liebe und weniger ein Zeichen der Versöhnung und der Sündenvergebung. Ein solches wäre er, wenn er vor der Gabenbereitung stünde gemäß dem Wort des Herrn in der Bergpredigt: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder …“ (Mt 5,23 f.) Der Friedensgruß vor der Kommunion jedoch steht mit Ostern in Verbindung. Er macht deutlich: Der „Friede ist Frucht der Erlösung, die Christus mit seinem Tod und seiner Auferstehung in die Welt gebracht hat“, und Gabe, die der Auferstandene seiner Kirche immer neu zuspricht, wenn sie sich um den Altar versammelt. Er unterstreicht, dass die Eucharistie immer als Gemeinschaft der Kirche in der Einheit mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn gefeiert wird. Der Friede, den wir verschenken, ist nicht Werk der Gläubigen, sondern geht vom Herrn aus und ist seine Gabe.

Im Weiteren wendet sich das Rundschreiben der Gottesdienstkongregation gegen Fehlformen, die den eigentlichen Sinn des Friedensritus konterkarieren. Wird das Friedenszeichen ausgiebig und übertrieben zelebriert, so zerstört es die innere Einheit von Hochgebet, Brotbrechung und Kommunion, welche die wesentlichen Elemente der Eucharistie sind. Ein inflationärer und übertriebener Gebrauch des Friedenszeichens erweckt den Eindruck, als wäre es der Höhepunkt der Eucharistie. Deshalb soll der Friedensgruß in schlichter Weise weitergegeben werden. Es genügt, wenn jeder seinem Nachbarn die Hand zum Frieden reicht.

Vier Missbräuche beim Friedensgruß spricht die Gottesdienstkongregation in ihrem Dokument besonders an:

a) die Einführung eines „Friedensliedes“, das im römischen Ritus nicht vorgesehen ist und in Konkurrenz zum Gesang der Brotbrechung (Agnus Dei) tritt.

b) dass sich die Gläubigen zum Austausch des Friedensgrußes von ihren Plätzen entfernen und sich in der Kirche umherbewegen.

c) dass sich der Priester vom Altar entfernt, um den Gläubigen den Frieden zu wünschen, gleichsam als müsste der Friede Christi vom Altar zu den Gläubigen gebracht werden, ohne zu bedenken, dass sich der Friede Christi schon durch das gesprochene Wort „Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch“ ereignet.

d) dass bei bestimmten Anlässen (Ostern, Weihnachten, Taufe, Erstkommunion, Beerdigung) der Friedensgruß zum Anlass genommen wird, um Glückwünsche oder Beileidsbekundungen auszutauschen.

Römische Dokumente werden in den Pfarrgemeinden oftmals misstrauisch beäugt. Dabei könnte gerade das Rundschreiben der Gottesdienstkongregation für jede Pfarrgemeinde ein Impuls sein, einmal über ihre liturgische Praxis nachzudenken und zu überlegen, wie sie den Gottesdienst noch sachgerechter und lebendiger feiern kann. Das Schreiben macht einmal mehr bewusst: So, wie die Kirche insgesamt der beständigen Erneuerung bedarf, so darf auch die Erneuerung des gottesdienstlichen Lebens nie abgeschlossen sein.